Philosophische Fakultät

Feministische Ausstellungsstücke

In der Vitrine in der Bereichsbibliothek des Kulturwissenschaftlichen Zentrums (KWZ), finden sich in regelmäßigen Abständen Ausstellungsstücke zu verschiedenen Themen rund um Feminismus und Diversität. DIe Vitrine kann jeweils zu den Öffnungszeiten der Bibliothek besucht werden.

Aktuelle Ausstellung: Vulva

Warum Vulva und nicht Vagina? Zusammen mit ihrer direkten Übersetzung „Scheide“ ist Vagina die häufigste und akzeptierteste Bezeichnung für das weibliche* Geschlecht. Vagina bezieht sich jedoch ausschließlich auf die Körperöffnung, die die Vulva, das von außen sichtbare Geschlecht, mit den inneren Geschlechtsorganen verbindet. Durch den inkorrekten Gebrauch des Begriffs Vagina wird nicht nur der gesamte sichtbare Teil des weiblichen* Genitals sprachlich unsichtbar, es hat so auch keine eigenständige Bedeutung mehr, ist nur ein Loch, in das der Mann sein Genital stecken kann, oder, um im Bild zu bleiben: eine Scheide für sein Schwert. Und genau daher kommt der Begriff.

Steinzeitvulven Von Sibirien bis Spanien wurden überall in Europa hunderte von Figuren gefunden, bei denen die Darstellung der Vulva eine beträchtliche Rolle spielt. Sie werden größtenteils dem Jungpaläolithikum zugeordnet. Eine der bekanntesten Figur ist die Venus von Willendorf. Sie ist ca. 25 000 Jahre alt und zeigt eine üppige Frauenfigur mit deutlich ausgeformten und prominent hervorstehenden Labien. Und es lassen sich sogar noch ältere Vulvadarstellungen finden, die sich ebenfalls über ganz Europa erstrecken. Je nach Fundort werden die Vulven als Dreieck oder Oval abgebildet, manchmal werden die Labien nur durch eine Mittellinie angedeutet, manchmal sind sie kunstvoll ausgeformt und bilden auch das Köpfchen der Klitoris mit ab. Sie finden sich in zahlreichen Höhlen oder anderen als Behausung dienenden Orten der Steinzeit, auf Knochen und auf Steinen. Ihre Bedeutung wird meist als Symbol der Fruchtbarkeit verortet.

Fruchtbarkeitsmythen: Einer der bekanntesten Fruchtbarkeitsmythen ist der Homerische Hymnus an Demeter, der im 7. Jh. v. Chr. festgehalten wurde. Demeter ist die griechische Göttin des Getreides und des Ackerbaus. Nachdem ihre Tochter Persephone in die Unterwelt entführt wurde, ist Demeter untröstlich. Ihre Trauer und Verzweiflung ist so groß, dass sie nicht mehr essen kann und so wie ihr Körper immer mehr auszehrt, leidet auch das Land zunehmend an Dürre und Unfruchtbarkeit. Erst Baubo (oder Iambe, wie sie auch genannt wird) schafft es Demeter wieder aufzumuntern, indem sie ihr ihre Vulva zeigt. Das zeigen der Vulva galt so als Ritual für Fruchtbarkeit, in manchen Mythen kann es auch Tote erwecken oder sogar den Teufel verjagen.

Sheela-na-gig An zahlreichen Kirchenportalen und Stadtmauern finden sich verschieden geartete Frauenfiguren, die ihr, zum Teil überdimensioniertes, Genital zur Schau stellen. Sie stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert und sind vor allem im angelsächsischen und irischen Raum verbreitet, finden sich aber auch in Frankreich und der iberischen Halbinsel wieder. Diese Figuren heißen Sheela-na-gig und es wird vermutet, dass ihnen eine Unheil abwehrende Wirkung zugesprochen wurde. Die Vulven der Figuren, die sich in Reichweite befinden, sind meist glänzend abgegriffen, was darauf schließen lässt, dass unzählige Hände sie im Vorbeigehen berührt haben, um von ihnen einen Segen zu empfangen. Im 17. Jahrhundert wurden die Sheela-na-gigs zunehmend als obszön und unzüchtig aufgefasst und viele von ihnen wurden zerstört.

Unsichtbarkeit in der Kunst / (Zeitgenössische Projekte) In der Kunst, egal ob als Skulptur oder Gemälde, wird die Vulva meist unsichtbar gemacht. Die Kunsthistorikerin Ann-Sophie Lehmann schreibt „Und so sehr die dargestellten Körper im Laufe der Jahrhunderte, den Grundprinzipien der Anatomie zum Trotz, auch dem jeweiligen Kunstgeschmack angepasst wurden, die Leerstelle zwischen den Beinen blieb konstant.“ Gemälde, die das Geschlecht von Frauen zeigen, werden schnell als pornografisch charakterisiert und wenn man Vulven sieht, dann oft nur fragmentiert, wie z.B. bei Gustave Courbets weltberühmten Werk L'Origine du Monde. Entweder sehen wir Vulven ohne Frauen oder Frauen ohne Vulven, Darstellungen die das Geschlecht als selbstverständlichen Teil des weiblichen Körpers abbilden, findet man nur selten. Selbst auf den Abbildungen menschlicher Körper, die 1977 in einer Raumsonde ins All befördert wurden, um potentielle Außerirdische über das Leben auf der Erde zu informieren, haben Frauen weder Behaarung noch Labien. Es entsteht der

Vergangene Ausstellung: Feministische Zines

„Zine“ steht als Abkürzung für Magazine oder Fanzine und bezeichnet eine selbst geschriebene, gestaltete, gebastelte und am Ende selbst veröffentlichte Publikation..Sie sind Teil einer DIY-Bewegung, die entgegen kommerzieller Mainstream-Angebote und Massenmedien selbstorganisiert, autodidaktisch und selbstbestimmt in Eigeninitiative Gegenkulturen schafft. In Zines wird sich oft einem bestimmten Thema gewidmet und dieses aus kreativer, persönlicher oder politische Sichtweise beleuchtet. Gleichzeitig dienen Zines oft dazu, die Leser*innen über ein bestimmtes Thema aufzuklären. Besonders verschiedenen Subkulturen, marginalisierten Gruppen innerhalb der Gesellschaft, aber auch Individuen dienten Zines als Medium als ein Sprachrohr, um ihnen wichtige Anliegen zu thematisieren und ihre Sicht der Dinge aus persönlicher Sicht darzustellen. Dabei haben Zines aber explizit keinen wissenschaftlichen Anspruch.
Bedeutung der Zines für die feministische Bewegung Obwohl Zines in verschiedenen Subkulturen als zentrales Austauschmedium dienen und besonders als Fanzines für bestimmte Musiker*innen bekannt sind, hatten und haben Zines vor allem für feministische, queere und homosexuelle Bewegungen eine große Bedeutung. Neben dem Informationszweck, dienten sie vor allem auch dem Austausch über, und der Definition der eigenen Identität. In den 1990er Jahren waren sie vor allem weit verbreitet in der Riot-Grrrl Bewegung. Viele junge Frauen* gestalteten eigene Zines, die sie untereinander austauschten. In den Zines thematisierten sie die eigenen Interessen, Ziele, Wünsche, Hoffnungen und Kämpfe: Die Zines hatten so einen explizit politischen und empowernden Anspruch. Gestaltung von Zines
Der Phantasie sind bei der Gestaltung keine Grenzen gesetzt und so zeichnen sich Zines in ihrem äußeren Erscheinungsbild dadurch aus, dass die Autor*innen und Gestalter*innen sich auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen sehr kreativ mit dem Thema ihres Zines auseinandersetzen und die Gestaltungsformen sich unterstützend mit dem Thema beschäftigen. Neben Collagen, Bildern, Zeichnungen und Comics finden sich demnach auch Grafiken und Diagramme, die in Texten aufgeworfene Thesen unterstützen.

Zines

Vergangene Ausstellung: Kassetten-Box

Das Ausstellungsstück ist in den 1990er Jahren entstanden: Das autonome Frauen- und Lesbenreferat des AStA legte damals eine Sammlung von Kassetten und Mixtapes an. Auf den Kassetten findet sich ein breiter Mix unterschiedlichster Musikrichtungen. Ob Funk, Soul, Grunge, Disco Sound: (fast) alles wurde gehört und dazu getanzt. ?Bitte keine Kassetten klauen!? ? war die Aufforderung, der leider kaum nachgekommen wurde: die gesamten Kassenhüllen auf der linken Seite sind leer. Der Musikmix war eben einfach zu gut! Ganz im Stil der 1990er Jahre, wurde die Kassetten-Box mit Bildern und Aufschriften verziert und mit Musik gefüllt, um die Räume des universitären und gesellschaftlichen Lebens, Partys und Treffen mit den eigenen Soundwelten zu erfüllen. So haben Studierende schon immer für eigene, autonome Räume gekämpft. Eine Möglichkeit diese Räume zu gestalten und auszufüllen liegt hier in der Vitrine aus. An der angrenzenden Hörstation kann zudem in einige, ausgewählte Lieder reingehehört werden.

Kassettenbox