Nachhaltigkeit als Argument
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Nachhaltigkeitskonferenz

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Prof. Dr. Arnd Reitemeier
Institut für Historische Landesforschung
Universität Göttingen
Heinrich-Düker-Weg 14
37073 Göttingen
Tel.: +49-551-39-24346
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Dr. Ansgar Schanbacher
Koordination "Nachhaltigkeit
als Argument"
Institut für Historische Landesforschung
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37073 Göttingen
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Nachhaltigkeit als Argument: Suffizienz, Effizienz und Resilienz als Parameter anthropogenen Handelns in der Geschichte



'Nachhaltigkeit' ist angesichts der heutigen umfassenden Umwelteingriffe des Menschen mit all ihren Folgen ein Problemfeld von zentraler gesellschaftlicher Bedeutung, das auch in früheren menschlichen Gesellschaften einen wichtigen Aspekt des Überlebens und der Entwicklung bildete. 'Nachhaltiges' Agieren war allerdings keineswegs selbstverständlich, so dass das interdisziplinär-kulturwissenschaftliche Vorhaben nach den Aushandlungen von Nachhaltigkeit einschließlich ihrer praktischen Umsetzung fragt. Hierfür wird von einem dynamischen Modell der Mensch-Umwelt-Beziehungen ausgegangen, das durch die drei Faktoren Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft konstituiert wird. Innerhalb dieser Matrix ist nun die Identifikation und Analyse von 'Signaturen' von Nachhaltigkeit das Ziel des Forschungsverbunds. Gemeint sind damit die sich fortlaufend wandelnden Aushandlungsprozesse und Praktiken, die in ihrer kulturellen Gebundenheit stets rückblickend wie zukunftsbezogen waren. Auseinandersetzungen um 'Nachhaltigkeit' wurden aller Wahrscheinlichkeit nach in der Regel durch Verschiebungen im Verhältnis zwischen Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft ausgelöst und resultierten in einem veränderten Verhältnis dieser drei Faktoren. Weil jedoch der gegenwärtige Begriff der 'Nachhaltigkeit' erst im 18. Jahrhundert entwickelt wurde, verwendet das Forschungsvorhaben die drei Untersuchungskategorien 'Effizienz', 'Suffizienz' und 'Resilienz' als einander ergänzende Teilsubstitute. Dabei wird einbezogen, dass entsprechende 'Nachhaltigkeitbestrebungen' scheitern oder auch - bspw. im Kontext militärischer Auseinandersetzungen - zerstört werden konnten.
Vor dem Hintergrund dieser Grundannahmen wird vermutet, dass 'Nachhaltigkeit' 1. ein reflektiertes Telos menschlichen Handelns war. 'Nachhaltigkeit' trat 2. in Folge von Verschiebungen im Verhältnis zwischen Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft (s.o.) in den Vordergrund, so dass nun ein auf die Zukunft bezogenes 'nachhaltiges' Agieren erforderlich schien. Die gesellschaftlichen Manifestationen eines Nachhaltigkeitsgedankens (im Sinn der oben genannten Untersuchungskategorien 'Effizienz', 'Suffizienz' und 'Resilienz') werden grundsätzlich als kulturelle Adaptionen an die vom Menschen gestaltete natürliche Umwelt und deren sich ändernde Rahmenbedingungen verstanden. Dabei erforderte die Umsetzung von 'Nachhaltigkeit' (resp. ihrer drei Substitute) eine organisatorische Durchdringung und Kontrolle der Gesellschaft und konstituierte auf diese Weise Herrschaft, was die grundsätzliche Brisanz der Auseinandersetzungen um 'Nachhaltigkeit' verdeutlicht.
In seiner Umsetzung wird das Forschungsvorhaben anhand von Fallbeispielen die Aushandlungen und Praktiken von 'Nachhaltigkeit' in der Vormoderne untersuchen, wobei die griechische Antike als Untersuchungsraum und zugleich Referenzmodell der weiteren sich vornehmlich auf (Nord-)Deutschland konzentrierenden Teilvorhaben fungiert, weil die Begründer des modernen Nachhaltigkeitskonzepts, wie etwa Carlowitz, Konzepte der Antike aufzugreifen meinten. Somit verortet sich das Vorhaben methodisch in den Kulturwissenschaften und bezieht transdisziplinär naturwissenschaftliche (insb. biologische sowie forst- und landschaftswissenschaftliche) Ansätze wie technische Methoden ein. Das Vorhaben überprüft somit die These, dass 'Nachhaltigkeit' als Kerngedanke eines im steten Wandel begriffenen und doch langfristig bestehenden menschlichen Verhaltens durch alle Epochen hinweg gegeben ist.