Promotionsprojekt: Karl Finke
Die Verwirklichung des regionalgeschichtlichen Prinzips im Geschichtsunterricht der DDR
zwischen 1965 und 1988 – Akteur:innen, Handlungslogiken und -potenziale
Ausgehend von der Erklärung der Regionalgeschichte zum Unterrichtsprinzip des Geschichtsunterrichts in der DDR, was sich neben der bloßen Proklamation in einem qualitativen und quantitativen Zuwachs an regionalgeschichtlichen Inhalten im Geschichtsunterricht der DDR zwischen 1965 und 1988 ausdrückte, wird die geschichtswissenschaftliche und erziehungswissenschaftliche Entwicklung mit den Komponenten der Pädagogik, Methodik und Psychologie des Geschichtsunterrichts in der DDR im Lichte bildungs- und gesellschaftspolitischer Diskurse nachvollzogen. Den Rahmen des Dissertationsprojekts bilden dabei die maßgeblichen Lehrplanreformen 1966/71 und 1988. Anhand des Beispiels der Regionalgeschichte, deren Forschung in der DDR aus ideologischen Gründen lange Zeit randständig blieb, wird das komplexe Handlungsfelder der Geschichtskultur und ihrer spezifischen Ausprägung über die Herausbildung sozialistischer Traditionen in der DDR nachgezeichnet und darüber hinaus untersucht, inwieweit im Verlauf der DDR einzelne Akteursgruppen auf der Grundlage von Wissenschaftstraditionen oder Handlungslogiken, die nicht der Ideologie des Marxismus-Leninismus entsprangen, zunehmend relative und sekundäre Autonomien in ihren Handlungen entwickeln konnten. Somit wird ein Beitrag zur Disziplingeschichte der Geschichtsdidaktik geleistet und darüber hinaus Erklärungsansätze zur Entwicklung des Geschichtsbewusstseins in der DDR über die Verwirklichung und Wirkung eines konkreten Unterrichtsprinzips des Geschichtsunterrichts geliefert.