Prof. Dr. Kaspar von Greyerz

Prof. Dr. Kaspar von Greyerz studierte Geschichte und Philosophie in Bern und Genf, wurde an der Stanford University promoviert und habilitierte sich, u.a. nach einer Zeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Historischen Instituts London, 1987 in Bern. Er wurde 1993 Ordinarius für Neuere Allgemeine und Schweizer Geschichte in Zürich. Seit 1997 lehrt er in Basel und ist seit 2005 Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Basel. Gastdozenturen führten ihn nach Berkeley und Paris. Nach verschiedenen abgeschlossenen Projekten betreut er aktuell die Forschungen zu den Themen „Konfessionelle Identität und Alterität im 17. Jahrhundert: Religionsgeschichte und Selbstzeugnisforschung im Dialog“ und „Wissenschaftsgeschichte und Geschichte des Wissens im Dialog: Schnittmengen bei Johann Jakob Wagner (1641-1695) und Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733)“ als Projekte. Neben seinen sehr zahlreichen Publikationen zu Themen der Frühen Neuzeit (u.a. zu Selbstzeugnissen, Dreißigjährigem Krieg, Puritanismus, Basler Geschichte u.v.a.) ist in Deutschland vor allem seine diachrone Synthese „Religion und Kultur. Europa 1500-1800“ (Göttingen 2000) besonders bekannt. Jüngst erschien von ihm „Passagen und Stationen. Lebensstufen zwischen Mittelalter und Moderne“ (Göttingen 2010).

Weitere Informationen: http://histsem.unibas.ch/seminar/personen/person-details/profil/person/vongreyerz

Die im Vortragstitel gemeinten Selbstzeugnisse sind Autobiographien, Tagebücher und Familienchroniken. Diese Quellen bzw. die dort für den Aspekt der religiösen Lektüre relevanten Passagen wurden in einer Art Querschnittsbetrachtung ausgewertet und analysiert. Diese Betrachtung reichte von den bekannten Aufzeichnungen des Ziegenhirten, Scholaren und späteren Gymnasiallehrers Thomas Platters (1499[?]-1582) bis zum noch unveröffentlichten Tagebuch des erweckten Basler Theologiekandidaten Carl Brenner-Sulger (1806-1838). Der Vortrag warf ausserdem einen Blick auf den frühneuzeitlichen Erwerb von Lesefähigkeiten und auf das damalige Verhältnis von individuellem Lesen und Vorlesen in einem familiären und kollektiven Kontext, wobei auch Autoren aus bescheidenen Verhältnissen wie Jörg Frell (1530-1597 [?]), Ulrich Bräker (1735-1798) und Heinrich Bosshard (1748-1815) in den Blick genommen wurden.