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Conquer Babel

Gründungsmitglieder Nathalie Fuchs, Ahmed Dessouki und Manik Chander (v.l.).





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Conquer Babel hilft Geflüchteten mit Übersetzung, Deutschunterricht und interkulturellen Events


Was vor gut einem Jahr mit einer Gruppe von vier Studierenden begann, hat sich in Göttingen zu einer der größten studentischen Initiativen für geflüchtete Menschen entwickelt: Conquer Babel organisiert mit inzwischen rund 70 Mitgliedern Übersetzungshilfe, Deutschkurse und interkulturelle Feste. "Viele von uns kommen aus dem Ausland oder haben einen Migrationshintergrund und sind mehrsprachig aufgewachsen", sagt Manik Chander, zusammen mit Anette Ruml, Nathalie Fuchs und Ahmed Dessouki Gründungsmitglied der ersten Stunde. Aus eigener Erfahrung wissen sie, dass das Verstehen manchmal nicht an der Sprache, sondern auch an der kulturellen Bedeutung des Gesagten hängt. "Wir sind eher Vermittler als Übersetzer", sagt Dessouki.

Die Studierenden begleiten Geflüchtete zu Arztbesuchen, auf Ämter oder zur Einschulung ihrer Kinder. Der Übersetzerpool wächst ständig: Rahf Jahlbut ist seit zwei Monaten dabei und dolmetscht Arabisch und Deutsch: "Ich kenne die Situation der geflüchteten Menschen aus eigener Erfahrung", sagt sie. Die Hilfe, die sie selbst erlebt hat, möchte sie jetzt auch wieder zurückgeben. Conquer Babel organisiert auch Deutschkurse - ein Angebot mit Anfangsschwierigkeiten: "Wir haben uns gewundert, dass die Leute zusagten und dann nicht zu den Kursen erschienen", so Chander. Dessouki übersetzte die arabische Kommunikation: "Es gilt als unhöflich, eine Einladung abzulehnen. Deshalb müssen wir Organisatoren dranbleiben und nach einer Zusage ein zweites Mal ganz konkret nachfragen." Allerdings nicht zu oft, denn das wird schnell als Druck erlebt. Inzwischen bietet die Gruppe Deutschunterricht auf sieben Niveaustufen an. Einige Schüler bringen zehn Jahre Schulbildung mit und sind das Lernen gewohnt, bei anderen ist der Schulbesuch schon mehr als 20 Jahre her. Auch Alphabetisierungskurse gehören zum Programm.

Schwierig wird es, wenn das Sprachenlernen schreckliche Erinnerungen weckt. Zum Beispiel beim Lernen von Verwandtschaftsbezeichnungen wird der eine oder andere Geflüchtete traurig, weil er die Schwester oder den Vater verloren hat. "Dann sind wir nicht nur als Lehrende gefordert, sondern wir müssen auch jemanden auffangen", sagt Chander.

Einmal die Woche trifft sich die Gruppe in einem Café mitten in der Stadt. In entspannter Atmosphäre werden aktuelle Fragen besprochen oder kurzfristig Übersetzungshilfe geleistet. Vor allem geht es ihnen um die Gemeinschaft. Regelmäßig feiert die Gruppe interkulturelle Feste. Dann stehen Essen und Tanzen auf dem Programm. In Planung ist ein Filmabend mit Bollywood-Kino. "Ein Kompromiss", so Chander: "Bollywood gucken alle gern."