Literatur und Literaturvermittlung im Zeitalter der Digitalisierung
Schrift vergrößern Schrift verkleinernBarrierefreie Version
Suche | English
Carolin Löher


geboren 1985 in Werl. Studium der Skandinavistik (Hauptfach), Neueren Deutschen Literatur und BWL (Nebenfächer) in Freiburg und Reykjavík; 12/2011 Abschluss als Magister Artium mit Auszeichnung, Thema der Magisterarbeit: Matias Faldbakkens Romantrilogie Skandinavisk misantropi und die Frage nach dem Status Populärer Literatur. 4/2010-12/2011 Wissenschaftliche Hilfskraft am Skandinavischen Seminar der Universität Freiburg im DFG-Projekt "Literarische Praktiken in Skandinavien um 1900". 6/2008-10/2008 Praktikum im Literaturbüro Freiburg, seitdem regelmäßig projektbezogene Mitarbeit; 1/2010-3/2013 Entwicklung und Kuration der Lesereihe "zwischen/miete. Junge Literatur in WGs" in Freiburg; 5/2010-9/2013 Mitarbeit im Sachbuchverlag orange-press, Freiburg; 06/2011-08/2012 Projektleitung der "zwischen/brise. Festival für junge Literatur" in Freiburg; 01/2013-11/2013 Koordination des 27. Freiburger Literaturgesprächs. Von Oktober 2013 bis Mai 2016 Kollegiatin im GRK 1787. Seit Juni 2016 Verantwortliche für Kommunikation im Literaturhaus Hamburg.



Promotionsprojekt: Dachmarke Literatur. Die Literaturvermittlungsinstitution Literaturhaus in Deutschland und Skandinavien
Seit Beginn des Zeitalters der Digitalisierung in den 1980er Jahren manifestiert sich unter dem Schlagwort 'Eventisierung' eine Renaissance des Hörens und Erlebens, die bereits als Gesellschaftstendenz akzeptiert wurde. Auch Literatur tritt aus dem privaten Raum der stillen, einsamen Lektüre hervor und findet verstärkt in einer Öffentlichkeit statt - mit weitreichenden Auswirkungen auf die Literaturvermittlung. In diesem Zusammenhang formiert sich eine Einrichtung, die viele Aspekte davon unter einem Dach versammelt: das Literaturhaus.
1986 entsteht in Berlin das erste Literaturhaus, weitere Gründungen folgen in Deutschland, dann in Österreich und der deutschsprachigen Schweiz und schließlich auch in Skandinavien. Knapp 30 Jahre nach der ersten Eröffnung ist das Prinzip keinesfalls überholt: Neugründungen und Umstrukturierungen befeuern die Diskussionen um Aufgaben, Konzepte und Zielsetzungen der nicht-kommerziellen Literaturvermittlung. Einen Beitrag zur wissenschaftlichen Aufarbeitung leistet dieses Projekt. Ansatzpunkt bildet das Spannungsverhältnis, dem die Institution 'Literaturhaus' ausgesetzt ist: Auf der einen Seite bieten Literaturhäuser - dem Digitalen, das eher für Flüchtigkeit und Körperlosigkeit steht, darin opponierend - direkten, fokussierten Austausch und Authentizität an einem eigens für die Literatur reservierten Ort. Auf der anderen Seite nehmen sie an Neuentwicklungen und intermedialen Öffnungen teil. Würden sich Literaturhäuser nur auf eingeübte, exklusiv literarische Praktiken konzentrieren, wären sie nicht mehr konkurrenz- und somit nicht überlebensfähig. Sie müssen also interagieren und gleichzeitig, um ihre Existenz zu legitimieren, ihre Alleinstellungsmerkmale gegenüber anderen öffentlichen Kultureinrichtungen, gegenüber kommerziellen Literaturveranstaltern, aber auch gegenüber nicht-ortsgebundenen Anordnungen, wie Online-Literaturportalen, unterstreichen.
Das Promotionsprojekt untersucht diese Ambivalenz zwischen Konkurrenz und Koalition. Anhand eines empirischen Vergleichs von ausgewählten Literaturhäusern in Deutschland und Skandinavien wird herausgearbeitet, wie sich Literaturhäuser im physischen und im digitalen Raum darstellen, und was diese Präsentation über den Zustand und die Aufgabe der Literatur und Literaturvermittlung im Zeitalter der Digitalisierung aussagt.