Theodor Fontane - Arbeitsstelle

Bilder und Materialien zu »Von Zwanzig bis Dreißig«


Inhaltsverzeichnis
Hermann Schulze-Delitzsch (1808–1883), »Lied des Geächteten«
Hermann Maron (1820–1882), Gedichte im »Berliner Figaro« 1839
Georg Günther (1808–1872)
Wilhelm Wolfsohn (1820–1865)
Friedrich Eggers (1819–1872)
Anton Edmund Wollheim da Fonseca (1810–1884)
Diakonissenkrankenhaus Bethanien



Hermann Schulze-Delitzsch (1808–1883), »Lied des Geächteten«

»Zur selben Zeit […] hatten wir auch einen viven kleinen Sachsen in unsrer Mitte, der ein Bruder des damals noch unberühmten und seinen städtischen Beinamen noch nicht führenden Schulze-Delitzsch war. Dieser letztre, zu jener Zeit noch Assessor, sprach öfter bei uns vor und brachte mir seine nun wohl schon längst in Vergessenheit geratenen Dichtungen mit, an denen ich mich aufrichtig erbaute. Besonders an einem Liede, das, glaub ich ›der Verbannte‹ oder ›der Geächtete‹ hieß und mit den Worten schloß:
                                      Frei allein sind im Walde die Vögel,
                                      Und ich, ich bin vogelfrei …
Das erschien mir großartig und ich war ganz hingerissen davon.«
(»Von Zwanzig bis Dreißig«; GBA – Das autobiographische Werk, Bd. 3, S. 13 f.)

Hermann Schulze aus Delitzsch, der Begründer des deutschen Genossenschaftswesens, Mitbegründer der Deutschen Fortschrittspartei und später langjähriges Mitglied des Deutschen Reichstags, arbeitete 1838 als Assessor am Berliner Kammergericht und verkehrte gelegentlich in der Apotheke von Wilhelm Rose, wo sein Bruder Rudolf beschäftigt war. Dass er damals auch als ›Dichter‹ auftrat, ist heute nahezu ganz vergessen. Unter dem Namen Hermann Schulz veröffentlichte er bei Brockhaus in Leipzig sein »Wanderbuch. Ein Gedicht in Scenen und Liedern«. Das »Lied des Geächteten«, das auf die Demagogenverfolgung der 1820er und 1830er Jahre in Preußen anspielt (Schulze war als Student Mitglied einer verbotenen Burschenschaft), findet sich hier auf den Seiten 79 bis 80.
Spätere Begegnungen zwischen Schulze-Delitzsch und Fontane lassen sich nicht belegen.




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Foto von Hermann Schulze-Delitzsch (um 1870)           Titelblatt »Wanderbuch«




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Lied des Geächteten. S. 79           Lied des Geächteten, S. 80


Quelle: Buch und Foto (Kabinettsfoto von Hermann Günther, Berlin, um 1870) aus Privatbesitz






Hermann Maron (1820–1882), Gedichte im »Berliner Figaro« 1839

»Hermann Maron, unser Herbergsvater [im Lenau-Verein. W. R.], gab den Ton an. Er war aus einem sehr guten Hause, Sohn eines Oberforstmeisters in Posen, und hatte sich, von Jugend an maß los verwöhnt, in völlige Prinzenmanieren eingelebt. […] Dazu kam Marons offenbare dichterische Ueberlegenheit. Eins seiner Gedichte führte den Titel: »Ich mach’ ein schwarzes Kreuz dabei«, Worte die zugleich den viermal wiederkehrenden Refrain des vierstrophigen Liedes bildeten. Mutter, Freund, Geliebte sind vor ihm hingestorben und die Frage tritt jetzt an ihn heran, was seiner wohl noch harre, in Leben, Liebe, Glück. Und ›ich mach’ ein schwarzes Kreuz dabei‹ lautet auch hier wieder, vorahnend, die Antwort.«
(»Von Zwanzig bis Dreißig«; GBA – Das autobiographische Werk, Bd. 3, S. 29)

Das von Fontane angeführte und erst im Zuge der Neuedition von »Von Zwanzig bis Dreißig« wiederentdeckte Gedicht trägt nicht den Titel »Ich mach’ ein schwarzes Kreuz dabei«, sondern lautet: »Gestorben!«. Es erschien in Nr. 170 des »Berliner Figaro« vom 24. Juli 1839.
Dieses Gedicht erwähnt Fontane auch in seinem erstmals 1886 erschienenen Feuilleton »Cafés von heut und Konditoreien von ehmals«, wo er schildert, wie er in der Konditorei von Fiocati zur Nachtstunde gemeinsam mit einem Freund zum »Berliner Figaro« greift (»Das war unser Hauptblatt«) und von Versen mit dem Refrain »Ich mach ein schwarzes Kreuz dabei« fasziniert ist: »Irr ich nicht, so war es nur ein dreistrophiges Gedicht von Hermann Maron, das uns an diesem Abende zu Gesicht kam und uns entzückte. Maron war einer der talentvollsten aus dem Kreise, faul und schlaff, und dann plötzlich von einer krankhaften Energie.« (AFA–Autobiogr. Schriften, Bd. 3/1, S. 410.)
Maron hatte im Sommer 1839 elf Gedichte im »Berliner Figaro« veröffentlicht. Sie erschienen in fünf Nummern der Zeitschrift zwischen dem 24. Juli und 23. August. Unverkennbar macht sich hier der Einfluss Lenau’schen Weltschmerzes bemerkbar, ohne dass sich in Marons überwiegend düsteren Bildern voller Todesahnung und Todessehnsucht jener zarte melancholische Ton wiederfindet, der Lenaus Lyrik auszeichnet. Weitere Veröffentlichungen Marons im »Berliner Figaro« sind nicht nachgewiesen. Vermutlich geht, anders als in »Von Zwanzig bis Dreißig« dargestellt, Fontanes Bekanntschaft mit Maron und dem Lenau-Verein schon auf das Jahr 1839 zurück.




BerlinerFigaro1839-07-24k           BerlinerFigaro1839-07-25k
Berliner Figaro, 24. Juli 1839, S. 677           Berliner Figaro, 25. Juli 1839, S. 681




BerlinerFigaro1839-08-05k           BerlinerFigaro1839-08-12k
Berliner Figaro, 5. August 1839. S. 717           Berliner Figaro, 12. August 1839, S. 741




BerlinerFigaro1839-08-23k
Berliner Figaro, 23. August 1839, S. 781



Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Zeitungsabteilung, Ztg 715 MR






Georg Günther (1808–1872)

»Dr. Georg Günther war an Wissen und Charakter der Bedeutendste. Wie Robert Binder, der geschäftlich sein Chef war, war er ein ausgesprochener Sachse, aber von der sehr entgegengesetzten Art; und wenn Robert Binder den Kaffeesachsen, also den sentimentalen sächsischen Typus vertrat, so Georg Günther den energischen, leidenschaftlichen, zornig verbitterten. In seinem, wenn ihn nichts reizte, klugen und freundlichen Auge funkelte was Unheimliches, und so verbindlich und selbst heiter er sein konnte, so merkte man doch gleich, daß er in jedem Augenblick bereit war, sich übers Schnupftuch zu schießen.«
(»Von Zwanzig bis Dreißig«; GBA – Das autobiographische Werk, Bd. 3, S. 91)



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Georg Günther, dargestellt vermutlich um 1849 als Abgeordneter der Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt a.M. Bild: Stahlstich von C. Deucker in Frankfurt a.M. nach einer Photographie von Fritz Vogel

Quelle: Einzelnes Blatt, Privatbesitz






Wilhelm Wolfsohn (1820–1865)

»Wilhelm Wolfsohn war in bestimmter Richtung unter uns [im Leipziger Herwegh-Club 1841/42. W. R.] der Tonangebende. […] Wir andern waren samt und sonders junge Leute von Durchschnittsallüren, Wolfsohn dagegen ein ›feiner Herr‹. Hätte nicht sein kluger, interessanter Kopf die jüdische Descendenz bekundet, so würde man ihn für einen jungen Abbé gehalten haben; er verfügte ganz über die verbindlichen Formen und das überlegene Lächeln eines solchen […]
(»Von Zwanzig bis Dreißig«; GBA – Das autobiographische Werk, Bd. 3, S. 96)



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Wilhelm Wolfsohn, Stahlstich von August Weger um 1860 nach einer Photographie

Quelle: Einzelnes Blatt, Privatbesitz






Friedrich Eggers (1819–1872)

»[…] er war klug, gütig, liebenswürdig, schöner Mann – wie oft bin ich darauf hin interpelliert worden – und humoristisch angeflogener Sonderling, alles in allem eine durchaus interessante Figur. Was er im übrigen litterarisch leistete, verschwand daneben.«
(»Von Zwanzig bis Dreißig«; GBA – Das autobiographische Werk, Bd. 3, S. 203)



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Friedrich Eggers, Stahlstich von Eduard Mandel

Quelle: Friedrich Eggers: Gedichte. Mit dem Bildniß des Dichters, gest. von Prof. E. Mandel. Breslau: Rud. Hoffmann 1874.






Anton Edmund Wollheim da Fonseca (1810–1884)

»Während dieser seiner Berliner Tage ward er auch Tunnelmitglied und war zeitweilig ein ziemlich regelmäßiger Besucher. Man ließ ihn gelten, verhielt sich jedoch mehr oder weniger ablehnend gegen ihn, was alles in allem auch nur in der Ordnung war. Er gehörte trotzdem aber […] zu den interessanteren Figuren des Vereins. Bereits sein Doppelname ›Wollheim da Fonseca‹ sorgte dafür. Sah man ihn, so war er ganz Wollheim, hörte man ihn, so war er ganz da Fonseca.«
(»Von Zwanzig bis Dreißig«; GBA – Das autobiographische Werk, Bd. 3, S. 213)



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Anton Edmund Wollheim da Fonseca, Stahlstich von August Weger um 1870 nach einer Photographie

Quelle: Einzelnes Blatt, Privatbesitz






Diakonissenkrankenhaus Bethanien

»So kam es denn, daß ich schon im Juni höchst vergnüglich nach Bethanien hin übersiedelte, nur ein ganz klein wenig bedrückt durch die Vorstellung, daß mir vielleicht ein ›Singen in einem höheren Ton‹ dort zugemutet werden könnte.
(»Von Zwanzig bis Dreißig«; GBA – Das autobiographische Werk, Bd. 3, S. 410)

Das Krankenhaus Bethanien am (damals noch unbebauten) Cöpenicker Feld etwa im Jahr 1850. Rechts im Bild fließt der 1848 bis 1852 angelegte Luisenstädtische Kanal.
Links und rechts vom Hauptgebäude erkennt man zwei gleichförmig gebaute Häuser; das hintere (linke) ist das Wohnhaus der Ärzte, in dem auch Fontane 1848/49 sein Zimmer hatte.



Bethanienklein
Stahlstich gezeichnet von Ludwig Rohbock, gest. von J. Umbach, Druck und Verlag von G. G. Lange in Darmstadt, um 1852

Quelle: Einzelnes Blatt, Privatbesitz



(Wolfgang Rasch; März 2014)





Empfohlene Zitationsweise

Wolfgang Rasch: Bilder und Materialien zu »Von Zwanzig bis Dreißig«. In: Website der Theodor Fontane-Arbeitsstelle (www.uni-goettingen.de/de/154180.html). Hrsg. von Gabriele Radecke. [Datum des Abrufs]