Chancengleichheit und Diskriminierungsschutz im Blick – auch und gerade während der Corona-Pandemie

Auf dieser Seite finden insbesondere Führungskräfte und Lehrende Hinweise dazu, wie sie zu Chancengleichheit und Diskriminierungsschutz in Coronazeiten beitragen können.

Die Corona-Pandemie geht mit gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen einher und dies gilt auch für Mitglieder und Angehörige der Universität Göttingen. Sie verändert Arbeit, Studium, Lehre und Forschung fundamental. Viele Menschen sind verunsichert, haben Ängste und Sorgen, Planungen und Arrangements verändern sich schnell oder werden obsolet, es stellen sich viele Fragen.
Damit wird offensichtlich, dass die Corona-Pandemie und ihre Folgen nicht alle Mitglieder und Angehörigen der Universität in gleicher Weise treffen: Je nach Lebenssituation und -lage wirken sich die aktuellen politischen und organisatorischen Maßnahmen unterschiedlich aus. So sind in den vergangenen Wochen beispielsweise Personen besonders unter Druck geraten, die – bei geschlossenen Schulen und Kitas – zuhause Sorgearbeit geleistet haben, ggf. für Homeschooling verantwortlich waren und zugleich im Home-Office gearbeitet oder Qualifizierungsarbeiten verfasst haben. Erste Forschungsergebnisse verweisen darauf, dass der durch die Corona-Pandemie zeitliche Zuwachs an Sorgearbeit die immer noch existierende Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern verstärkt und auch langfristig zu deutlichen beruflichen Nachteilen, insbesondere für Frauen, führt. Bis die Schulen und Kitas ihren Regelbetrieb wieder vollständig aufnehmen, bleiben Mehrbelastungen für die o.g. Personengruppen bestehen. Daher ist es aktuell besonders wichtig, universitäre Prozesse so zu gestalten, dass alle Mitarbeitenden und Promovierenden ihrer Sorgeverantwortung und ihren Betreuungspflichten unabhängig von Geschlecht nachgehen können.
Insgesamt führen schwierige Alltagsgestaltung, psychosoziale Verunsicherung, soziale Ausschlüsse und existenzielle Bedrohungen aufgrund von finanziellen Notlagen oder Diskriminierungs- oder Gewalterfahrungen zu neuen oder zur Verstärkung bestehender Mehrfachbelastungen.

Ziel dieser Webseite ist es, aus der Perspektive von Gleichstellung, Vereinbarkeit und Diversität auf diese – neuen und alten – Benachteiligungen und Diskriminierungen aufmerksam zu machen. Sie möchte dafür sensibilisieren, wie wichtig Chancengleichheit und Diskriminierungsschutz auch und gerade in Corona-Zeiten sind. Alle Mitglieder und Angehörigen der Universität können gemeinsam daran mitwirken, dass sich bestehende Ungleichheiten nicht verschärfen und weitere Benachteiligung von vulnerablen Gruppen verhindert werden.
In besonderer Weise von der derzeitigen Situation betroffen sind u.a. Personen

  • mit Sorgeverantwortung/ Betreuungspflichten (Kinder, Pflege) in verschiedenen Haushalts- und Familienkonstellationen (auch Wohngemeinschaften, Patch-Work-Familien etc.), insb. Alleinerziehende
  • mit geringer Teilhabe an Unterstützungsnetzwerken (z.B. Communities, Familien, Wohngemeinschaften), bspw. Internationale
  • die zu den sog. Risikogruppen zählen
  • mit Beeinträchtigungen, chronischen Erkrankungen (auch psychischen) und Behinderungen
  • mit begrenzten Ressourcen wie Zeit, finanzielle Absicherung, Raum zum Arbeiten/ Lehren von zu Hause aus und prekäre Vertragskonstellationen
  • mit fehlendem Zugang zu technischer Ausstattung (unzureichendem Netzanschluss oder Rechnerkapazitäten), Infrastrukturen und Arbeitsmaterialien
  • mit nur grundlegenden Digitalkompetenzen
  • die unter verstärkter rassistischer Diskriminierung leiden (z.B. racial profiling im Zuge von Kontaktbeschränkungs-Kontrollmaßnahmen, anti-asiatischer Rassismus)
  • die aufgrund der Ausgangsbeschränkungen im eigenen Wohnumfeld von Benachteiligung, Diskriminierung und (häuslicher) Gewalt betroffen sind
  • in beengten Lebensverhältnissen, die physische Distanzierung und notwendige Hygienemaßnahmen nicht in erforderlichem Maße zulassen.

Diese Liste ist ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Im Folgenden finden Sie Informationen und Anregungen, wie Sie die sich unterscheidenden Lebenssituationen und -lagen und ihre Auswirkungen bei der Gestaltung von Lösungen und neuen Maßnahmen während der Corona-Pandemie berücksichtigen können.

Führung – Organisation von Arbeitsprozessen und Teams sowie Betreuung von Qualifizierungsarbeiten

Als Führungskraft und als Betreuer*in von Qualifizierungsarbeiten sind Sie derzeit in besonderer Weise gefordert, für den Zusammenhalt in Arbeitsteams und „funktionierende“ Arbeitsabläufe zu sorgen. Kommunikationsflüsse und Arbeitsprozesse müssen (neu) organisiert werden – oftmals unter sich schnell verändernden Rahmenbedingungen, hohem zeitlichem Druck und ohne die gewohnten Räume und Tools.

Grundsätzliches

  • Berücksichtigen Sie, dass die zeitlichen, räumlichen, technischen und emotionalen Ressourcen der Mitarbeitenden bzw. Promovierenden möglicherweise eingeschränkt sind. Machen Sie ggf. auch eigene Einschränkungen deutlich.
  • Mitarbeitende oder Promovierende mit Kindern müssen parallel zur Arbeit ganztags Kinderbetreuung (teilweise zusätzlich Homeschooling) und Versorgung leisten und sind nur eingeschränkt zeitsouverän. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, Eltern von Kindern im Vorschulalter, Personen in Patch-Work-Familienkonstellationen sowie internationale Mitarbeitende und Promovierende. Pflegende Angehörige müssen jederzeit mit dem Mangel bzw. Wegfall von ambulanten Pflegediensten oder Pflegekräften rechnen.
  • Prekär Beschäftigte mit kurzer Vertragslaufzeit oder Honorarverträgen sind derzeit mit immenser Verunsicherung und emotionaler Belastung konfrontiert.

Empfehlungen

  • Achten Sie auf möglichst flexible, individuell angepasste zeitliche Arrangements für Home-Office und für gemeinsame Arbeits- oder Abstimmungsprozesse.
  • Berücksichtigen Sie, dass ggf. nur eingeschränkt Arbeitsleistungen erbracht werden können.
  • Geben Sie Ihren Mitarbeitenden und Promovierenden ein klares Signal, dass Sie sich bewusst sind, dass Verzögerungen eintreten können und dass Sie sich dafür einsetzen, dass daraus keine Nachteile für Ihre Mitarbeitenden und Promovierenden entstehen.
  • Achten Sie darauf, dass Mitarbeitende und Promovierende, die zur sog. Risikogruppe gehören und die daher bei Ansteckung einen schwereren Krankheitsverlauf riskieren, sich schützen können, ohne dass sie gezwungen sind, ihre Situation in Arbeitszusammenhängen zu erläutern (s. Informationen A-Z für Universitätsmitarbeiter*innen, Stichwort „Risikogruppen“).
  • Erkundigen Sie sich bei Ihren Mitarbeitenden und Promovierenden danach, ob sie am Home-Office-Arbeitsplatz über die notwendigen technischen Infrastrukturen (Netzanschluss, Betriebssysteme, Endgeräte, Rechnerkapazitäten) und Digitalkompetenzen verfügen, bevor Sie Tools für die Zusammenarbeit auswählen und Kommunikationsprozesse aufsetzen. Stellen Sie sicher, dass die technischen Möglichkeiten möglichst barrierefrei sind und keine besonderen Fähigkeiten erfordern.
  • Bedenken Sie, dass die Sorge um Angehörige, die eigene Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe, finanzielle Notlagen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, verstärkte (z.B. rassistische) Diskriminierungserfahrungen im Kontext von Corona oder auch die Angst vor Diskriminierung und Gewalt im familiären oder Wohnumfeld eine immense emotionale Belastung darstellen können. Haben Sie dabei insbesondere die Situation internationaler Mitarbeitender oder Promovierender im Blick (sprachliche Barrieren, ausländerrechtliche Konsequenzen).
  • Berücksichtigen Sie, dass Videoformate die Privatsphäre von Mitarbeitenden und Promovierenden beeinträchtigen können und stellen Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten eine diskriminierungsfreie Nutzung digitaler Räume sicher, bspw. indem Sie schon zu Beginn die Möglichkeiten des jeweiligen Tools (z.B. Ton- und Kameraabschaltung durch Nutzer*innen) transparent machen. Thematisieren Sie, welche Teile einer Konferenz aufgezeichnet/ veröffentlicht werden und welche nicht. Weisen Sie darauf hin, dass gemeinsam Verantwortung für ein faires Miteinander übernommen werden kann.
  • Signalisieren Sie Ihrem Team Ansprechbarkeit, auch für Fragen, die ansonsten im Arbeitskontext keine Rolle spielen und machen Sie auf Beschwerdemöglichkeiten im Fall von Diskriminierungen in digitalen Räumen (z.B. Hate Speech) aufmerksam. Ansprechpersonen für den Umgang mit Konflikten finden Sie hier.

Lehre – Diskriminierungsschutz im digitalen Lehren und Lernen

Als Lehrende*r sind Sie derzeit gefordert, Ihre Lehre – Lehrveranstaltungen, Beratung, Betreuung und auch Prüfungen – unter hohem zeitlichem Druck in digitaler Form umzusetzen. An der Klärung der Rahmenbedingungen (rechtliche Fragen, technische Infrastrukturen, Datenschutz etc.) wird kontinuierlich gearbeitet (aktuelle Informationen der Universität finden Sie unter Nachrichten für Mitarbeiter*innen und Informationen A-Z für Lehrende). Eigene Vereinbarkeitsanforderungen sowie (insbesondere in der Qualifizierungsphase und für Lehrbeauftragte) prekäre Beschäftigungsverhältnisse und finanzielle Notlagen kommen verschärfend hinzu.

Grundsätzliches

  • Berücksichtigen Sie bei der Gestaltung und Durchführung der Lehre einschl. Beratung, Betreuung und Prüfung, dass die zeitlichen, räumlichen, technischen und emotionalen Ressourcen der Studierenden ggf. eingeschränkt sind. Machen Sie ggf. auch eigene Einschränkungen deutlich.
  • Studierende mit Kindern müssen parallel zum Studium in Vollzeit Kinderbetreuung (teilweise zusätzlich Homeschooling) und Versorgung leisten und sind nur eingeschränkt zeitsouverän.
  • Studierende, die Angehörige pflegen, müssen jederzeit mit dem Mangel bzw. Wegfall von ambulanten Pflegediensten oder Pflegekräften rechnen.
  • Zahlreiche Studierende befinden sich aufgrund des Wegfalls von Nebenjobs in einer konkreten finanziellen Notlage.
  • Für viele Studierende stellt die Nutzung digitaler Tools ein zusätzliches Diskriminierungsrisiko dar, da sie an der Universität Göttingen aktuell noch nicht mit selbstgewählten Namen an Lehrveranstaltungen teilnehmen können.
  • Internationale Studierende sind oft in besonderer Weise betroffen, da Studienverzögerungen und finanzielle Notlagen mit aufenthaltsrechtlichen Konsequenzen einhergehen können, sie mit sprachlichen Barrieren konfrontiert sind und teilweise nicht über einen ungestörten Arbeitsplatz im Wohnumfeld verfügen.
  • Einige Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen können von digitalen Lehrformaten profitieren (z.B. zeitunabhängige Nutzbarkeit), für andere entstehen neue Hürden für die Teilnahme an Lehrveranstaltungen oder ein erfolgreiches Absolvieren von Studien- und Prüfungsleistungen.


Die schnelle Umsetzung der Lehre in Online- oder digitale Formate kann bestehende Diskriminierungsrisiken verstärken. Viele Risiken lassen sich schon in der Vorbereitung einer Lehrveranstaltung durch gute Kommunikation, Absprachen und Unterstützung sowie Auseinandersetzung mit der genutzten Technik minimieren. Die folgenden Empfehlungen können Sie dabei unterstützen.

Empfehlungen

Achten Sie darauf, dass Studierende möglichst zeitlich flexibel in Lehrveranstaltungen (asynchrone Formate) mitarbeiten können. Falls Sie Live-Formate einsetzen, machen Sie Ihren Beitrag denjenigen Studierenden, die nicht teilnehmen konnten, nachträglich als Aufzeichnung zugänglich. Ermöglichen Sie verlängerte Bearbeitungszeiten für Studien- und Prüfungsleistungen.

Eine virtuelle Lehrveranstaltung sollte idealerweise nicht zeitaufwendiger sein als dieselbe Lehrveranstaltung in Präsenz – für Sie als Lehrende*n und für Studierende. Verwenden Sie möglichst Werkzeuge und Formate, die nur wenig Einarbeitungszeit bedürfen.

Informieren Sie sich im Zuge Ihrer Lehrplanung über Ihre Handlungsspielräume als Lehrende*r, die z.B. Fragen des Umgangs mit Störungen oder Diskriminierungsvorfällen in der virtuellen Lehre betreffen.
Anprechpartner*innen finden Sie in Ihren Fakultäten, in der Hochschuldidaktik, der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit sowie in der Stabsstelle Chancengleichheit und Diversität. Für rechtliche Aspekte wenden Sie sich bitte an die Abteilung Wissenschaftsrecht und Trägerstiftung. Akute Vorfälle nimmt die Notfall- und Störmeldezentrale unter 39-1171 auf.
Mit Fokus auf Präsenz-Lehrveranstaltungen finden Sie hier eine Präsentation der Abteilung Wissenschaftsrecht und Trägerstiftung: Geltungsbereich und Anwendung des Hausrechts.

Die Beantwortung häufiger Rechtsfragen zum Persönlichkeitsrecht bei Bild- und Tonaufnahmen (pdf), zum Datenschutz in Zoom (Lehrende) (pdf) und Datenschutz in Zoom (Studierende) (pdf) finden Sie über die "Web-/Videokonferenzen"-Seite des Teams Digitales Lernen und Lehren.
Beachten Sie auch das Papier „Einsatz von Videoconferencing in der Lehre und bei Gremien“ (pdf, 08.05.2020).

Weisen Sie die Studierenden zu Beginn der Lehrveranstaltung auf Anlauf- und Beratungsstellen hin, an die Studierende sich im Fall von Diskriminierungen (z.B. Hate Speech) wenden können. Ansprechpersonen, die für bestimmte Zielgruppen und spezifische Themen Beratung anbieten, finden Sie beispielsweise auf den Seiten „Coronavirus: Informationen A-Z für Universitätsmitarbeiter*innen“ (Stichwort: Beratungsstellen) oder im „Wegweiser: Umgang mit Diskriminierung an der Universität Göttingen“ (Abschnitt: Was kann ich tun?).

Entscheiden Sie vor der Veranstaltung, welche Tools sie benutzen wollen und was diese Tools können sollen. Deaktivieren Sie möglichst diejenigen Features, die Sie nicht brauchen. Je mehr Kommunikationswege (auditiv, visuell, textbasiert...) zur Verfügung stehen, desto besser können sich Studierende ihren bevorzugten Lernzugängen entsprechend einbringen.
Mit der Zahl der Kommunikationswege steigt jedoch auch das Risiko, dass diese ggf. missbraucht werden können, z.B. durch übergriffige Nachrichten in öffentlichen oder privaten Chats, das Zeigen von unerwünschten Bildern und Symbolen in Avataren, in Videohintergründen, auf Whiteboards oder freigegebenen Screens sowie das Anfertigen unzulässiger Mitschnitte oder Screenshots (s.u.).
Es lohnt sich, sich im Vorfeld mit den Risiken und Möglichkeiten auseinanderzusetzen, die jedes Tool bietet, und dieses an eigene Bedürfnisse, Fähigkeiten und ggf. Moderationsressourcen anzupassen.

Überblick e-Learning

Informationen zu einzelnen Tools

Zum Umgang mit Störungen

  • Heinrich Böll Stiftung Sachsen (27. April 2020): Ungestört - Tipps für digitale Bildung. Zum Umgang mit rechten Störungen bei Videokonferenz-Formaten, Interview mit Peps Gutsche, Gegenargument.
  • Rewa, Jeanne (15.04.2020): Dealing with disruptors in Zoom online meetings or trainings

  • Berücksichtigen Sie, dass Videoformate die Privatsphäre von Studierenden beeinträchtigen können. Stellen Sie daher im Rahmen Ihrer Möglichkeiten eine möglichst diskriminierungsfreie Nutzung digitaler Räume sicher, bspw. indem Sie schon zu Beginn Studierende auf Möglichkeiten der Ton- und Kameraabschaltung hinweisen. Wenn mit eingeschalteter Kamera und Ton teilgenommen werden muss, kommunizieren Sie, warum das für die Lehre relevant ist oder warum die Notwendigkeit dazu besteht.
    Machen Sie immer deutlich, welche Teile einer Veranstaltung aufgezeichnet werden sollen und welche nicht. Aufnahmen sind nur durch Lehrende zulässig, und auch nur dann, wenn alle Aufgenommenen über Aufnahme und deren Verwendung informiert sind und dazu aktiv ihre Zustimmung gegeben haben (dies sollte dokumentiert werden). Die Zustimmung kann jederzeit zurückgezogen werden. Gehen Sie grundsätzlich nach dem Prinzip der Datensparsamkeit vor: Daten, die gar nicht erst anfallen, können auch nicht missbraucht werden.
    Ausführliche Informationen und die Beantwortung häufiger Rechtsfragen zum Persönlichkeitsrecht bei Bild- und Tonaufnahmen (pdf), zum Datenschutz in Zoom (Lehrende) (pdf) und Datenschutz in Zoom (Studierende) (pdf) finden Sie über die "Web-/Videokonferenzen"-Seite des Teams Digitales Lernen und Lehren.
    Beachten Sie auch das Papier „Einsatz von Videoconferencing in der Lehre und bei Gremien“ (pdf, 08.05.2020).

    Sie können eine Vereinbarung zum gemeinsamen Lehren und Lernen treffen und diese selbst vorbereiten und/oder mit den Studierenden gemeinsam erarbeiten. Darin kann festgehalten werden, welche Wünsche und Erwartungen alle Beteiligten an die Veranstaltung und ihre Atmosphäre haben, wie sie miteinander kommunizieren wollen, wie sie mit Konflikten und aufgeheizten Diskussionen umgehen wollen, und welche Rahmenbedingungen Sie in Ihrer Veranstaltung für eine gelingende Kommunikation und zum Schutz vor Diskriminierung setzen wollen.

    Reagieren Sie auf Anfragen, Bitten und Ängste von Studierenden, deren Lebenslage in der aktuellen Situation eine besondere Härte darstellt, möglichst sensibel und signalisieren Sie ihnen Ansprechbarkeit, auch für Fragen, die ansonsten im Lehrkontext keine Rolle spielen. Dies ist bereits im Vorfeld, z.B. auf der Lernplattform-Seite der Lehrveranstaltung oder per Mail möglich, z.B. durch Formulierungen wie „Bitte teilen Sie mir mit, was ich als Lehrende*r schon vor der Veranstaltung wissen sollte.“ Stellen Sie sicher und kommunizieren Sie, dass Sie die erhaltenen Informationen vertraulich behandeln werden bzw. in welchen Fällen Sie Unterstützung durch Vorgesetzte oder Kolleg*innen hinzuziehen wollen oder müssen. Viele Studierenden fühlen sich durch Ihre Ansprechbarkeit „wahrgenommen“ und aktiviert, so dass sie in der Folge selbst Lösungen suchen und vorschlagen.

    Bedenken Sie, dass die Sorge um Angehörige, die eigene Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe und finanzielle Notlagen, verstärkte (z.B. rassistische) Diskriminierungserfahrungen oder auch die Angst vor Diskriminierung und Gewalt im familiären oder Wohnumfeld eine immense emotionale Belastung für Studierende darstellen können. Haben Sie dabei insbesondere die Situation internationaler Studierender im Blick.

    Weisen Sie zu Beginn der Lehrveranstaltung proaktiv, allgemein und frühzeitig auf die Möglichkeit von Nachteilsausgleichen hin. Kommunizieren Sie dazu frühzeitig ihre Arbeits- und Prüfungsformen und die Leistungsanforderungen (Informationen dazu: „Beantragung von Nachteilsausgleichen bei Prüfungen und Studienleistungen“).
    Achten Sie darauf, dass Studierende, die zur sog. Risikogruppe gehören, sich schützen können, ohne dass sie gezwungen sind, ihre Situation zu erläutern.
    Um Studierenden in besonderen Lebenslagen und Studierenden, die zur sog. Risikogruppe gehören, die Teilnahme an Ihrer Lehrveranstaltung zu ermöglichen, bieten Sie alternative Formen der Partizipation, Leistungserbringung sowie Sprechstundenmöglichkeiten an und weisen Sie proaktiv darauf hin. Gestalten Sie Lehrmaterialien (Dokumente, Aufzeichnungen, Web-Angebote) möglichst barrierefrei (s.u.).
    Für diejenigen Studierenden mit Behinderungen, die derzeit nicht auf (studentische) Assistenzen oder Dolmetscher*innen zurückgreifen können, suchen Sie nach individuellen Lösungen. Gerade diese Studierenden haben aufgrund der Vorgaben der Kostenträger die Verpflichtung, ihr Studium voranzutreiben.

    Universitätseigene Handreichungen:



    Weitere Informationen und Links


    Bedenken Sie, dass nicht alle Studierenden über einen optimal ausgestatteten Arbeitsplatz zuhause verfügen. Haben Sie im Blick, dass Studierende ggf. nicht über die notwendige technische Infrastruktur (Netzanschluss, Endgeräte, Rechnerkapazitäten, Betriebssysteme, Drucker) und Digitalkompetenzen für bestimmte Tools und Formate verfügen. Stellen Sie sicher, dass die verwendeten Tools möglichst barrierefrei sind und keine besonderen Fähigkeiten erfordern. Fragen Sie im Studiendekanat nach möglichen Lösungen für nicht vorhandene Arbeitsmittel.

    Treten Sie mit Ihrer Hochschule, und mit anderen Lehrenden in Austausch über Ihre Erfahrungen, Fragen, Probleme und Lösungsvorschläge. Machen Sie Klärungsbedarf und Wünsche nach Unterstützung auch gegenüber Ihren Vorgesetzten sichtbar. Nur so können auf überindividueller Ebene Veränderungen angestoßen werden.

    Und zuletzt: Haben Sie Mut zur Nicht-Perfektion!

    Zum Weiterlesen:


    Gemeinsame Strategien – Kommunikation, Mitbestimmung und Transparenz

    Krisen wie die Corona-Pandemie erfordern koordinierende Akteur*innen, klare Entscheidungsstrukturen und schnelles Handeln und, um alle mitzunehmen, kontinuierliche Informationen, Kommunikationswege und sichtbare Ansprechpersonen. Die Erarbeitung konkreter Lösungen und die Umsetzung von Maßnahmen, die für möglichst viele tragfähig sind, braucht aber auch Beteiligung und Mitbestimmung. Chancengleichheit und Diskriminierungsschutz können, auch während der Corona-Pandemie, nur gemeinsam und unter Beteiligung und Mitbestimmung von gewählten Vertretungen und von Interessengruppen sowie im Gespräch mit potentiell Betroffenen erfolgen. Transparenz ist grundlegend, damit alle einen Beitrag leisten können.

    Empfehlungen
    Beteiligen Sie an der Entwicklung von Lösungen und der Gestaltung von Maßnahmen – im Rahmen der üblichen Gremien oder auch spezieller Arbeitsgruppen – frühzeitig und kontinuierlich

    • die Gleichstellungsbeauftragten
    • alle Statusgruppen
    • die studentischen Organe und die Promovierendenvertretungen
    • den Personalrat und die Schwerbehindertenvertretung
    • Interessengruppen, Hochschulgruppen
    • die Fachabteilungen und -expert*innen in Verwaltung, Wissenschaftsmanagement und Technik
    • städtische Akteur*innen dort, wo kontextbezogen notwendig.

    Berücksichtigen Sie Chancengleichheit und Diskriminierungsschutz bei Neuregelungen (bspw. Ordnungen, Richtlinien etc.) im Kontext der Corona-Krise. Gehen Sie ins Gespräch mit denjenigen, die von den Lösungen betroffen sind, damit umgehen und arbeiten müssen. Fragen Sie, was bereits gut läuft und wie dies noch weiter verbessert werden kann, was noch fehlt und wie Information und Kommunikation optimiert werden können.




    Zum Weiterlesen