Prof. Dr. Karin Rührdanz

Frau Rührdanz ist seit Anfang 2007 Kuratorin für Islamische Kunst am Royal Ontario Museum und Professorin für Islamische Kunst an der Universität von Toronto (Kanada).Nach ihrem Studium der Orientarchäologie an der Martin-Luther-Universität in Halle/Saale schloss sie eine Promotion zum Thema Humanismus und Tradition in der modernen arabischen Malerei sowie eine Habilitation über Die Entwicklung der persischen Manuskriptillustration vom 14. bis zum 16. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der in der DDR aufbewahrten Miniaturhandschriften an der MLU an und war dort mehrere Jahre als Spezialistin für Probleme der Islamischen Kunstgeschichte und Architektur im Bereich der Orientforschung tätig. Später führten sie weitere Projekte unter anderem an die Universitäten Bamberg und Pennsylvania (USA). Einem Forschungsaufenthalt in den frühen 90er Jahren am Institute for Advanced Study in Princeton (USA), bei dem bebilderte Geschichten über Propheten im Fokus von Frau Rührdanz Forschungsinteresse standen, folgte 1999 in Zusammenarbeit mit Rachel Milstein und Barbara Schmitz die Publikation Stories of the Prophets: Illustrated Manuscripts of Qisas al-Anbiya’. Von 2005 bis 2007 arbeitete sie im Projekt Islamische Kunstobjekte in Wiener Sammlungen an der systematischen Erfassung von Kunstschätzen aus der "islamischen" Welt an Wiener Museen und Sammlungen mit. Karin Rührdanz’ Forschungsschwerpunkte sind Buchkunst und das Verhältnis von Text und Bild, beispielsweise in illustrierten arabischen und persischen naturhistorischen Kompendien, im iranischen Epos und in der zentralasiatischen Manuskriptproduktion (16. – 18. Jh.). Zu ihren jüngsten Publikationen zählen

2009 “Miniatures of the Bukharan court atelier in a copy of Khwājū Kirmānī’s Khamsa dated 1087/1667-68,” in Écrit et culture en Asie centrale et dans le monde turco-iranien, Xe-XIXe siècles/Writing and Culture in Central Asia and the Turko-Iranian world, 10th-19th centuries, eds. Francis Richard et Maria Szuppe (=Studia Iranica, cahier 40), Paris, Leuven (Association pour l’avancement des études iraniennes/Peeters), pp. 375-402.

2007 “Zwischen Botschaft und Kommerz: zum geistig-kulturellen Hintergrund persischer Illustrationsstile im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert,” in Iran und iranisch geprägte Kulturen: Studien zu Ehren von Bert G. Fragner, eds. B. Hoffmann, R. Kauz und M. Ritter, Wiesbaden: Reichert, pp. 353-364.

2005 “Populäre Naturkunde illustriert: Text und Bild in persischen ‘Ajâ’ib-Handschriften
spätjala’iridischer und frühtimuridischer Zeit,” Studia Iranica 34, pp. 231-256.


Kunst und Kultur im frühabbasidischen Bagdad: Eine Rekonstruktion nach materiellen Zeugnissen
Vortrag von Prof. Dr. Karin Rührdanz, 12. September 2011, 18 Uhr, Lichtenberg-Kolleg / Historische Sternwarte

Im goldenen Zeitalter des Islam fungierte Bagdad als Zentrum für Religion, Kunst und Wissenschaft, in dem zahlreiche Gelehrte unterschiedlicher Konfessionen ihre Heimat fanden und Werke verfassten, deren Wirkung bis in die heutige Zeit in der islamischen Welt spürbar ist. Beginnend mit einer Rekonstruktion der Topographie des frühabbasidischen Bagdad nach Schriftquellen, vermittelt der Vortrag dann anhand materieller Zeugnisse Einblicke in das Lebensumfeld der Bewohner dieser Weltstadt. Ein wesentlicher Teil der Darstellung ist der Buchkultur gewidmet, in der die geistige Entwicklung am Hof der abbasidischen Kalifen ihren Niederschlag fand. In diesem Zusammenhang sollen Manuskripte vorgestellt werden, die sowohl als Textträger als auch als dekorative Objekte genutzt wurden.