Gebärdensprache in Göttingen

Annika Herrmann


Als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Germanistische Linguistik und Gebärdensprachforschung an der Georg-August-Universität in Göttingen leite ich derzeit das Gebärdensprachlabor und arbeite an verschiedenen Forschungsprojekten. Von 1999 bis 2005 habe ich an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz Germanistik, Geographie und Ethnologie studiert und mit einem DAAD Auslandsstipendium für Abschlussarbeiten ein halbes Jahr in Galway, Irland verbracht, um die Deutsche Gebärdensprache mit der Irischen Gebärdensprachen zu vergleichen. Von 2006 bis 2009 promovierte ich mit einem DFG-Promotionsstipendium am Graduiertenkolleg „Satzarten: Variation und Interpretation“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main über Modal- und Fokuspartikeln in drei verschiedenen Gebärdensprachen. Während meiner Doktorarbeit war ich Lehrbeauftragte am Deutschen Institut und am Institut für Erziehungswissenschaften der Gutenberg-Universität Mainz, um interessierten Studierenden das Thema ‚Gebärdensprachlinguistik‘ näherzubringen. Von Oktober 2009 bis Januar 2010 arbeitete ich als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe „Neurokognitive Grundlagen sprachlicher Universalien“ am Department for English and Linguistics der Gutenberg-Universität Mainz in einem innovativen EEG-Projekt zu „Neurophysiological Foundations of Sign Language“, das wir mit unserem Team in Göttingen nun als Kooperation mit Prof. Dr. Matthias Schlesewsky weiterführen.

Meine besonderen Forschungsinteressen liegen in der theoretischen und experimentellen Gebärdensprachlinguistik. Dabei untersuche ich vor allem verschiedene Schnittstellen der Grammatik. Ich beschäftige mich mit nicht-manuellen Mitteln und ihren Funktionen bspw. in der Informationsstruktur, der Syntax-Prosodie-Schnittstelle, und bei Modal- und Fokuspartikeln. Aktuell erforschen wir die Verarbeitung von räumlichen Strukturen in Deutscher Gebärdensprache (DGS). Verschiedene psycho- und neurolinguistische Studien mit EEG- und Eye-Tracking-Experimenten liefern dabei interessante Ergebnisse. Zudem sind Themen wie Redewiedergabe, Kongruenzmarkierung und die diachrone Entwicklung der DGS für meine Forschungen relevant. Das faszinierende an Gebärdensprachen ist nicht nur die wunderbare Ausdrucksmöglichkeit dieser Sprachen, sondern auch die Tatsache, dass Gebärdensprachlinguistik ein hervorragendes Forschungsgebiet darstellt, um linguistische Theorien, Universalien und Sprachprozesse über die verschiedenen Modalitäten hinweg zu überprüfen.