Altorientalistik
Altorientalistik leistet die Vermittlung von ältestem Kulturwissen, wobei der Disziplin eine Brückenfunktion zwischen Ost und West zukommt. Es geht darum, Schätze der Menschheit für die Wissenschaften und für das kulturelle Gedächtnis unserer Gesellschaft zu erschließen. Die vielfältigen Aufgaben, die sich der Altorientalistik als junger Wissenschaft mit bedeutendem Quellenmaterial und Forschungsbedarf stellen, enthalten Innovationspotential, welches wesentlich auf die nationale und internationale kulturwissenschaftliche Forschung ausstrahlen kann.
Die Altorientalistik bringt in die Studiengänge der Universität Göttingen eine chronologische Tiefendimension ein, welche von der Schrifterfindung bis zum letzten Keilschrifttext über 30 Jahrhunderte vom 3. Jahrtausend bis zur Zeitenwende umspannt. Auch geographisch ist hier ein weiter Rahmen abzustecken, der vom Irak über Syrien und Libanon bis in die Türkei reicht. Historisch folgenreiche Berührungspunkte ergeben sich mit dem antiken Griechenland und Israel, Iran und Indien. Mit den entsprechenden wissenschaftlichen Disziplinen besteht im Studiengang "Antike Kulturen" und im Forschungsverbund CORO und seinen verschiedenen interdisziplinären Projektgruppen ein intensiver Austausch.
Das Studium des Faches Altorientalistik ist in Göttingen philologisch und kultur-anthropologisch ausgerichtet und umfaßt vor allem die Bereiche Sprache (insbes. Sumerisch und Akkadisch), Literatur und Religion. Diese Ausrichtung hat auch schon Studierende aus dem Ausland nach Göttingen geholt.
Gefördert durch das CORO, durch DFG-Mittel und durch Berufungsmittel wird unter dem Dach des Seminars für Altorientalistik ein internationaler Schwerpunkt für Mythosforschung aufgebaut. Dieser umfaßt eine interdisziplinäre Spezialbibliothek zu den verschiedenen Bereichen der Mythosforschung, v. a. aus den antiken und systematischen Disziplinen. Eine ideale Plattform für interdisziplinäre Mythosforschung ist das Collegium mythologicum, welches in Klausurtagungen sowohl die systematische wie die exemplarische Erforschung antiker Mythen voranbringt. Zentrales Instrument für die altorientalistische Erforschung der frühesten schriftlich erhaltenen Mythen ist eine digitale Mythos-Bibliothek. Hier werden sämtliche, über den Globus und in den verschiedensten Publikationen verstreuten Originaltexte mit sumerischen und babylonisch-assyrischen Mythen eingearbeitet, Transkriptionen erarbeitet und Bibliographien und Zusammenfassungen der wissenschaftlichen Studien zu diesen Texten erstellt.
Das Seminar hat ein gemeinsames Forschungsprojekt zu Mythen und Mythemen mit der Universität Jerusalem (N. Wasserman) kooperiert intensiv v. a. mit den Universitäten Bern und Genf zur sumerischen Literatur (P. Attinger, A. Cavigneaux), mit der Universität Bern zur Forschung über antike Tempel (J. Tudeau) und mit der Universität Cambridge zur akkadischen Literatur (M. Worthington). Außerdem unterstützt das Seminar das Projekt "Sumerisches Glossar" der Universitäten München und Bern (W. Sallaberger und P. Attinger). Erasmus-Austausch ist bislang von Studierenden der Universitäten in Ghent und Paris genutzt worden.