Verbundprojekt "agri:change - Zukunft durch Wandel"
Nachhaltigkeitstransformation in der Agrar- und Ernährungswirtschaft in Niedersachsen
"agri:change - Zukunft durch Wandel" adressiert die notwendige Nachhaltigkeitstransformation des Niedersächsischen Agrar- und Ernährungssektors (AuE) und zielt darauf ab, ein zukunftsfähiges, resilientes System aktiv zu gestalten und voranzutreiben – angepasst an die Spezifika Niedersachsens. Resilienz wird dabei gleichsam verstanden als Ökosystem schützend und soziale Verantwortung und wirtschaftliche Tragfähigkeit erhaltend.Das Projekt wird finanziert durch das Programm Agenda Zukunft.Niedersachsen, dem gemeinsamen Förderprogramm des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung.
In agri:change wird gezielt transdisziplinär und systemisch gearbeitet, um ressourcenschützende Lösungen, Angebote und Produkte und Konzepte zu entwickeln, die gleichzeitig Einkommen und Wertschöpfung halten und ausbauen.
Ziel 1: Transformationsprozesse verstehen und gestalten, Nachhaltigkeitsinnovationen in Wertschöpfungssystemen managen
Ziel 2: Ressourcen kreislauforientiert nutzen, Tierhaltung im Kontext von natur-, umwelt- und ressourcenschonender Kreislaufwirtschaft und ganzheitlichem Stoff- und Nebenstrommanagement gestalten
Ziel 3: Tierwohl verbessern, Nutztieren optimale Haltungsbedingungen bieten
Ziel 4: Innovative AuE-Geschäftsfelder erschließen. Entwicklung und Erprobung innovativer Geschäftsfelder für neue Einkommensquellen im Agrar- und Ernährungssektors (AuE)
Ziel 5: Akzeptanz und Nachhaltigkeitskompetenzen fördern, Bildung und Partizipation vorantreiben.
Diese Ziele werden in vier agri:labs und den dazugehörigen Fragestellungen adressiert:
agri:lab X1 | Nachhaltige Wertschöpfungssysteme und Nachhaltigkeitstransparenz
agri:lab X2 | Nutztierhaltung unter „Nature Restoration Law“-Bedingungen
agri:lab X3 | Upcycling von pflanzlichen und tierischen Nebenströmen
agri:lab X4 | Integrierte Agrarlandschaftsentwicklung
sowie in agri:lab-übergreifenden Querschnittsthemen aufgegriffen:
Makro-Verbindungen für Märkte und Umwelt
Akzeptanz transformativer Prozesse und Entwicklungen
Rechtsrahmen für den Datenraum AuE.
Unsere Abteilung Functional Breeding übernimmt in agri:lab X2 die Forschung und Entwicklung von neuen Konzepten in den Teilprojekten:
X2.4: Geflügel „Klima“ – neue Haltungskonzepte unter veränderten Klimabedingungen
Auch beim Geflügel kennzeichnen sich neue, tiergerechte Haltungskonzepte durch Klimareize für die Tiere. Hohe Temperaturen, Temperaturschwankungen, Extremwetter sowie hohe Sonneneinstrahlung stellen auch hier besondere Herausforderungen dar, denen mit gezielten Maßnahmen begegnet werden muss, um Beeinträchtigungen von Tiergesundheit und Tierwohl zu vermeiden. Der Einfluss veränderter Klimabe-dingungen trifft Mastgeflügel sowie Legehennen gleichermaßen, wenngleich bei Legehennen insbeson-dere neben den Effekten auf das Wohlbefinden der Erhalt der Körpersubstanz bei hoher Legeleistung und die Produktqualität (Physiologie und Eischalenbildung unter Hitzestress) besonders schwer tragen. Vor diesem Hintergrund sind Aspekte der Tierhaltung, der Tierzucht und der Tierernährung gleichermaßen von besonderer Bedeutung in der Erarbeitung von Lösungskonzepten für eine zukunftsfähige Geflügelhaltung unter veränderten Klimabedingungen und Haltungsumgebung.
Ziele:
• Entwicklung und Prüfung von Konzepten zur Mastgeflügelhaltung und Legehennenhaltung unter dem Einfluss des Klimawandels bei verschiedenen Haltungsstufen/-formen
• Optimierung von Tierwohl, Tiergesundheit, Leistung und Produktqualität im Kontext der Kombi-nation Haltungsstufe/-form, Klima und Genetik
Methodiken:
• Bewertung von Tiergesundheit, Tierwohl und Tierverhalten in verschiedenen Haltungsformen unter dem Einfluss sich wandelnder klimatischer Bedingungen inklusive möglicher Leakage-Effekte
• Tierzüchterische Bewertung von verschiedenen Linien/Rassen im Hinblick auf die Resilienz ge-genüber veränderten klimatischen Bedingungen unter Berücksichtigung von Haltungsformen
• Entwicklung von Ernährungs- bzw. diätetischen Konzepten nach Analyse der Ist-Situation im Hin-blick auf Klima, Tierhaltung und Nutzung von verschiedenen Linien/Rassen
• Prüfung der Konzepte im Hinblick auf Tierhaltung/Tierzucht/Tierernährung/Nachhaltigkeit
X2.5: Geflügel „Low carbon line“ – regionale Produktion mit geringer Umweltwirkung (Mast und Eierproduktion)
Der Konsum von Produkten aus der Geflügelhaltung wird voraussichtlich auch in hiesigen Regionen weiter leicht steigen, zumindest konstant bleiben. Um diesem Bedarf durch lokale Produktion gerecht zu werden, sind die Auswirkungen der Haltung auf die Umwelt möglichst gering zu halten – bei gleich-zeitig effizienter Produktion von hochwertigen Lebensmitteln. Für diesen Zweck werden gezielt für die Mast und Eiproduktion Konzepte entwickelt, die weiterhin eine lokale Produktion auf hohem Ni-veau ermöglichen. Unter diesen Bedingungen muss die Nutzung von Nebenströmen als Futterkompo-nenten zur Geflügelernährung Berücksichtigung finden um den Fußabdruck reduzieren. Neben einer Erfassung und Bewertung entsprechender Nebenströme bedarf es einer entsprechenden Ausrichtung der Zucht von Mastgeflügel und insbesondere Legehennen auf die Futteraufnahmekapazität. Alterna-tive Futtermittel haben i.d.R. eine geringere Energie- und Nährstoffdichte.
Ziele:
• Entwicklung und Bewertung von Konzepten zur Mastgeflügelhaltung und Eiproduktion mit dem Ziel einer möglichst umfassenden Nutzung von regionalen und alternativen Futtermitteln mit geringer Klimawirksamkeit
• Optimierung von Tierwohl, Tiergesundheit, Leistung und Produktqualität unter den veränderten Produktionsbedingungen (Genetik/Haltung/Futter)
Methodiken:
• Tierzüchterische Prüfung und Bewertung von verschiedenen Linien/Rassen im Hinblick auf die Nutzung unter veränderten Fütterungsbedingungen zwecks Reduktion der Umweltwirkung der Produktion
• Entwicklung von alternativen Ernährungskonzepten nach Analyse der Ist-Situation und Verfüg-barkeit und Potential zur Nutzung von Nebenprodukten für Mastgeflügel und Legehennen
• Prüfung der Konzepte im Hinblick auf Tierzucht/Tierernährung/Nachhaltigkeit im Modell und unter Realbedingungen
X2.6: Fisch „Adaptation line” – low input unter variierenden Umweltbedingungen
Fisch ist eine hochwertige Proteinquelle. Da viele Bestände jedoch überfischt sind, muss nachhaltiger Fischkonsum auf (Süßwasser-)Aquakultur basieren. Fische sind per se äußerst effizient, einige Arten ha-ben jedoch hohe Anforderungen an die Proteinversorgung. Zudem unterliegen sie viel mehr als andere Arten einer starken Variation der Umweltbedingungen, die mit fortschreitendem Klimawandel noch zu-nehmen wird. Um eine lokale und nachhaltige Fischproduktion in Niedersachsen zu gewährleisten, müs-sen einerseits Fütterungsstrategien erarbeitet werden, die auf nachhaltige Proteinquellen und Nähr-stoffrückgewinnung setzen (link zu agri:lab X3). Andererseits gilt es, an low-input-Fütterung adaptierte Fischlinien (in diesem Projekt lokal adaptierte Regenbogenforellenlinien) oder -arten (hier verschiedene Salmoniden wie Regenbogenforelle, Bachforelle und Äsche) lokal zu züchten und zu propagieren. Die Haltung in rezirkulierenden Systemen (Kreislaufanlagen) ist ein komplementärer Ansatz, der es ermög-licht, standortungebunden und unter gleichbleibenden Bedingungen gleichzeitig ressourcenschonend und mit geringerem Wasserverbrauch zu arbeiten. Die Haltung in Kreislaufanlagen ist jedoch mit einer Beeinträchtigung von Qualitätsaspekten verbunden, die es zudem zu optimieren gilt.
Ziele:
• Optimierung von Haltung und Fütterung unter lokalen Standortbedingungen (z.B. steigende Temperaturen, Extremwetterereignisse)
• Charakterisierung von Fischarten und -linien im Hinblick auf die Interaktion mit Fütterung und Umwelt, Implementierung in lokale Zuchtstrategien
• Erhöhung der Diversität und dadurch Resilienz gegenüber variierenden Umweltbedingungen
• Verbesserung der Tiergesundheit sowie ernährungsphysiologischer Parameter
• Nachhaltigkeitsbewertung der Systeme
Methodiken:
• Untersuchung der Diätadaptation durch klassisches Fütterungsexperiment mit verschiedenen Arten/Genetiken unter Verwendung nachhaltiger alternativer Futtermittel
• Untersuchung der Temperaturadaptation durch Erbrütung unterschiedlicher Arten/Genetiken unter variierenden Bedingungen, anschließend Schätzung der Interaktionen unter Zuhilfenahme von Hochdurchsatzmethoden
• Charakterisierung von Krankheitsresistenz mittels spezifischer Infektionsexperimente
• Bewertung von Produktqualität und ernährungsphysiologischer Wertigkeit anhand spektrosko-pischer Methoden sowie deren genetischer Fundierung


Laufzeit
Beginn: 01.07.2025 I Ende: 30.06.2030
Gesamtvolumen: 24,74 Mio. €
Förderung
