GISCA Occasional Paper Series

Die Göttingen Institute of Social and Cultural Anthropology (GISCA) Occasional Paper Series veröffentlicht exzellente Abschlussarbeiten der Studierenden, aktuelle Forschungsergebnisse der Forschenden und Lehrenden des Institutes sowie herausragende Vorträge aus dem Institutskolloquium.


Aktuelle Ausgaben:


GISCA 22 Wartenberg

GISCA No.22, 2019

Bachelorarbeit

Josefine Wartenberg

"Das Konvolut Leonhard Schultze Jena - Eine kolonialzeitliche Spurensuche in der Ethnologischen Sammlung Göttingen"



Zum Bestand der Ethnologischen Sammlung der Georg-August-Universität Göttingen zählen eine Reihe von Gegenständen, die der deutsche Zoologe, Ethnologe und Geograf Leonhard Schultze Jena (1872-1955) auf seinen umfassenden Forschungsreisen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den ehemaligen Kolonien Deutsch-Neuguinea und Deutsch- Südwestafrika zusammengetragen und ab 1937 nach Göttingen verkauft hat. Die Arbeit stellt die Frage, wie diese Gegenstände nach Deutschland kamen und welche Interessen die Forschungstätigkeiten ihres Sammlers leiteten. Die vorhandenen Objekte werden dabei in einen größeren Zusammenhang gestellt: Anhand von Schultze Jenas Veröffentlichungen werden sowohl dessen Beziehungen und Einstellungen zur indigenen Bevölkerung als auch zur kolonialen Verwaltung aufgezeigt. Auf diese Weise wird beispielhaft analysiert, wie die Praxis des ethnografischen Sammelns und der Kolonialismus als Ideologie und als System miteinander verwoben waren.






GISCA 21 Klinkenborg

GISCA No. 21, 2018

Masterarbeit

Lina Klinkenborg

"Migration und Identität - Die Rapanui und ihre Migrationserfahrungen"



Migration ist ein weltweit aktuelles und wichtiges Thema. Auch für die Rapanui, die am Rande des polynesischen Dreiecks mitten im Pazifik auf Rapa Nui, besser bekannt als die Osterinsel, leben. Basierend auf einer ethnografischen Feldforschung auf Rapa Nui untersucht diese Studie die Migrationserfahrungen der Rapanui und deren Auswirkungen auf ihre Identität. Besonders die Migration zu Bildungs- und Arbeitszwecken steht dabei im Fokus, genauso wie die Rückkehr auf die Insel. Junge Rapanui oder sogenannte Mestizos (wörtlich übersetzt Mischlinge, Mestizen), Kinder mit einem Rapanui und einem einer anderen Nationalität angehörigen Elternteil, wachsen im Kontext politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Wandels auf. Die Identität der Rapanui bewegt sich innerhalb dieser verschiedenen Kontexte. Besonders die kulturelle und ethnische Identität sowie die Sprache Rapanui spielen eine wichtige Rolle für ihre Identitätskonstruktionen und ihr Zugehörigkeitsgefühl. Es wird argumentiert, dass während der Migration und nach der Rückkehr auf die Insel Abgrenzungs- sowie Aushandlungsprozesse stattfinden und, dass Migrationserfahrungen die Identität der Rapanui beeinflussen und zu Identitätsverschiebungen oder -verstärkungen führen können, wobei individuelle und kontextuelle Umstände berücksichtigt werden müssen.






GISCA 20 Lauser

GISCA No. 20, 2018

Multimedia paper including photos, video and audio

Andrea Lauser

"Staging the spirits: lên đồng - cult - culture - spectacle"



Vietnamese mediumship known as lên đồng, a central ritual practice in the context of the so-called Religion of the Mother Goddesses (Ðạo Mẫu, also referred to as “the way of the four palaces”, Đạo Tứ Phử), can be described as a vital religious practice which has proved its resilience and adaptability throughout its history despite persistent criticism in the name of modernity and progress. In this paper I trace the dynamics of the transformation of this practice from a forbidden possession ritual at the centre of the Four Palace Cult (Đạo Tứ Phử) to its toleration and appreciation as an expression of “authentic” Vietnamese culture and collective national identity. I outline this pathfrom national shame to national fame through different stages and ‘spaces of articulation’, such as folklorization, the experimental art spectacle, and heritagization and theatricalization as propaganda spectacle. The question of whether mediumship is accepted as a religious ritual, or even as a religion at all, is of political significance and relevance in a country like Vietnam, where the state judges the legitimacy of religion.