
- ab 10/2024 Vertretung der Professur für Europäische Zeitgeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen (Prof. Dr. Petra Terhoeven)
- seit 04/2024 Leiter der Gerda-Henkel-Forschungsgruppe: „Die ‚Zeit der Demokratie. Zeitstrukturen und temporale Diskurse in der parlamentarischen Praxis in Deutschland und Frankreich nach 1945 (Universität Göttingen)
Meine Forschungsschwerpunkte:
- Gesellschafts- und Kulturgeschichte der Ökonomie, insbesondere in Bezug auf die sozialen und moralischen Zuschreibungen im Bereich von Konsum, Handel und Produktion
- Biographieforschung und individuellen Erfahrungsgeschichte, insbesondere in Bezug auf die Erfahrung und biographische Sinngebung der europäischen Gewalt- und Diktaturgeschichte des 20. Jahrhunderts
- Geschichte von Demokratie und zivilgesellschaftlicher Partizipation, insbesondere in Bezug auf die zeitliche Strukturierung parlamentarischer Entscheidungen sowie zivilgesellschaftliche Formen von Partizipation und Protest
Publikationen
- Die Erfindung des moralischen Konsumenten. Globale Produkte und politischer Protest in Großbritannien und der Bundesrepublik, Göttingen 2024.
- (mit Jürgen Finger und Reinhild Kreis), Die moralische Dimension der Ökonomie. Eine Herausforderung in historischer Perspektive, Göttingen 2026 (erscheint demnächst)
- Die ‚Zeit‘ der Demokratie. Zeitstrukturen und temporale Diskurse in der parlamentarischen Praxis der Bundesrepublik, in: Historische Zeitschrift 322,3 (2026), S.603–637.
- Mit Kaffeesäcken und Traktoren. Die Dependenztheorie in der westdeutschen und britischen Entwicklungszusammenarbeit der 1960er bis 1980er Jahre, in: Traverse. Zeitschrift für Geschichte 32,2 (2025).
(Vollständiges Publikationsverzeichnis)
Forschungsprojekte
Forschungsgruppe: Die 'Zeit' der Demokratie
Seit April 2024 bin ich Leiter der von der Gerda-Henkel-Stiftung geförderten Forschungsgruppe „Die ‚Zeit‘ der Demokratie. Zeitstrukturen und temporale Diskurse in der parlamentarischen Praxis in Deutschland und Frankreich nach 1945“. Die Forschungsgruppe untersucht in drei Teilprojekten die Bedeutung von Zeit als strukturierendem Merkmal parlamentarischer Strukturen und Entscheidungen.
Buchprojekt: „Zukünftige Generationen"
Die Rede von „zukünftigen Generationen“ ist eine der prominentesten politischen Pathosformeln der Gegenwart – im Kontext der Klimakrise genauso wie in Debatten über Bildungspolitik, Rentenreformen oder die Schuldenbremse.
Das Forschungsprojekt analysiert diese Bezugnahme auf „zukünftige Generationen“ von der Zeit des späten 18./frühen 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart – von der Philosophie der Aufklärung, wo „kommende Geschlechter“ als Träger des zeitgenössischen Fortschrittsoptimismus fungierten über die Utopien und Dystopien demographischen und eugenischen Denkens im 19. und frühen 20. Jahrhunderts bis zum Aufstieg von Zukunftsethik und Generationengerechtigkeit in der politischen Philosophie seit den 1970er Jahren.
Für erste Veröffentlichungen aus dem Kontext dieses Forschungsfeldes siehe meine Aufsätze in „History and Theory“ und „Aus Politik und Zeitgeschichte“.
Forschungsvorhaben: „Konflikte der Nachhaltigkeit“
In meinen aktuellen Forschungen, die zum Teil Aspekte meiner Habilitation fortsetzen, beschäftige ich mich darüber hinaus mit einer Konfliktgeschichte der Nachhaltigkeit seit dem 19. Jahrhundert. Im Zentrum steht keine Begriffsgeschichte, sondern eine Historisierung von Konflikten und Problemfeldern, die ab dem 19. Jahrhundert über den Zukunftsbezug politischen Handels geführt wurden und als „Verzeitlichung politischer Verantwortung“ gefasst werden können.
Als erste Veröffentlichung aus diesem Forschungsfeld erscheint demnächst ein Forschungsbericht zur Geschichte der Nachhaltigkeit im „Archiv für Sozialgeschichte“. Ein Artikel für die Sektion „Viewpoints“ in der Zeitschrift „Past and Present“ ist aktuell in Vorbereitung.
Betreute Dissertationen
- Marlene Draing, Streit um die Tagesordnung. Die zeitliche Organisation parlamentarischer Praxis im Bundestag und der Assemblée Nationale nach 1945 (Erstbetreuung).
- Anna Spielvogel, Demokratische Halbwertszeiten. Zeitkonflikte und Fragen der demokratischen Legitimation in der Suche nach einem atomaren Endlager in Frankreich und der Bundesrepublik (Erstbetreuung).
- Kai Steinhage, Den Schützengraben vor Augen, den Aggressor im Kopf? Die Bedeutung deutscher Feindbilder für den Frontalltag britischer Soldaten im Ersten Weltkrieg (Zweitbetreuung, zusammen mit Prof. Dr. Stefan Berger).
- Christoph Ehlert, “Die Waffen der Demokratie“. Polizeigewalt und Rechtsstaat im italienischen „kalten Bürgerkrieg“ (1947-1960) (Zweitbetreuung, zusammen mit Prof. Dr. Petra Terhoeven).
- Timo Ohrndorf, Die Villa Buth. Eine Mikrogeschichte antijüdischer Verfolgung im Kreis Jülisch 1941/42 (Zweitbetreuung, zusammen mit Prof. Dr. Elke Seefried) Ruth Oeler, Frauen – Kunst – Politik. Künstlerinnen in Politik und Gesellschaft, 1920-1950 (Drittgutachten/ Mitglied des Mentorats).
abgeschlossen
- Adrian Hilker, Der Zweite Weltkrieg im digitalen Spiel: Die Konstruktion von Geschichtsbildern durch Narration und Spielmechanik in dem Computerspiel Company of Heroes III (2026).
- Tim Ohnhäuser, Verfolgungssuizide. Arthur Nicolaier (1862-1942) und die Selbsttötungen im Kontext der NS-Verfolgung (Zweitbetreuung, Disputation am 15.11.2024).
- Lisanne Rother, Bildkampagnen für die Umwelt: Umweltmoral im Prozess öffentlichen Aushandelns am Beispiel der BRD von 1960 bis 1990 (Drittgutachten, Disputation am 24.4.2024).
Betreute Abschlussarbeiten (seit 2020)
- Adrian Hilker, Der Zweite Weltkrieg im digitalen Spiel: Die Konstruktion von Geschichtsbildern durch Narration und Spielmechanik in dem Computerspiel Company of Heroes III (2026).
- Johannes Mädge, Fußballvereine in Deutschland und ihre Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit (2026).
- Luisa Selcho, Mutter, Arbeiterin, „Volksgenossin“. Frauenbilder im nationalsozialistischen Diskurs der Zeitschrift „Die Frau“ (1933–1944) (2025).
- Margarete Limbart, „Wir nicht, die anderen auch“ – Der deutsche Kolonialismus in Geschichtsbüchern (1952–2024). Darstellung, Wandel und erinnerungspolitische Narrative (2025).
- Katja Brinkmann, Die Heimkehr von Ost nach Ost. Öffentlicher Diskurs über die ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen der Sowjetunion in der Nachkriegszeit bis in die 1960er Jahre in der SBZ bzw. DDR (2025).
- Luise Lamberty: Geschlechterbezogene Unterschiede der Selektion der „T4-Opfer“ am Beispiel der „Gau Heil- und Pflegeanstalt Graz am Feldhof (RWTH Aachen, 2023).
- Christoph Ehlert, Italianità sul piatto. Gastrointellektuelle und ihre Italienentwürfe im 19. und 20. Jahrhundert (2026).
- Miriam Hockmann, „Widerstand gegen jeden erzieherischen Versuch“: Verfolgungswege von Häftlingen der „Fürsorgeerziehungsabteilung“ im Landwerkhaus Moringen von 1938 bis 1944 (2026).
- Nora Timar, Der Einfluss des Menschen auf die Erde. Historische Reflexionen von Schülerinnen und Schülern über das Anthropozän (Universität zu Köln, 2024).
- Maximilian Simon Fraer, „The Men Who Are Running This Government are of a Mentality that You and I Cannot Understand”. Die Wahrnehmung der NS-Diktatur in Deutschland durch US-Diplomaten 1933-1934 (RWTH Aachen 2024).
- Julia Engelhardt, Ignoranz oder Unwissenheit? Die Colonia Dignidad und die Untätigkeit der bundesdeutschen Regierung (RWTH Aachen, 2023).
Bachelorarbeiten Erstbetreuung
- Alonso Trenkner Merino, „Prototyp eines deutschen Diplomanten“: Franz von Papens Selbstinszenierung und Geschichtskonstruktion in der franquistischen Presse, 1952-1969 (laufend).
- Katharina Bornemann, Nachhaltigkeit vor Brundtland: Ideengeschichtliche Ursprünge von Sustainable Development im Werk Barbara Wards, 1951-1972 (laufend).
- Katharina Bunke, Der Einsame von Bethel? Zur Konstruktion, Verbreitung und Dekonstruktion des Bodelschwingh-Narrativs in der deutschen Nachkriegsgesellschaft (1953-1983) (laufend).
- Maya Grapengießer, Zwischen Wissenschaft, Körpererziehung und Ideologie. Der Hochschulsport an der Universität Göttingen im Nationalsozialismus: Eine Analyse anhand von Verwaltungs- und Lehrquellen (laufend).
- Ronja Lücke, Die Delegitimierung des parlamentarischen Systems in der Weimarer Republik durch den Nationalsozialismus am Beispiel der Pressarbeit des Völkischen Beobachters 1932/33 (laufend).
- Sören Klenzendorf, Gemeinschaftsrhetorik: Wahlkämpfe in den USA und der Weimarer Republik im Jahr 1932 (laufend).
- Janina Zimmermann, Die Tätigkeit der Polizei Aurich im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti (laufend).
- Tore Ernst Fromhage, Presse und Protest: Zur Berichterstattung der BILD-Zeitung über politische Proteste in der Bundesrepublik (2026).
- Natalia Lucas, Die Duisburger Brandnacht von 1984. Ein Auftakt rechter Gewalt in der Bundesrepublik und der lange Kampf um Anerkennung (2025).
- Agit Aba: Schwieriges Erbe. Der Umgang mit Marx in der SPD der Weimarer Republik (Universität zu Köln, 2021).
- Lukas Kellers: Erbgesundheitsgerichtsbarkeit, Zwangssterilisation und Wiedergutmachungspraxis am Beispiel des Mönchengladbacher Dichters und Kunstmalers Alfons B. (Universität zu Köln 2020).
- Simon Nehmzow, Miguel Serranos Esoterischer Hitlerismus als geschichtsrevisionistische und antisemitische Verschwörungstheorie - Zur Gefährdung geschichtswissenschaftlicher Deutungs- und Erkenntnisansprüche (laufend).
- Hedi Mohammed, Administrative Normalität und Zwangsarbeit. Die Bombardierungen Northeims 1944/45 zwischen Luftschutz, Nothilfe und Wiederaufbau (2026).
- Hannah Rachel Fröhlich, „Wir wollten immer nur Menschen sein." Die Journalistin Ruth Andreas-Friedrich im Spannungsfeld von Widerstand und NS-Propaganda (1938–1945) (2025).
- Annika Münstermann, Zwischen Differenz und Solidarität – Die Göttinger (Uni-)Frauen_Lesbenzeitung RADIKARLA von 1993 bis 1994 (2025).
- Din Mekic, Wandel der Wahrnehmung? Der öffentliche Diskurs über Flüchtlinge in Deutschland von den späten 1970er Jahre bis in die 1990er Jahre (RWTH Aachen, 2023).