Neues Projekt zur Energiewende: AGil entwickelt in Südniedersachsen Zukunftsmodell für dezentrale Energieversorgung


Prof. Dr. Simon Fink ist Teil eines interdisziplinären Projektes, das über die nächsten drei Jahre die Möglichkeiten der dezentralen Energiewende auslotet. In seinem politikwissenschaftlichen Teilprojekt untersucht er, welche politischen Rahmenbedingungen eine dezentrale Energiewende befördern oder erschweren können.

Dem ländlichen Raum kommt für die zukünftige Versorgung mit Erneuerbaren Energien eine zentrale Rolle zu. Hier sind Flächen für PV- und Windanlagen vorhanden. Um deren Potenzial voll ausschöpfen zu können, muss jedoch die Infrastruktur ausgebaut werden. Wie sich das für Verteilnetzbetreiber und Verbraucher gleichermaßen rentieren kann, soll im Rahmen des Projekts AGil erarbeitet werden.
AGil steht für Akteurstimulierende und sektorkoppelnde Geschäftsmodelle für Stadtwerke im ländlichen Raum. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Pro-jekt aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags ab 1. September drei Jahre lang mit insgesamt 1,2 Mio. Euro.

Ziel ist es, innovative Geschäftsmodelle für kommunale Energieversorger und Verteilnetz-betreiber zu entwickeln, um Stromüberschüsse aus Wind und Solar lokal nutzbar zu ma-chen. Ein zentraler Baustein ist dabei die Integration von Wasserstofftechnologien: Statt Strom zu negativen Preisen zu exportieren, soll er vor Ort in Wasserstoff umgewandelt und gespeichert werden.

AGil untersucht vor diesem Hintergrund, wie eine dezentrale, intelligente Steuerung der Stromnetze zusammen mit Speicherlösungen und flexiblen Verbrauchern – etwa Wärme-pumpen, Elektrofahrzeuge oder eben Elektrolyseure – effizient betrieben werden kann. In interdisziplinären Teilprojekten werden technische, ökonomische, rechtliche und politi-sche Rahmenbedingungen analysiert.

Daraus soll ein übertragbares Modell entstehen, das Stadtwerke befähigt, gezielt zu inves-tieren und neue Geschäftsmodelle umzusetzen. AGil schafft damit die Grundlage für eine nachhaltige, wirtschaftlich tragfähige und gesellschaftlich akzeptierte Energiewende – mit Wasserstoff als Schlüssel zur lokalen Wertschöpfung und Versorgungssicherheit.

Projektpartner sind die Universität Göttingen, die TU Clausthal, die Sonderforschungs-gruppe interdisziplinäre Institutionenanalyse (sofia) an der Hochschule Darmstadt, die Harz Energie Netz GmbH, die Stadtwerke Göttingen AG und die Stadtwerke Uslar GmbH. Koordiniert wird das Projekt von der SüdniedersachsenStiftung.