Seminar für Deutsche Philologie

Göttinger Poetikvorlesung 2011: Navid Kermani


Über den Abfall. Jean Paul, Hölderlin und der Roman, den ich geschrieben habe



Der Literat, Publizist und habilitierte Orientalist Navid Kermani übernimmt im Wintersemester 2011/12 die vom Seminar für Deutsche Philologie gemeinsam mit dem Literarischen Zentrum Göttingen veranstaltete und von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck geförderte Göttinger Poetikdozentur. In zwei Vorlesungen und einer Gesprächsrunde mit Studierenden wird Kermani sich dem Thema »Über den Abfall. Jean Paul, Hölderlin und der Roman, den ich geschrieben habe« widmen.



Vorlesungen


  • Mittwoch, 7.12., 20.00 Uhr: Hölderlin
  • Donnerstag, 8.12., 20.00 Uhr: Jean Paul
  • Die Veranstaltungen finden in der Aula am Wilhelmsplatz statt. Karten gibt es ausschließlich an der Abendkasse (5 Eur); für Studierende der Universität Göttingen ist der Eintritt frei.




Gesprächsrunde mit Studierenden


Termin: Do, 8.12., 16.00 Uhr, Literarisches Zentrum Göttingen, Düsterer Straße 20




Der Poetikdozent über seine Vorlesungen

»Offenbarungen kennen keine Abfälle. Jedenfalls lehren das Alte Testament und der Koran, alles auf Erden sei ein Zeichen Gottes. Als frommer Mensch mag man das leicht glauben. Aber wenn der Mensch sich einmal vor Augen hielte, was es bedeutet, dass nichts, wirklich nichts auf Erden Abfall ist, geriete seine Frömmigkeit schnell ins Wanken.

Auch die Literatur sieht in allem ein Zeichen. Als begeisterter Leser mag man das leicht glauben. Aber wenn man sich einmal den Roman vor Augen hielte, der alles, wirklich alles auf Erden erzählen will, würde man das Buch nach einigen Seiten zur Seite legen oder sich bereits zuvor den Rücken verhoben haben.

Wie also fängt Dichtung die Unendlichkeit der Erfahrung ein? Darüber möchte ich in Göttingen nachdenken: mit Blick auf Jean Paul, Hölderlin und meinen Roman Dein Name



Zur Person

Navid Kermani, 1967 in Siegen geboren, studierte Orientalistik, Philosophie und Theaterwissenschaften an den Universitäten Köln, Kairo und Bonn. Der promovierte und habilitierte Orientalist arbeitete als Dramaturg und Regiesseur u.a. an Theatern in Frankfurt/Main und Köln. Er war Long Term Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, Stipendiat der Villa Massimo und ist seit 2009 Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen.

Sein vielfach ausgezeichnetes Werk umfasst neben orientalistischen Studien und Reportagen, etwa Gott ist schön. Das ästhetische Erleben des Koran (C.H. Beck 1999) oder Schöner Neuer Orient. Berichte von Städten und Kriegen (C.H. Beck 2003), mehrere Erzählungsbände und Romane. Zuletzt erschienen die Romane Kurzmitteilung (Amman 2007) und Dein Name (Hanser 2011). Navid Kermani ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie der Hamburger Akademie der Wissenschaften.




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