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Presseinformation: Traditionelle Landwirtschaft fördert Ernährung, Ökosysteme und kulturelle Identität

Nr. 85 - 16.06.2026

Forschungsteam identifiziert Beiträge zum Erhalt von landwirtschaftlichem Weltkulturerbe

 

(pug) Traditionell bewirtschaftetes Agrarland kann Menschen mit Nahrung versorgen und gleichzeitig Ökosysteme und kulturelle Traditionen bewahren. Das zeigt eine neue Studie der Universität Göttingen. Darin haben Forschende vielfältige Formen der Landnutzung auf der ganzen Welt untersucht, die nach der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen als „Globally Important Agricultural Heritage Systems“ (GIAHS) gelten, zu Deutsch: Global wichtige Systeme des landwirtschaftlichen Kulturerbes. Diese können laut Studie Erkenntnisse für eine nachhaltige Landnutzung weltweit liefern – allerdings nur, wenn Strategien an die Menschen, die Umwelt und die Landwirtschaft vor Ort angepasst werden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Ecology & Society veröffentlicht.

 

Die Studie befasst sich mit vielfältigen Formen landwirtschaftlichen Weltkulturerbes. Dazu zählt etwa die Heumilch-Landwirtschaft in den österreichischen Alpen, wo Milchkühe auf altem Grünland weiden und so artenreiche Wiesen schaffen. Weitere Beispiele sind Reisterrassen auf den Philippinen, Roggen- und Kartoffelanbau in den Bergen Portugals, sowie Oasen-Landwirtschaft, in der Dattelpalmen auf traditionelle Weise Wasser zugeführt wird. Mithilfe einer Expertenbefragung untersuchten die Forschenden unter anderem Bewirtschaftungsformen und deren Herausforderungen. Für 22 GIAHS-Standorte in 13 Ländern ermittelten sie vier zentrale Faktoren für den Erhalt der traditionellen Landwirtschaft: (1) lokale Märkte und Produktzertifizierungen, (2) Grundnahrungsmittel, die über kurze Lieferketten produziert werden; (3) der Export hochwertiger Spezialprodukte sowie (4) ein starker Fokus auf kulturelle Werte und die Anpassung an den Klimawandel.

 

„Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen, dass Nahrungsmittelproduktion und Naturschutz kein Widerspruch sein müssen“, sagt Erstautorin Maria Chiara Camporese, Doktorandin in den Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen. „Traditionelle Agrarlandschaften zeigen, wie Land nachhaltig genutzt und gleichzeitig das kulturelle Erbe geschützt und die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung gesichert werden kann.“ Die Studie verdeutlicht zudem, dass die GIAHS-Bezeichnung den Regionen zu Sichtbarkeit verhelfen und Bemühungen zum Schutz von Agrarlandschaften sowie kulturellen Traditionen unterstützen kann.

 

Gleichzeitig gerät die traditionelle Landnutzung immer stärker unter Druck: Klimawandel, Landflucht, sich wandelnde Märkte und eine alternde Landbevölkerung erschweren ihren Fortbestand. Für den Erhalt landwirtschaftlichen Weltkulturerbes gibt es nach Ansicht des Forschungsteams keine einheitliche Lösung. Jede Region braucht Ansätze, die zu ihrer Landschaft, ihren Gemeinschaften und ihrer Landwirtschaft passt. Hier können die GIAHS wichtige Vorbilder sein und zeigen, wie sich eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion mit dem Erhalt der biologischen Vielfalt und des kulturellen Erbes verbinden lässt.

 

Originalveröffentlichung: Camporese, M. C. et al. Exploring the role of Globally Important Agricultural Heritage Systems in integrated landscape approaches. Ecology and Society (2026). DOI: 10.5751/ES-17116-310203

 

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Kontakt:

Maria Chiara Camporese

Georg-August-Universität Göttingen

Fakultät für Agrarwissenschaften

Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung

Lehrstuhl für sozial-ökologische Interaktionen in Agrarsystemen

E-Mail: maria.camporese@uni-goettingen.de

Internet: www.uni-goettingen.de/de/680863.html