Musikwissenschaftliches Seminar
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MusInstrSlg_Inv_1214_P1080924a

Uilleann Pipes Inv.-Nr. 1214
von Joe McKenna, Dublin, 1984



Musikinstrumentensammlung
Georg-August-Universität Göttingen
Musikwissenschaftliches Seminar
Kurze Geismarstr. 1
D-37073 Göttingen

Tel. +49-(0)551/39-5075
Fax +49-(0)551/39-9353

K.P.Brenner@phil.uni-goettingen.de





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Sonstige Informationen

Musikinstrumentensammlung der Universität Göttingen



  • Öffnungszeiten:

    Bis 3. Juli 2016 jeden Sonntag
    von 10:00 bis 16:00 Uhr.

    Die Öffnungszeiten ab dem 10. Juli 2016 werden noch bekanntgegeben.


  • Eintrittspreise:
    Erwachsene 3,-- €
    Ermäßigungsberechtigte (Schüler, Studierende, Rentner und Arbeitslose) 1,50 €
    Familienkarte (max. 5 Personen) 5,-- €
    Kinder bis 7 Jahre frei

    Der Eintritt ist für Studierende und Beschäftigte der Georg-August-Universität Göttingen frei.



  • Führungen:
    nach Vereinbarung, max. 20 Personen
    Kinder-, Jugend- und Studierendengruppen, Schulklassen 30,-- €
    Sonstige Gruppen 45,-- €


  • Ansprechpartner:
    Dr. Klaus-Peter Brenner, Kustos der Sammlung

  • Behindertengerechte Einrichtungen:
    Auffahrtrampe für Rollstuhlfahrer, Aufzug, Behindertentoilette

  • Spenden:
    Spenden sind willkommen und können – bitte mit dem Zweckbindungsvermerk »für die Musikinstrumentensammlung der Universität« und der Spenderadresse – auf das Konto des Universitätsbundes Göttingen e.V. (Konto-Nr. 04-06496, Deutsche Bank, Filiale Göttingen, BLZ 260 700 72) eingezahlt werden. Der Universitätsbund stellt eine Spendenquittung aus.




Kurzinformation

Das Musikwissenschaftliche Seminar der Universität Göttingen verfügt mit seiner bedeutenden Musikinstrumentensammlung über eine typologisch, historisch und kulturgeographisch weitgefächerte Spezialsammlung, die das gleichermaßen materielle und geistige Kulturgut Musikinstrument in der Fülle seiner typologischen Erscheinungsformen und mit Blick auf seine kulturhistorischen Verflechtungen und soziokulturellen Bindungen zum Gegenstand hat. Ihr Bestand umfasst 1.935 Musikinstrumente aus aller Welt, vorwiegend jedoch solche Europas, Asiens und Afrikas (einschließlich Altägyptens).

Mit ihrer institutionellen Einbindung in das Musikwissenschaftliche Seminar und mit ihrem Bestands- und Beforschungsprofil reflektiert diese Sammlung eine auf das fruchtbare Zusammenwirken der drei musikwissenschaftlichen Teildisziplinen – Historische Musikwissenschaft, Systematische Musikwissenschaft und Musikethnologie (in heutiger Göttinger Ausprägung: Historische, Soziale und Kulturelle Musikwissenschaft) – hin orientierte Ausrichtung.



Geschichte der Sammlung

Die Sammlung wurde 1964 auf Initiative des damaligen Lehrstuhlinhabers Prof. Heinrich Husmann (1908-1983) als Lehr- und Forschungssammlung eingerichtet. Ihren Grundstock bildete die seit den 1930er Jahren zusammengetragene, 1.050 Objekte umfassende, Privatsammlung von


  • Hermann Johannes Moeck (1896-1982), Instrumentenfabrikant und Musikverleger, Celle.


Diese war vom Land Niedersachsen aus Mitteln der Volkswagenstiftung für die Universität Göttingen erworben worden.

Der Moeckschen Sammlung hatte eine Sammelmotivation zugrundegelegen, die sowohl durch Moecks führende Rolle bei der Wiederbelebung der Blockflöte seit Anfang der 1930er Jahre und seine enge Beziehung zur Jugendmusikbewegung als auch durch den Einfluss der um Universalgeschichtsschreibung bemühten sogenannten Kulturkreislehre, des seinerzeit in Völkerkunde, Vergleichender Musikwissenschaft und Musikinstrumentenkunde vorherrschenden Forschungsparadigmas, geprägt war. Dies hatte sich einerseits in einem besonderen Interesse an Holzblasinstrumenten niedergeschlagen, andererseits in der außerordentlich breiten Streuung der Sammlung im musikethnologischen Bereich, wo vieles aus dem Kunsthandel, so etwa von den renommiertem Hamburger Afrikana-Händlern Kegel & Konietzko (wertvolle Stücke aus Belgisch Kongo), stammte, aber auch in der Integration der musikarchäologischen Privatsammlung Hans Hickmann (altägyptische Objekte).

Bereits vor dem Ankauf waren Bestände mehrerer anderer Privatkollektionen in die Moecksche Sammlung gelangt und in dieser aufgegangen. Diese stammten von:


  • Friedrich Chrysander (1826-1901), Musikwissenschaftler, Hamburg-Bergedorf

  • Anni Gutt, Musiklehrerin, Ballenstedt am Harz

  • Irmgard Pflüger, Japan

  • Dr. Fritz Bose (1906-1975), Musikethnologe, Berlin

  • Theodor Schäffer (1875-1945), Architekt, München // Stadt Offenbach am Main

  • Prof. Hans Hickmann (1908-1968), Musikwissenschaftler, Kairo/Hamburg

  • Alwin Krumscheid (1898-1976), Studienrat, Gießen an der Lahn

  • Lore Kegel (1901-1980) & Boris Kegel-Konietzko (*1925), Afrikana-Händler, Hamburg-Blankenese/Brazzaville.



Heinrich Husmann (1908-1983), der als Schüler Friedrich Ludwigs (Göttingen) sowie Johannes Wolfs, Arnold Scherings, Friedrich Blumes und Erich Moritz von Hornbostels (Berlin) eine fruchtbare Synthese aus den Forschungsansätzen der ›Historischen‹, der ›Systematischen‹ und der ›Vergleichenden Musikwissenschaft‹ (der späteren ›Ethnomusikologie‹) anstrebte und der in seiner Leipziger Assistentenzeit von 1933-1939 die reiche Instrumentensammlung im Grassi-Museum betreut hatte, hatte als Direktor 1964 – neben der Einrichtung eines tonpsychologischen Labors – den Ankauf der Moeckschen Sammlung für das Musikwissenschaftliche Seminar in die Wege geleitet, um in Göttingen nach Berliner, Leipziger und Wiener Vorbild ein Institut zu schaffen, das personell und technisch die Voraussetzungen dazu bot. In einem 1968 in Georgia Augusta erschienenen Artikel äußerte er sich programmatisch zur Einbeziehung der Sammlung in die musikwissenschaftliche Forschung, wobei er die universalen psychoakustischen Grundlagen und die Entwicklungsgeschichte je kulturspezifischer musikalischer Ton- und Zusammenklangssysteme sowie die Schlüsselrolle von Musikinstrumenten als ›Klang- und Tonsystemerzeuger‹ in den Mittelpunkt stellte – ein wegweisender Gedanke, der später u. a. auch bei mehreren monographischen Forschungsprojekten des Kustos der Sammlung Klaus-Peter Brenner eine zentrale Rolle spielen sollte.

Seit ihrer Gründung 1964 ist die Sammlung bis Ende der 1970er Jahre zunächst nur durch sporadische Gelegenheitsankäufe erweitert worden. Seit Anfang der 1980er Jahre wurde sie hingegen durch den Ankauf gut dokumentierter Feldforschungssammlungen im musikethnologischen Bereich systematisch ausgebaut. Hinzu kamen durch Erwerb oder Dauerleihnahme einzelne besonders bedeutende Stücke im Bereich der europäischen historischen Holzblas- und Tasteninstrumente. Infolge dieser Erweiterungen ist der Bestand mittlerweile auf nahezu die doppelte Anzahl von Objekten angewachsen. Die wichtigsten Sammler, deren Kollektionen nach 1964 die Sammlung bereicherten, sind:


  • Prof. Felix Hoerburger (1916-1997), Musikethnologe, Regensburg

  • Dr. Heide Nixdorff, Volkskundlerin, Berlin

  • Prof. Kurt Reinhard (1914-1979) und Ursula Reinhard (1915-2006), Musikethnologen, Berlin

  • Prof. Rudolf M. Brandl (*1943), Musikethnologe, Berlin / Göttingen / Wien

  • Prof. Martin Staehelin (*1937), Musikhistoriker, Basel / Bonn / Göttingen

  • Robert Wildhaber (1902-1982), Basel, Direktor des Schweizerischen Museums für Volkskunde

  • Wolfgang Homann, Landgerichtsdirektor a.D. und Universitätsrat der Georg-August-Universität Göttingen a. D., und Gattin, Göttingen

  • Dr. Klaus-Peter Brenner (*1958), Musikethnologe, Göttingen, Kustos der Sammlung seit 1992

  • Prof. Manfred Bartmann (*1952), Musikethnologe, Göttingen / Köln / Salzburg

  • Dr. Jürgen Schöpf (*1968), Musikethnologe, Göttingen / Frankfurt / Wien

  • Dr. Hermann Alexander Moeck (1922-2010) und Sabine Haase-Moeck, Musikwissenschaftler, Instrumentenfabrikanten und Musikverleger, Celle, Sohn und Enkelin des Hauptsammlungsgebers Hermann Johannes Moeck.



Bestandsstruktur

Die Sammlung zählt mit 1.935 Objekten (einschließlich 93 Neuerwerbungen, die im Bestandskatalog und in der unten folgenden Aufgliederung jedoch noch nicht erfasst sind; Stand: April 2016) heute zu den größten ihrer Art in Deutschland. Ihr weitgefächerter Bestand repräsentiert sowohl europäische als auch außereuropäische Instrumentenbau- und Musiktraditionen und gliedert sich in folgende Bereiche:


  • Europa, Kunstmusik (vorwiegend späteres 18. bis frühes 20. Jahrhundert): 627 Objekte

  • Europa, Volksmusik: 342 Objekte

  • Afrika südlich der Sahara: 280 Objekte

  • Altägypten (ehemalige Sammlung Hans Hickmann): 129 Objekte

  • Nordafrika/Westasien: 147 Objekte

  • Zentral-/Ost-/Süd-/Südostasien: 257 Stücke

  • Ozeanien: 13 Objekte

  • Nord-/Mittel-/Südamerika: 47 Objekte.


Unter den Exponaten befinden sich mit dem Göttinger Blockflötenfund aus dem 14. Jahrhundert (einer Leihgabe der Göttinger Stadtarchäologie) eines der ganz wenigen im Original erhaltenen Musikinstrumente des europäischen Mittelalters,


ferner eine von nur sieben erhaltenen ›koptischen Lauten‹ (ca. 3.-8. Jahrhundert n. Chr.)


und die mutmaßlich älteste erhaltene altägyptische Bogenharfe (zwischen 2700 und 2200 v. Chr.), um nur einige Rarissima von internationaler Bedeutung zu nennen. Auch die Göttinger Tagore-Tambura sei hier erwähnt:



Weiterführende Informationen bietet der folgende Artikel (PDF, 4,28 MB):



Bestandskatalog

Die primäre Bestandserschließung der Sammlung ist weitgehend abgeschlossen: Die Objekte sind in dem – zugleich als jeweils letztgültiges Inventar fungierenden – Bestandskatalog gleichermaßen typologisch klassifizierend wie in beschreibenden Objektdatensätzen erfasst, wobei letztere die Objekte durch umfangreiche typus- und objektbezogene Literatur- und Archivalienverweise kontextualisieren. Ältere Teilinventare und Archivalien wie z. B. Erwerbskorrespondenzen und -unterlagen wurden dabei sorgfältig ausgewertet und eingearbeitet. In diese Bestandserschließung sind bereits umfangreiche Provenienzforschungen und die oftmals sich daraus ergebenden Richtigstellungen überlieferter Fehlzuschreibungen und -benennungen eingeflossen. Auch der biografischen Dimension der Sammlungsgeschichte wurde dabei einige Aufmerksamkeit geschenkt.

Eine vorläufige Version dieses Bestandskataloges (work in progress) ist hier als PDF-Download (5,19 MB) verfügbar:



Die Musikinstrumentensammlung in Forschung und Lehre

Musikinstrumente/Schallgeräte existieren weltweit, und dies nachweislich seit mindestens 40.000 Jahren. Stets sind Sie sowohl Funktions- als auch Bedeutungsträger. Dies erklärt, warum die im frühen 20. Jahrhundert maßgeblich durch Curt Sachs (Berlin) und seinen Wirkungskreis begründete moderne Musikinstrumentenforschung bereits in ihrer formativen Phase, mithin lange bevor Interdisziplinarität zum Schlagwort avancierte, eine genuin interdisziplinäre Angelegenheit war und dies auch geblieben ist. So weist sie denn Überschneidungen nicht nur mit allen drei Teildisziplinen der Musikwissenschaft, sondern darüber hinaus mit einer Vielzahl von Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften auf, darunter der Technikgeschichte, der Ethnologie, der Soziologie/Sozialgeschichte, sämtlichen regionalspezifischen Sprach-, Kultur-, Kunst- und Geschichtswissenschaften und Archäologien einschließlich der Ur- und Frühgeschichte, ferner der Anthropologie (hier insbesondere der Paläanthropologie), der Musikpsychologie (hier insbesondere der Psychoakustik und der Kognitionsforschung), der Physiologie sowie – im Hinblick auf die in der Musikinstrumentenkunde seit über einem Jahrhundert intensiv geführte Klassifikationsdiskussion – auch der Bibliothekswissenschaft und der Kybernetik und – mit Blick auf die entwicklungsgeschichtliche Dimension des Kulturgutes Musikinstrument – der Evolutionsbiologie.

Die Vielfalt an interdisziplinären Verflechtungen, die die Musikinstrumentenkunde im Allgemeinen kennzeichnet, spiegelt sich im Besonderen auch in dem Beforschungsprofil der Göttinger Musikinstrumentensammlung wider. Dies belegt das folgende Dokument, das einen klassifizierten und chronologisch geordneten Überblick über die Geschichte der Forschung in, an und im Umkreis dieser Sammlung bietet:


Studierende des Faches Musikwissenschaft an der Universität Göttingen befassen sich sowohl im Rahmen verschiedener Lehrveranstaltungen, nicht zuletzt in dem 2011 eingeführten zweisemestrigen BA-Modul „Musikinstrumentenkunde im Museum“, aber auch im Rahmen ihrer Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten, regelmäßig forschend mit den Beständen der Sammlung und tragen so entscheidend zu ihrer wissenschaftlichen Tiefenerschließung bei. Auch Studierende anderer Fächer und Hochschulen, etwa der Kunstgeschichte, der Ethnologie, des Musikinstrumentenbaus und der Restaurierung, beforschen diese Bestände gelegentlich.



Dauerausstellung und öffentliche Zugänglichkeit

Die in ihrer gegenwärtigen Form seit 1989 im Seminargebäude, dem historischen ›Accouchierhaus‹ Kurze Geismarstraße 1, bestehende Dauerausstellung zeigt auf insgesamt 420 m2 Ausstellungsfläche in 15 Räumen des II. und I. Obergeschosses mit 908 Stücken eine repräsentative Bestandsauswahl der Sammlung. Der geschlossene Rundgang im II. Obergeschoss umfasst einen europäischen und einen außereuropäischen Abschnitt. Während die Exponate im europäischen Abschnitt vorrangig nach Gattungen angeordnet sind, folgt die Aufstellung im außereuropäischen Abschnitt in erster Linie kulturgeografischen Kriterien.

Die Ausstellung ist öffentlich zugänglich.

Der folgende Medienspiegel verzeichnet die Resonanz der Sammlung in gedruckten Museumsführern, Presse, Rundfunk, Fernsehen und Filmproduktionen sowie im Internet: