Bergung und anthropologische Untersuchung von Leichenbränden

Mehrere Termine zur Bergung von verbrannten Überresten aus prähistorischen Urnen haben bislang in Oldenburg stattgefunden. Die Urnen sind bei der Ausgrabung eingegipst worden und der Leichenbrand wird unter Laborbedingungen mit Unterstützung engagierter Mitglieder archäologischer Vereine entnommen. Dies ist jedoch nur möglich, da das Sediment in den Urnen sandig ist und sich der Leichenbrand deshalb gut bergen lässt. Auf diese Weise kann unter anthropologischer und archäologischer Anleitung jeweils eine größere Menge an Urnen bearbeitet werden.
Die Bergung des Leichenbrandes erfolgt schichtweise. So sind wertvolle Hinweise auf die Einfüllung des Leichenbrandes in die Urne zu erhalten. Sind die knöchernen Überreste z.B. nach anatomischer Abfolge in die Urne eingefüllt, so kann auf die Größe des Scheiterhaufens rückgeschlossen werden und es können Aussagen zu einigen Abläufen des Bestattungsrituales getroffen werden.
Die anthropologische Untersuchung des Leichenbrandes erfolgt im Anschluss an die Bergung in Göttingen. Bei Vorliegen geeigneter Fragmente lässt sich das Sterbealter und das Geschlecht bestimmen, die Körperhöhe rekonstruieren sowie pathologische Veränderungen erfassen.
Die ersten Untersuchungen haben gezeigt, dass der Anteil subadulter Individuen auf dem Gräberfeld recht groß ist. Bei einigen Bestattungen ist deutlich erkennbar, dass die Schädelfragmente zuerst in die Urne eingefüllt wurden.

Fries JE, Grosskopf B, Wesemann M, 2018: Ehrenamt und Leichenbrand. Fachgerechtes Ausnehmen von bronze- und eisenzeitlichen Urnen durch ehrenamtliche Kräfte. Archäologie in Niedersachsen 2018 (Band 21) S. 89 - 92.

Mit Pinzette auf Knochensuche (2012)
Untersuchung der Urnen (2009)