Erfahrungsberichte (ehemaliger) Studierender

Ihr interessiert euch für ein Studium der Geographie oder des Lehramtfachs Erdkunde an der Uni Göttingen? Hier könnt Ihr lesen, welche Erfahrungen anderen Studierenden mit dem Studium bei uns gemacht haben. Klickt dazu einfach auf die Portraits.


Bericht von Sarah Fleßner,
Alumna des Master of Education mit dem Fach Erdkunde

"Erdkunde soll als Schulfach doch eh bald abgeschafft werden! Meinst du, dass es noch Sinn macht, das Fach zu studieren?"

Während meines Lehramtsstudiums wurde mir diese Frage mit integrierter Schwarzmalerei nicht nur einmal gestellt und in Momenten, in denen mich meine Zuversicht und Begeisterung für das Fach Erdkunde zeitweilig verließ, kamen in mir wirklich des Öfteren Zweifel auf, dass dieser Fall tatsächlich irgendwann einmal eintreten könnte.

Doch die Realität ist eine andere: Zwei Jahre nach meinem Masterabschluss unterrichte ich seit dem Sommer 2015 an der Ernst-Reuter Schule in Pattensen die Fächer Erdkunde und Englisch und es sieht nicht so aus, als ob das Schulfach Erdkunde an Bedeutung verlieren würde. Eher ist das Gegenteil der Fall, was durch steigende Kurszahlen bestätigt wird. Die Schüler wählen das Fach Erdkunde zunehmend auch wieder als Abiturkurs an und haben ein großes Interesse an den geographischen Themen, die sie im Alltag oder in der Welt begleiten. Umso wichtiger ist es allerdings auch, dass Erdkunde auch von gut ausgebildeten Erdkundefachlehrern unterrichtet wird, die die Kinder motivieren und mitreißen können. Wir brauchen daher auch weiterhin einen Erdkundelehrernachwuchs! Daher folgt an dieser Stelle ein kleiner Rückblick und ein bisschen Werbung für meine Zeit am Geographischen Institut in Göttingen, das während meines Studiums, wenn auch zunächst auf Umwegen, zunehmend mein zweites Zuhause wurde.

Mein Lehramtsstudium im 2-Fächer-Bachelor (Profil) Lehramt habe ich im Wintersemester 2007 an der Georg-August-Universität in Göttingen aufgenommen. Angespornt durch einen einjährigen Auslandsaufenthalt während meiner Schulzeit entschied ich mich direkt nach meinem Abitur das Fach Englisch zu studieren, wofür ich nach langem Warten endlich die langersehnte Zusage aus Göttingen bekam. Da ich lediglich die Zusage für das Fach Englisch bekam, wählte ich zunächst Philosophie als NC-freies Zweitfach dazu. Da mir bereits in den ersten Wochen klar wurde, dass ich mit Philosophie nicht glücklich werde, begab ich mich auf die Suche nach einem neuen Zweitfach. Ich schaute mir Vorlesungen und Seminare in unterschiedlichen Fächern an und blieb nicht zuletzt dank der kleinen Exkursionen rund um Göttingen und den Harz mit Herrn Dr. Steffen Möller an dem Fach Erdkunde hängen und bewarb mich erfolgreich zum Wintersemester 2008.

Ein Highlight in meinem Bachelorstudium war der Große Geländekurs nach Südafrika, begleitet von Herrn Dr. Jürgen Grotheer, Herrn Prof. i.R. Dr. Gerhard Gerold sowie aufgeschlossenen Studierenden aus Göttingen. Wir haben vor Ort tolle Erfahrungen gemacht und viele Dinge mit direkten Praxisbezug gelernt. Für mich war das der Moment, der mir bewusst machte, dass ich mich für das richtige Fach entschieden hatte. Diese Reise war gleichzeitig auch das Sprungbrett für einen anschließenden 2-monatigen Auslandsaufenthalt in Namibia, wo ich an einer Schule gearbeitet habe, um zunehmend praktische Erfahrung für meinen späteren Beruf zu sammeln. Da mich das Land und die Menschen in ihren Bann zogen, beschloss ich ein halbes Jahr später für meine Bachelorarbeit über das Thema "Volunteer Tourism in Namibia" unter Dr. Tobias Reeh vor Ort weitere 4 Wochen in Namibia zu forschen.

Für mich war nach meinem Bachelorabschluss 2011 klar, dass ich in Göttingen und am Geographischen Institut bleiben wollte und so bewarb ich mich für den Master of Education in den Fächern Erdkunde und Englisch. In den zwei Jahren wurde nun vor allem in Erdkunde der Praxisbezug zum Fachwissen aus dem Bachelor geknüpft. Wir planten und organisierten geographische Exkursionen für die Schule nach Bremen und Bremerhaven mit Prof. Dr. Heiko Faust und lernten den Hannover Flughafen als außerschulischen Lernort für zukünftige Klassen kennen.

Während meines Masterstudiums arbeitete ich zudem an der Fakultät für Geowissenschaften und Geographie als Tutorin für die Vorlesungen "Regionale Kulturgeographie", "Ökozonen der Erde", "Wirtschaftsgeographie" und betreute die Erstsemester-Studierenden im Bereich Lehramt in der Orientierungsphase. Die Arbeit unterstützte mich sehr in meiner Entwicklung als Lehrer und die Erfahrungen helfen mir noch heute bei der Ausübung meines Berufes. Auch nach meinem Masterabschluss im Sommer 2013 arbeitete ich weiter an der Fakultät für Geowissenschaften und Geographie, um die Zeit bis zum Referendariat sinnvoll zu nutzen. Nach turbulenten 18 Monaten im Referendariat in Braunschweig an der Hoffmann-von-Fallersleben Schule, verbunden mit vielen positiven Erfahrungen und Entwicklungen als Lehrperson, bin ich seit dem Sommer 2015 endlich nach einer Gesamtausbildungszeit von 7 Jahren in der Schule angekommen. Rückblickend kann ich sagen, dass ich sehr gerne an die Zeit in Göttingen und vor allem am Geographischen Institut zurückdenke. In meinen wöchentlichen Erdkundestunden merke ich ständig wie sehr mich mein Studium geprägt hat und wie viel uns vor allem im Bereich Fachwissen mit auf den Weg gegeben wurde. Ich bin froh, dass ich mich damals für Erdkunde als Schulfach entschieden habe und freue mich jeden Tag darüber es unterrichten zu dürfen.

"Meinst du, dass es noch Sinn macht, das Fach zu studieren?" Ja, aus meiner Sicht tut es das zu 100 Prozent!


Bericht von Torben Schäfer,
Alumnus des Master of Science im Fach Geographie

Nach meiner Ausbildung, langjähriger Selbstständigkeit und Erwerb der Zulassung auf dem dritten Bildungsweg bin ich zum Geographiestudium nach Göttingen gelangt. Rückblickend war für mich im Bachelor- als auch Masterstudiengang die eher familiäre Studienumgebung am wertvollsten. Die kurzen Wege und der persönliche Kontakt zu den Lehrkräften habe ich sehr schätzen gelernt. Auch bin ich mit einer ganz anderen Vorstellung und einem anderen Berufswunsch in das Geographiestudium gestartet. Letztendlich arbeite ich nun in einem komplett anderen Bereich. Durch interessante Lehrinhalte konnte ich mich für eine Spezialisierung begeistern. Ein weiterer wichtiger Aspekt waren die vielen Möglichkeiten der Absolvierung von Praktika. Die so erlangte Erfahrung war gerade in der Bewerbungsphase von großer Bedeutung.

Neben einem Fachbereich, in dem ich mich immer sehr wohl gefühlt habe, war der Studienstandort genau der richtige für mich. Das große universitäre Angebot, die vielfältigen Möglichkeiten der Abendgestaltung, Partys und Feiern zeichnen den Standort aus – auch „feiern“ gehört zum Studieren dazu. Ich selbst wurde während meines Studiums zweimal Vater. Profitiert habe ich von der Flexibilität des Studienganges und der Angebote der Universität und des Studentenwerks.

Nach meinem Master „Geographie: Ressourcenanalyse und –management“ konnte ich meine erste Leitungsstelle als Citymanager in Sindelfingen übernehmen. Heute bin ich (Gründungs-) Geschäftsführer der Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Rotenburg an der Fulda mbH mit 9 Mitarbeitern. Zu meinen heutigen Aufgaben gehören die Bereiche Stadtumbau, Stadtplanung, Dorfentwicklung, Wirtschaftsförderung, Tourismus, Kultur sowie Veranstaltungen. Am meisten profitiere ich im Bereich Tourismus (meine Bachelor- und Masterarbeit waren Themen aus der Destinationsgeographie) und der Stadtentwicklung von dem Geographiestudium in Göttingen.

Als TIPP schließe ich mich an: Praxiserfahrung ist unheimlich wichtig. Lebensläufe wie ABI, Studium und Auslandssemester sind Standard und austauschbar. Wirklich interessant sind Lebensläufe mit Ecken und Kanten – einfach mal links und rechts schauen, jobben und Lebenserfahrung sammeln.


Bericht von Jana Große,
Alumna des Master of Science im Fach Geographie

Nach meinem Bachelor-Geographiestudium war für mich klar, dass ich im Bereich Nachhaltigkeit arbeiten möchte. Für eine entsprechende Spezialisierung hat mir der Master "Geographie: Ressourcenanalyse und -management" in Göttingen mit seiner ganzheitlichen Ausrichtung den richtigen Mix an gesellschaftlichen, umweltbezogenen, politischen und wirtschaftlichen Inhalten geboten. Besonders gefallen hat mir die freie Gestaltung der thematischen Schwerpunkte. Und trotz der vielen unterschiedlichen Themengebiete waren alle Veranstaltungen, die ich mir ausgesucht habe, sehr gut miteinander verknüpft.

Im Rückblick waren aber vermutlich die praktischen Erfahrungen am wertvollsten. In den vielen vorlesungsbegleitenden Seminaren habe ich nicht nur gelernt, zeitlich aktuelle Probleme wissenschaftliche aufzuarbeiten, sondern ich konnte mich auch im freien Sprechen und Präsentieren erproben und kontinuierlich verbessern. Darüber hinaus hatte ich die Möglichkeit als studentische Hilfskraft das geographische Studiendekanat zu unterstützen, wodurch ich Erfahrung mit strukturiertem Arbeiten gesammelt habe und Ansprechpartnerin für Studienkollegen und Dozenten sein durfte. Aufgrund des flexiblen Studienaufbaus war es möglich, ein Auslandssemester und Praktika zu absolvieren, was ich sehr zu schätzen wusste und glücklicherweise auch genutzt habe.

Erfolgreich abgeschlossen habe ich mein Masterstudium Ende September 2015. Im Anschluss habe ich relativ schnell ein Angebot als Redakteurin in meinem gewünschten Themengebiet erhalten. Ich denke gerne an meine Studienzeit und das Leben in Göttingen zurück, was ich jedem nur herzlich empfehlen kann.


Bericht von Luisa Neubauer,
Studiert auf Bachelor of Science im Fach Geographie

Ein Plädoyer für die Geographie

Ich wollte immer Medizin studieren. Ein Studiengang, bei dem niemand Fragen hat, bei dem Arbeitsplatz und Einkommen sicher sind, bei dem sich – wenig überraschend – auch meine Eltern mit anfreunden konnten. Ich habe keinen Tag bereut, stattdessen Geographie zu studiert zu haben. Und hier ist, warum:

Ein Jahr nach dem Abitur nahm ich an einem Jugendaustausch in Tansania teil. Zuvor hatten wir Gelder gesammelt, um vor Ort eine Krankenstation mit aufzubauen. Dadurch sollte im Dorf alles anders werden. Und genau dort, im tansanischen Hochland, stellte ich fest, dass ich nicht dafür sorgen wollte, dass Menschen gesund werden – ich wollte verhindern, dass sie krank werden. Dafür reicht eine Krankenstation nicht aus. Es braucht intakte Gesundheitssysteme, Wassersysteme, die verlässlich sauberes Trinkwasser liefern, fruchtbare Böden, Maßnahmen zur Anpassung an Klimaveränderung und berufliche Perspektiven, Zugang zu Bildung, wirtschaftliche Entwicklung und technologische Innovation. Und weil ich genau diese Aspekte, deren Dynamiken und Entwicklungen verstehen wollte, schrieb ich mich zwei Wochen später an der Uni Göttingen ein.

Ich hätte mir niemals vorstellen können, wie weitläufig das Geographiestudium ist. Und wie entscheidend dabei auch die Facetten sind, die am leichtesten übersehen werden.

Was wir in der Geographie machen, ist „Raum“ zu erforschen. Und damit alle Komponenten, die diesen Raum ausmachen. Dieser Raum lässt sich in kleinste Dimensionen definieren, das kann ein kleines Feld oder ein Straßenzug sein, geht weiter über Täler, Städte bis hin zu Ländern, Meeren oder Kontinenten. Wir gucken auf die Boden- und Gesteinskunde: Wie ist der Boden beschaffen? Welche Veränderungen lassen sich beobachten? Wir lernen, dass und wie Norddeutschland Jahrtausende lang von Gletschern plattgedrückt wurde und sich Schweden in Reaktion auf diesen Prozess heute sogar anhebt. Wir besuchen den Harz und finden Gestein, das aus Norwegen bis zu uns geschoben wurde – von genau diesen Gletschern.

Dann gucken wir auf die Oberfläche. Dort wird eventuell gebaut oder Landwirtschaft betrieben. Das wiederum wirkt sich auf den Boden aus – und hängt von der Beschaffenheit des Bodens und Gesteins ab. Wir lernen, was Boden fruchtbar macht, was es für die Weltbevölkerung bedeutet, dass immer mehr genau dieser Bodenfruchtbarkeit verloren geht, oder auch, wie sich die Nutzung des Bodens auf Trinkwasser und Biodiversität auswirkt. Was gebaut wird und von wem, hängt wiederum von wirtschafts-, kultur-, und bevölkerungsgeographischen Komponenten ab. Man spricht von Standortfaktoren. Ist es rentabel, ein Wohngebiet zu bauen, oder wird in der Nähe bald ein Flugplatz oder Industriegebiet gebaut, was sich nachteilig auf die Wertentwicklung auswirken würde? Ist der Boden durch Altlasten kontaminiert oder weisen Bevölkerungsdynamiken darauf hin, dass weniger Menschen dorthin ziehen werden? Oder stimmt die Infrastruktur drum herum nicht?

Es geht weiter: zum Beispiel verändert die Änderung der Landnutzung das Mikroklima und die Wirkung des Raumes auf Menschen und Gesellschaft. So könnte es unendlich weiter gehen. Jetzt fangen Menschen ja nun mal auch an, sich politisch im Raum zu organisieren – Geopolitik ist das – und sich zu bewegen; Migrations-, Tourismus- oder auch Verkehrsdynamiken spielen hier etwa eine Rolle.

Die Geographie ist die Disziplin, die es schafft, den Bogen zu spannen zwischen all diesen Komponenten – wir sind interdisziplinär unterwegs. Im Studium in Göttingen findet man uns im umliegenden Wald die Hangneigungen erforschen, auch mittels Computermodellierungen Stromtrassen rund um Ortschaften und Naturgebieten verlegen, oder auch die Stadtentwicklung von Göttingen nachvollziehen. Wir lernen, dass nichts im Raum ohne Grund passiert, dass kein Hügel ohne Folge eines geomorphologischen Prozesses entstanden ist und dass jede Veränderung im Raum die Menschen, die sich in diesem Raum aufhalten und dort agieren, prägt und beeinflusst – und vice versa.

Geographie ist für Weltenwanderer*innen und Fragensteller*innen, für diejenigen, die Lust auf Stadt und Land, Gebirge und Meer haben, die Menschen und Natur verbinden wollen und bereit sind, am Ende überall ein bisschen mitreden zu können, aber vor allem wissen, dass es alles im Zusammenwirken komplizierter ist, als es aussieht, und sich reinzustürzen in ein Fach ohne Grenzen – für alle, die Lust haben, Profis im Brückenbauen zu werden.

Vier Jahre später wohne ich immer noch in Göttingen. Ich habe nicht annähernd alles das verstanden, was mich an der Welt so fasziniert. Aber ich kann vielleicht bessere Fragen stellen. Und das ist genau, was es braucht, um weiter zu lernen und zu forschen, im Master, vielleicht auch in der Promotion, im Berufsleben. Und manchmal, an Freitagen auch auf der Straße.


Bericht von Max Butting & Felix Westerhoff,
Alumni des Bachelor of Science im Fach Geographie

Gefragt, ob wir von unserem Geographiestudium in Göttingen berichteten wollen, sagten wir gleich zu, weil wir schon während unseres Bachelors das Gefühl hatten, ein sehr interessantes und schönes Studium gewählt zu haben. Nach dem Master in Bonn und ersten Arbeitserfahrungen im Bereich der Planung von Glasfaserkabeln bzw. der Projektentwicklung von Windkraftanlagen zeigte sich für uns beide, dass es zudem ein überaus nützliches Studium war.

Dass die Geographie als Universalwissenschaft gestartet ist, merkt man ihr heute noch an. Ob Klima, Boden oder Wasser, Stadt-, Wirtschafts-, Entwicklungs-, oder Sozialgeographie – das Studium zeichnet sich durch eine große Vielfalt aus. Die Welt aus so vielen Blickwinkeln zu betrachten und die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Aspekten kennenzulernen macht großen Spaß und wir können jedem empfehlen, offen durch das Studium zu gehen und über den bekannten Tellerrand hinauszuschauen. Gelegenheiten bietet die Uni Göttingen dazu reichlich. Zum einen, weil nicht von vornherein zwischen Physischer Geographie und Humangeographie unterschieden wird und man seine Seminare und Exkursionen sehr frei wählen kann. Zum anderen, da ein großer nicht-geographischer Wahlpflichtbereich viele Möglichkeiten bietet, auch von anderen Studiengängen interessante Module belegen zu können. Während diese große Vielfalt zwar von Anfang an spannend war, hat sie uns doch auch Sorgen bereitet, da wir uns auf keinen Aspekt richtig spezialisiert hatten. Wo würden wir später arbeiten, wenn man doch „nichts richtig kann“. Nachdem die erste Arbeit schnell gefunden war, haben wir jedoch festgestellt, dass diese Sorge vollkommen unbegründet war. Die große Stärke der Geographie liegt genau darin, von allem etwas zu verstehen. Deshalb ist man sehr gut für alle Aufgaben gerüstet, bei denen es darum geht, verschiedene Aspekte zusammenzuführen, anstatt Probleme nur aus einer Fachrichtung zu betrachten. Welche Aspekte dabei genau von Relevanz sind, lernt man ohnehin erst im Beruf. Viel wichtiger ist dieses multiperspektivische Denken sowie die Fähigkeit zum selbstständigen und lösungsorientierten Arbeiten. Letzteres wird einem insbesondere in den Seminaren, die in höheren Semestern Vorlesungen ersetzen, vermittelt.

Um Fragestellungen nicht nur aus vielen Blickwinkeln zu betrachten, sondern auch zu bearbeiten, sind methodische Kompetenzen gefragt. Die wichtigsten Grundlagen vermittelt das Studium in Göttingen sehr gut. Als Vertreter der Fachschaft Geographie haben wir regelmäßig an den Bundesfachschaftentagungen (Tagungen, auf denen sich Fachschaftler aus ganz Deutschland treffen) teilgenommen. Gerade dort ist uns bewusst geworden, dass sich Göttingen vor allem im Bereich der Statistik und der Geographischen Informationssysteme (GIS) positiv von anderen Unis abhebt. In die Fachschaft einzutreten ist übrigens etwas, was wir unabhängig von der Uni jedem empfehlen können, weil man durch die gemeinsamen Diskussionen und Aktionen auf anderer Ebene das Verständnis für das Fach Geographie und den Unibetreib vertieft und dabei viele nette Menschen kennenlernt.

Neben diesen fachlichen Aspekten ist das Schöne an der Geographie in Göttingen das Zusammenarbeiten mit anderen Menschen. Einerseits ist das Institut groß genug, dass es eine vielfältige Auswahl an Kursen und Dozierenden gibt, andererseits doch so klein, dass man bald die meisten Menschen kennt und wieder trifft. Auch mit den Dozierenden kommt man schnell in Kontakt und die allermeisten haben ein offenes Ohr für die Anliegen der Studierenden.

Zu guter Letzt darf natürlich nicht verschwiegen werden, dass das Geographiestudium trotz all der interessanten Dinge, die man lernen kann, stets genug Zeit lässt, die sehr gute Göttinger Kneipenszene zu erkunden ;)

Schade, dass die Spezialisierung im Master nicht zu unseren Interessen gepasst hat, wir wären sonst gerne länger Geographen in Göttingen geblieben.


Bericht von Thanh Hang Tran,
Alumna des Master of Education mit dem Fach Erdkunde

Nach sieben Jahren Studium kann ich überzeugt sagen, dass Erdkunde und Französisch auf Lehramt meine beste Entscheidung gewesen sind. Vor allem Geographie als Schnittstelle zwischen Human- und Naturwissenschaften hat mir gezeigt, die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Im Bachelor haben wir die Grundlagen dieses Faches kennengelernt, von der Klimageographie über Bodengeographie bis hin zur Stadtgeographie und Wirtschaftgeographie waren die Kurse stets durch kleinere oder größere Exkursionen begleitet, um das theoretische Wissen anschaulich zu machen. Ich erinnere mich bis heute an meine erste Wanderung in den Harz, die wir im ersten Semester 2011 unternahmen, bei der wir nicht nur Regionalwissen erwarben, sondern auch mit vielen unterschiedlichsten Leuten ins Gespräch kamen. Diese Öffnung gegenüber Neuem ermutigte mich dazu, im 5. Semester ein Jahr in Frankreich zu studieren, um neue Erfahrungen zu sammeln. Ab diesem Zeitpunkt konnte meine Reiselust nicht mehr aufgehalten werden.

Diese allererste Auslandserfahrung in meinem Leben stärkte meine Persönlichkeit so, dass ich voller Motivation war, weitere neue Erfahrungen im Leben zu sammeln. Die Uni Göttingen bot dafür zahlreiche Gelegenheiten. So kam ich durch Zufall an meinen ersten Hiwijob in der Abteilung Landschaftsökologie bei Dr. Möller, der mir zahlreiche neue Einblicke in den Organisationsprozess von Lehrveranstaltungen gab und mir bei der Zusammenarbeiten mit den Dozenten zeigte, dass diese „auch nur normale Menschen“ sind, so wie meine jetzigen Lehrerkollegen an der Schule. Die Atmosphäre am Geographischen Institut ist sehr locker, sodass ich mich stets willkommen fühlte und die Arbeitszeit nicht wirklich als Arbeitszeit empfand.

Als ich 2015 in den Master of Education kam, gab es eine neue Regelung, die Studierenden ermöglichte, in jedem Studienabschnitt (Bachelor, Master und Doktorstudium) einen Erasmusaufenthalt zu absolvieren. Sofort ergriff ich diese Möglichkeit und bewarb mich für ein Jahr in Pau, im Südwesten Frankreichs. Wieder musste ich mich für eine Weile von Göttingen verabschieden und wieder entwickelte ich mich persönlich und fachlich durch diesen Aufenthalt enorm weiter. An dieser Stelle einen kurzen Appel an die Leser: Macht eure Auslandserfahrungen! Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und vor allem eigener Ängste lernt man so viel dazu. Ihr erwerbt nicht nur fachliche und interkulturelle Kompetenz, sondern lernt vor allem euer persönliches Potential besser kennen!

Wieder zurück im schönen Göttingen erhielt ich im Studiendekanat der Geographie einen Hiwijob, der mir einen Einblick hinter die Kulissen gab: Wie werden Arbeitsverträge an der Uni gehandhabt, Veranstaltungen organisiert und bekannt gemacht und was passiert mit Bewerbungen für die Masterstudiengänge der Fakultät? Bei all diesen organisatorischen Fragen durfte ich mitarbeiten und vor allem die Kollegen kennenlernen, die eine sehr offene und sympathische Art innehatten. Während dieser Zeit lernte ich vor allem eins: Effizientes Arbeiten. Und genau diese Kompetenz hilft mir bei meiner jetzigen Arbeit als Referendarin am meisten. Organisation und kritisches Denken, diese beiden Aspekte hat mir Göttingen auf den Weg gegeben. Wenn mein Arbeitsprozess effizient ist, kann ich mehr Zeit für die SchülerInnen aufwenden und hinhorchen, was für sie interessant ist und welche Fragen in ihrem Kopf schwirren, um mich daran zu orientieren. Tatsächlich ist Erdkunde eines der Fächer, die bei den SchülerInnen ziemlich beliebt sind, weil es sehr viele unterschiedliche Bereiche thematisiert und immer wieder interessante Fragen stellt. Dies motiviert mich besonders, geographische Themen so aufzubereiten, dass sie essentielle Aspekte hervorheben und von den SchülerInnen mit Interesse aufgegriffen werden.

Die Zusammenarbeit mit Menschen ist in diesem Sinne meine Verbindung von Studium und Beruf. Das Göttinger Studium gab mir zahlreiche Gelegenheiten, um immer wieder neue Perspektiven von anderen Menschen kennenzulernen. Rückblickend waren diese sieben Jahre in Göttingen die abenteuerlichste Zeit meines bisherigen Lebens, mit vielen Erinnerungen an Menschen und Orte, die mich bis heute auf meinem (Bildungs-)Weg begleiten.


Bericht von Isabell Lenz,
Alumna des Bachelor of Science im Fach Geographie

David Attenborough hat es sehr gut getroffen als er sagte “An understanding of the natural world and what’s in it is a source of not only a great curiosity but great fulfilment” – denn mein Studium der Geographie in Göttingen war wie eine Reise, die mir komplett neue Horizonte eröffnet hat, unendliche Neugierde hervorgebracht hat und mich unabhängig von meinem weiteren Studium und Arbeit täglich begleitet.

Das interdisziplinäre Studium der Geographie hat mich immer wieder überrascht, kannte ich Geographie nur als ein sehr rudimentäres Nebenfach in der Schule. Das Studium der Geographie jedoch zeigt einem aus so vielen Blickwinkeln wie Mensch und Umwelt sich gegenseitig beeinflussen, welche Probleme das auslösen kann, aber auch welche Lösungen möglich sind. Es eröffnet einem so viele Themenbereiche, Perspektiven und Forschungsmethoden kennenzulernen, welche ich vorher gar nicht mit Geographie verbunden hätte oder im Entferntesten interessant fand – die physiogeographischen Vorlesungen Bodengeographie oder Geomorphologie beispielsweise. Jedoch gaben beide Kurse so viele spannende Einblicke: Warum ist Brandrodung so ein großes Problem in tropischen Regenwäldern? Wie entstehen Dünen oder wie formen sich Gebirge? Warum ist das Klima an Küsten anders als im Landesinneren? Oder im Kurs zu den Ökozonen der Erde lernt man, warum es ähnliche Ökosysteme am Mittelmeer, in Südafrika und Kalifornien gibt. Neben den theoretischen Kursinhalten bietet der Studiengang aber auch viel Praxisbezug durch Methodenkurse und Exkursionen.

Das Bachelorstudium am Geographischen Institut Göttingen gibt einem aufgrund der vielen frei wählbaren Credits neben den thematisch vielseitigen Modulen unzählige Entfaltungsmöglichkeiten über die Geographie hinaus. Diese Möglichkeit war für mich einer der größten Vorteile in Göttingen zu studieren. An den verschiedensten Fakultäten habe ich Kurse belegt: von einem sehr praktischen Permakulturzertifikatskurs, Sprachkursen in der Ethnologie wie New Guinea Pidgin oder Seminaren zu der Ethnologie des Erdöls und der Kulturgeschichte des Pazifiks zu einem Dokumentarfilmkurs, einer Grundausbildung beim Technischen Hilfswerk und Kursen zu mariner Ökologie. Die Auswahl ist so vielseitig, bis hin zu Maskenbildner- oder Laborforschungskursen. Diese Auswahl hat nicht nur meine fachliche Ausbildung extrem bereichert und meine Neugierde weiter geweckt, sondern ich konnte auch persönliche Interessen entdecken, mich mit Studierenden der verschiedensten Fachrichtungen austauschen und oft auch einen Geographiebezug herstellen.

Jedoch besonders herausragend im Gegensatz zu Erfahrungen an manch anderem Ort, ist die Offenheit der Dozierenden in andere Kurse reinschnuppern zu können und die Vielzahl an Abendveranstaltungen, progressiven Diskussionsplattformen, unzähligen Studierendengruppen und Kulturveranstaltungen, die von Studierenden organisiert werden und von vielen Göttingern sowie Studierenden besucht werden, was manchmal nicht nur spannende Diskussionen hervorgebracht hat, sondern auch sehr lustig bis komisch war und eine gute Abwechslung zu den regulären Vorlesungen.

Auch bietet die Universität Göttingen viele interessante Möglichkeiten für Auslandssemester. Über die Ethnologie habe ich ein Semester an der University of the South Pacific in Fidschi studiert. Mein Dozent und Professor Hans-Jürgen Böhmer in Fidschi hatte dort gerade ein Forschungsprojekt im Bereich der Biogeographie und politischen Ökologie zu einer invasiven Palmenart begonnen und ich konnte mit ihm als Zweitprüfer meine Bachelorarbeit absolvieren. Das Geographiestudium, die Forschung und Publikationen für meine Bachelorarbeit und die Zeit in Fidschi haben mich persönlich geprägt und mir geholfen eine Idee für meinen Masterstudiengang zu finden.

Vor meinem Studium kannte ich Göttingen nicht und wollte eigentlich in eine Großstadt wie Berlin, aber im Nachhinein hätte ich es nicht besser treffen können. Die Stadt ist für mich in 4 Jahren ein fester Lebensmittelpunkt geworden, wo ich viele Freundschaften aufbauen konnte und mich fachlich sowie persönlich entfalten konnte. Die Kulturszene ist für eine Kleinstadt sehr vielfältig, es gibt unzählige Sportangebote inklusive Kletterhalle, und mit dem Studierendenticket kann man kostenlos oder sehr günstig Theater- Musik- und Kunstveranstaltungen besuchen. Auch sonst ist einiges los im kleinen Göttingen - viele Abende habe ich bei Lagerfeuer an den nahegelegenen Seen verbracht, bei Konzerten oder einem der liebevoll und kreativ gestalteten Open Airs.

Das Bachelorstudium ist eine Möglichkeit vieles auszuprobieren und zu entdecken worauf man sich spezialisieren möchte, besonders Methodenkurse kann ich sehr empfehlen, die einem nicht nur im Master erheblich weiterhelfen, sondern auch für die verschiedenen Berufsfelder der Geographie sehr hilfreich sind.

Sehr gerne wäre ich für mein Masterstudium in Göttingen geblieben, habe dort aber nicht den richtigen Studiengang für mich gefunden und studiere nun im Joint Master Program “Geography of Environmental Risks and Human Security” der United Nations University und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn und möchte mich, besonders nach meinen Erfahrungen zum Thema Klimawandel im Südpazifik, vertieft mit der Klimawandelanpassung von sozial-ökologischen Küstensystemen, beispielsweise durch ökosystem-basierte Lösungen, beschäftigen.


Bericht von Fabian Krengel,
Alumnus des Master of Education mit dem Fach Erdkunde

„Wenn Geschichte die Wissenschaft der Zeit ist, dann ist Geographie die Wissenschaft des Raumes.“ Diesen Vergleich bringe ich gerne an, wenn ich gefragt werde, warum ich denn gerade „Erdkunde“ – ein zugegebenermaßen durchaus betagter Begriff, weckt er doch die eine oder andere „Stadt-Land-Fluss“-Assoziation – studiert habe: Die Geographie ist in ihrer Reichweite geradezu unfassbar umfassend. Sie mag nicht immer so tief greifen wie die Physik, die Chemie, die Wirtschaftswissenschaften oder die Soziologie; aber sie ist exzellent darin, Brücken zwischen all diesen – und vielen weiteren! – Disziplinen zu bauen, damit wir die komplexen Zusammenhänge unserer Welt besser verstehen können. In Zeiten von „FridaysforFuture“ und „Klimakrise“ ist das ein Anliegen, das nicht nur Erdkundelehrkräfte an Freitagen im leeren Klassenzimmer beschäftigen sollte.

Aber genug der hochschwingenden Worte, jetzt wird’s konkret: Dass ich Englisch und Erdkunde auf Lehramt studieren wollte, hat sich ab meinem ersten längeren USA-Aufenthalt in der 11. Klasse angebahnt, durch den eine Leidenschaft für Sprachen und Reisen entfacht wurde, die bis heute beständig wächst. Es war allerdings ehrlich gesagt weniger das Geographiestudium, das mich an die Uni Göttingen gelockt hat, sondern eher die vielfältigen Möglichkeiten für mein zweites Unterrichtsfach Englisch. Seitdem war die Leidenschaft mal für das eine, mal für das andere Fach größer; was auch an den tatsächlich ebenfalls großartigen Möglichkeiten im Erdkundestudium an der Uni Göttingen gelegen hat. Nach einem umfassenden Überblick über die vielen (stets vernetzten!) Teilbereiche der Geographie konnte ich mich bestimmten Themen widmen, die mich besonders stark interessiert haben und bekam als studentische Hilfskraft bei Hendrik Kohl die Gelegenheit, diese Interessen – u.a. Wissensökonomie und Mobilitätsforschung – zweieinhalb spannende, vielfältige und äußerst lehrreiche Jahre weiter zu verfolgen – und Geld gab’s dafür sogar auch! Und selbst, wenn man als Lehrämtler nur „halber Geograph“ ist, darf man dennoch überall reinschnuppern. So konnte ich mir beispielsweise parallel zur Bachelorarbeit freiwillig GIS-Kenntnisse aneignen.

Im Master habe ich mein Studium in Göttingen durch einen zehnmonatigen Aufenthalt als Teaching Assistant an der University of Colorado at Boulder unterbrochen, doch der Geographie bin ich treu geblieben. Neben zahlreichen „privaten Exkursionen“ in die Rocky Mountains konnte ich dort einen Kurs zu Water Management besuchen, der in Göttingen problemlos anerkannt wurde. Das Geographische Institut steht also auch der Internationalisierung offen gegenüber! Nach meiner Rückkehr habe ich mich generell schnell wieder in der Göttinger Geographie eingelebt, denn es wartete bereits die nächste Hilfskraftstelle auf mich; dieses Mal bei Dr. Tobias Reeh im Bereich Erdkunde für das Unterrichtsfach Gesellschaftslehre. Aber auch im Studium standen spannende Module und Exkursionen auf dem Programm, wie z.B. eine simulierte Schülerexkursion nach Berlin und ein Schulpraktikum in Northeim. Für meine Masterarbeit hat mir das im Studium aufgebaute Netzwerk zuletzt eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung ermöglicht, wo ich mich mit einem internationalen Team mit grenzüberschreitendem Gewässermanagement in Osteuropa auseinandersetzen konnte. Weil ich mich danach nicht sofort in das Referendariat stürzen wollte, habe ich anschließend ein halbes Jahr in Norwegen an einer Schule gearbeitet; wo ich u.a. „Geografi“ auf Deutsch, Englisch und Norwegisch unterrichtet habe. Lehrveranstaltungen zum bilingualen Unterrichten in Göttingen hatten mich hierfür sehr gut vorbereitet!

Heute bin ich zwar immer noch kein Erdkundelehrer, aber der Geographie dennoch irgendwie weiterhin treu: Als Doktorand in der Fachdidaktik Englisch forsche ich im Bereich Global Education, wie wir uns auch im Englischunterricht mit realen, globalen – und damit auch geographischen – Problemen gewinnbringend beschäftigen können. Trotz der physischen Distanz zwischen Zentral- und Nordcampus besteht ein direkter Kontakt zum Geographischen Institut bis heute, was nicht zuletzt an den herzlichen Mitarbeiter*innen liegt, mit denen man auch nach Ende des Studiums noch gerne in Kontakt bleibt.


Bericht von Carolin Nasse,
Alumna des Bachelor of Science im Fach Geographie

Beschäftigt bei der Stadt Lügde im Bereich Stadtmarketing und Tourismus

Immer wieder bemerke ich das Erstaunen, wenn ich nach meiner Ausbildung gefragt werde und dann berichte, dass ich Geographin bin. Und immer wieder finde ich mich darin wieder, dass ich meinem Gegenüber voller Überzeugung von meinem Studium erzähle und die zahlreichen Anknüpfungspunkte zu meiner heutigen Tätigkeit aufzähle.

Nachdem ich in Göttingen meinen Geographie-Bachelor gemacht habe, bin ich an die Ruhr-Universität-Bochum gewechselt und habe dort meinen Geographie-Master mit dem Schwerpunkt "Stadt- und Regionalentwicklungsmanagement" absolviert. Im Anschluss an das Studium habe ich fast unmittelbar meine heutige Stelle bei der Stadt Lügde im Bereich Stadtmarketing und Tourismus angetreten. Zu meinen Aufgabenbereichen zählt neben der Weiterentwicklung der touristischen Infrastruktur (z.B. Planung von Wanderwegen und Besucherleitsystemen) auch die touristische Vermarktung der Stadt. Zudem bin ich für die Planung und Durchführung von städtischen Veranstaltungen, wie Stadtfesten, Weihnachtsmärkten und Messen verantwortlich. Des Weiteren entwickele ich als Geschäftsführerin des örtlichen Marketingvereins gemeinsam mit den örtlichen Gewerbetreibenden Projekte zur Attraktivitätssteigerung des Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandorts.

Sind das geographische Themen? Ja, unbedingt! Ein Geographiestudium vermittelt neben den fachlichen Inhalten auch ein großes Maß an methodischen Fertigkeiten. Die Interdisziplinarität des Studiums erleichtert es ungemein sich in neue Themengebiete einzufinden. Förderprojekte, die im Studium noch theoretisch waren, nutzt man plötzlich selbst zur Umsetzung eigener Projekte, GIS-Kenntnisse kommen einem bei der Erstellung von Wanderkarten zugute, Statistiken helfen bei der Evaluation von Veranstaltungen. So vielschichtig wie ein Geographiestudium, so vielfältig sind auch die späteren beruflichen Perspektiven. Daher ist es aus meiner Sicht entscheidend frühzeitig eine bestimmte fachliche Richtung einzuschlagen und sich auf ein Themengebiet zu konzentrieren.

Aus meiner Sicht zeichnet das Geographiestudium an der Uni Göttingen besonders der enge Praxisbezug aus. Durch Exkursionen und Projektarbeiten war das Studium dadurch sehr abwechslungsreich. Zudem war die enge Betreuung durch die Dozenten sehr hilfreich.

Tipp 1: Ein ausschlaggebender Punkt dafür, dass ich meine heutige Stelle bekommen habe, waren die Themen meiner Bachelorarbeit und Masterarbeit. Hier sollte man sich unbedingt praxisorientierte Themen aussuchen.

Tipp 2: Praxiserfahrung sammeln! Während des Studiums sollte man unbedingt Berufserfahrungen sammeln und möglichst viele Praktika absolvieren.


Bericht von Antonia Ortmann,
Alumna des Bachelor of Science im Fach Geographie

Von 2007 bis 2010 habe ich im Bachelor Geographie in Göttingen studiert, mit einem Auslandssemester in England. Anschließend habe ich acht Monate lang Praxiserfahrung gesammelt, bevor es mich zum Masterstudium in "Global Change Ecology" nach Bayreuth verschlagen hat. Seit 2013 arbeite ich für die Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO). Nach drei Jahren am Hauptsitz in Rom bin ich 2016 nach Uganda gezogen, wo ich die Nationale Forstbehörde im Bereich Waldmonitoring mithilfe von Fernerkundung und GIS unterstütze.

Für ein Geographiestudium habe ich mich entschieden, weil mich das Zusammenspiel von Mensch und Umwelt besonders interessiert und weil das Studium vielfältige berufliche Möglichkeiten eröffnet. Die Wahlfreiheit in den Kursen, die Flexibilität und gute Koordination sowie der enge Kontakt zu den Dozierenden und unter den Studierenden sind meiner Meinung nach große Pluspunkte des Studiums in Göttingen. Diese Pluspunkte kommen besonders zur Geltung, wenn sich Studierende engagieren - sei es durch die aktive Mitarbeit in den Kursen, Engagement in der Fachschaft, Teilnahme am Sommerfest des Instituts oder in Aktivitäten außerhalb des Lehrplans.

Das Engagement in der Fachschaft und anderen außeruniversitären Organisationen hat nicht nur Spaß gemacht, sondern ich habe auch meine Organisations- und Trainingskompetenz ausgebaut, was in meinem derzeitigen Job sehr hilfreich ist. Außerdem sind Methodenkenntnisse in GIS und Fernerkundung, Sprachkenntnisse sowie interkulturelle Fähigkeiten sehr wichtig - allesamt Fähigkeiten, die ich im Studium in Göttingen erwerben und im Masterstudium weiter ausbauen konnte.