Abteilung für Römisches und Gemeines Recht "Franz Wieacker"
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Seminar im SP 1, 3, 6 und 8 im Wintersemester 2016/17:
Das Ungeborene
Eine Wissens- und Rechtsgeschichte an Objekten





„Ungeborenes Leben“ spielt im Recht in vielerlei Hinsicht eine Rolle. Immer mehr Rechtsgebiete beschäftigen sich mit Fragen seiner Rechtsstellung, seinem zivil-, straf- und verfassungs-rechtlichen Schutz, aber auch mit Besitz- und Eigentumsrechten von (und an) ihm. Das war nicht immer so.
Im Beobachtungshorizont des Rechts taucht das Ungeborene erst auf, als es in anderen Disziplinen, namentlich der Geburtsmedizin, wahrnehmbar und beschreibbar geworden ist. Als Objekt des Wissens ist es mithin nicht ‚natürlich’ und ‚schon immer’ da, sondern entsteht zu einer ganz bestimmten Zeit am Schnittpunkt juristischer und medizinischer Praktiken und Diskurse.
Im Seminar werden wir diese Diskurs- und Praxisstränge anhand von konkreten Objekten aus den einschlägigen Sammlungen der Universität untersuchen. Die Rekonstruktion des Ungeborenen als „einzigartige Figur“ (R. Chartier) verschafft juristischen Problemstellungen, denen Begrifflichkeiten wie „Schutz des ungeborenen Lebens“, „Abtreibungsverbot“ oder „Nasciturus“ zugrunde liegen, erst ihre kulturelle Tiefenschärfe und lädt zum Nachdenken ein über die historischen Verknüpfungen von Recht und Wissenschaft.
Im Rahmen des Seminars können Seminar- und Studienarbeiten nach der SchwPrO in den Schwerpunkten 1 (Historische und philosophische Grundlagen des Rechts), 3 (Zivilrecht und Zivilrechtspflege), 6 (Kriminalwissenschaften) oder 8 (Medizinrecht) sowie vorbereitende Seminararbeiten (Voraussetzung für die spätere Ausgabe einer Studienarbeit) geschrieben werden. Die Veranstaltung steht auch Bachelor- und Masterstudierenden offen.

Für eine (unverbindliche) Anmeldung senden Sie bitte eine Mail an unser Sekretariat. Die Vorbesprechung findet am 13.07.2016 um 12 Uhr s.t. im Seminarraum 1.123 (1. OG, Altes Auditorium) statt.

Seminarankündigung



Antrittsvorlesung "Die Plastik des Rechts" erschienen


Plastik des Rechts In den letzten Tagen des Jahres 1858 verfasste Rudolf von Jhering im Auftrag der Gießener Spruchfakultät ein Rechtsgutachten, das ihm, dem brillanten Pandektisten, ungewohnte Mühe bereitete und ihm sein gesamtes juristisches Können abverlangte. Im später so genannten Schiffspartenfall, einem Klassiker des Zivilrechts, ging es um die Gefahrtragung beim Doppelverkauf bei unverschuldetem Untergang der Kaufsache. Der Fall lässt sich heute ohne weiteres lösen; für Jhering aber lag das dogmatische Rüstzeug noch nicht bereit, er musste es sich selbst mit großem Aufwand zurechtlegen. Das Erlebnis war prägend und wirkte lange nach. Es bewog Jhering nicht nur zu seinem berühmten ›Umschwung‹, sondern veränderte auch sein Verständnis von Geschichte und Recht nachhaltig. Die Antrittsvorlesung wirft einen Blick in die Werkstatt eines der bedeutendsten Juristen des 19. Jahrhunderts. Mit der erstmaligen Edition des Gutachtens lässt sich der ›Umschwung‹ nun plastisch nachvollziehen.

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