Transformationsprozesse im neuzeitlichen Protestantismus

Transformationsprozesse im neuzeitlichen Protestantismus

Promotionskolleg
Transformationsprozesse im neuzeitlichen Protestantismus




Das Programm widmet sich dem spannungsreichen Verhältnis von Protestantismus und Neuzeit. Wie reagiert der Protestantismus auf die tiefgreifenden Umbrüche, und welche Theoriemodelle entwickelt er, um sich in Neuzeit und Moderne zu positionieren? Welche Faktoren sind dafür verantwortlich, dass er sich sowohl als treibende Kraft der Modernisierung erweist wie auch als ihr vehementer Kritiker und Gegner?

Diese Fragen bündeln sich in der Unterscheidung und Verhältnisbestimmung von öffentlicher und privater Religion. Hier handelt es sich um ein spezifisches Charakteristikum des neuzeitlichen Protestantismus. Doch die vielfältigen Formen dieser Verhältnisbestimmung fügen sich keineswegs spannungsfrei zu einem einheitlichen Bild zusammen. So trägt die reformatorische Betonung der Unvertretbarkeit des Einzelnen in seinem Glauben entscheidend zum Aufstieg des Individuums in Neuzeit und Moderne bei. Zugleich aber impliziert diese starke Subjektivierung eine grundsätzliche Delegitimierung kirchlicher Strukturen: Wer sich im privaten Glauben seines Heils gewiss ist, kann nur schwer von der Notwendigkeit kirchlicher Institutionen und ihrer Restriktionen überzeugt werden – erst recht dann, wenn sie, wie in Deutschland, mit einer obrigkeitlichen Religionspolitik und deren Interessen verbunden sind. Der privatisierende Rückzug aus dem öffentlichen Raum erscheint so als Folge und Herausforderung für den Protestantismus gleichermaßen, wenn er – trotz aller Hochschätzung des Individuums – nicht auf seine gesellschaftskulturelle Prägekraft und seinen öffentlichen Gestaltungsanspruch verzichten möchte.

Eben dieses Spannungsfeld kennzeichnet die gegenwärtige Lage des Protestantismus und fordert zu einer umfassenden theologischen Selbstklärung heraus. Sie soll in einer interdisziplinären Zusammenschau historischer Perspektiven, systematischer Theorieansätze und gegenwartsorientierter Zugangsweisen geleistet werden.