Vortrag zum Thema "Desinformation und die deutsche Friedensbewegung: Historie, Methoden und aktuelle russische Einflussnahme"
im Rahmen des Forschungsprojekts „Identifying and Combating Russia's Propaganda (ICORPD)“02.12.2026 │ 18.30 – 21.30 Uhr
Haus der Demokratie und Menschenrechte, Havemann-Saal, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin
Dietmar Pichler, Inved e.V, Wien
Inhalt
Die Veranstaltung widmet sich der eingehenden Analyse und wissenschaftlichen Einordnung zentraler Desinformationsnarrative im deutschsprachigen Diskurs. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der historischen Entwicklung sowie der aktuellen Rolle der deutschen Friedensbewegung im Kontext russischer Einflussnahme und hybrider Kriegsführung.
Bereits im Kalten Krieg bildete die ostdeutsche und westeuropäische Friedensbewegung ein primäres Zielfeld sowjetischer Aktivmaßnahmen. Moskau nutzte verdeckte Einflussagenten, gezielte Infiltration, Desinformationskampagnen sowie scheinbar unabhängige Frontorganisationen (wie den Weltfriedensrat), um pazifistische Strömungen im Westen im Sinne der eigenen Geopolitik zu instrumentalisieren. Ziel war es damals wie heute, den westlichen Abwehrwillen zu schwächen, militärische Aufrüstung einseitig zu delegitimieren und Bündnisse wie die NATO spaltend darzustellen. Die im Rahmen der Nachrüstungsdebatte der 1980er Jahre erprobten Methoden bilden das Fundament heutiger Einflussstrategien des Kremls. Durch digitale Technologien, KI-gestützte Kampagnen und soziale Medien wurden sie in ihrer Reichweite und Frequenz zwar massiv erweitert, folgen im Kern jedoch denselben subversiven Grundprinzipien.
Vor diesem Hintergrund untersucht der Vortrag die signifikanten Kontinuitäten und ideologischen Nachwirkungen in Teilen der heutigen Friedensbewegung. Es wird der Frage nachgegangen, warum pazifistische Akteure und Gruppierungen in Deutschland bis heute eine ausgeprägte Empfänglichkeit für kremlnahe Narrative aufweisen. Dabei stehen die verharmlosende Romantisierung der Moskauer Machtpolitik, tief verankerte antiwestliche und antiamerikanische Ressentiments sowie die systematische Täter-Opfer-Umkehr und Dämonisierung der NATO im Fokus.
Schließlich beleuchtet die Veranstaltung konkrete Akteure, Strukturen und Netzwerke. Anhand dokumentierter Recherchen – etwa zu Moskau-Reisen, Finanzierungssträngen und Kontakten ehemaliger wie gegenwärtiger deutscher Friedens- und Parteifunktionäre – werden die personellen und institutionellen Verflechtungen zwischen alten Strömungen des Kalten Krieges und modernisierten, oft Querdenker- und prorussisch geprägten Netzwerken offengelegt
Über den Referenten
Dietmar Pichler ist Head Analyst der Plattform INVED.eu und Gründer der Initiative Disinfo Resilience Networkund Experte für ausländische Einmischung, der sich auf komplexe subversive Operationen autoritärer Regime spezialisiert hat. Seine Arbeit geht über den Cyber-Raum hinaus und umfasst Offline-Operationen sowie klassische „aktive Maßnahmen“, die ein entscheidender Bestandteil der modernen hybriden Kriegsführung bleiben. Pichler analysiert nicht nur die Narrative und Strategien hinter ausländischen Einflusskampagnen, sondern untersucht auch die beteiligten zentralen Akteure, einschließlich sogenannter Einflussagenten.
Pichler war als Gastdozent an verschiedenen Institutionen tätig, darunter die International Media Academy (Berlin), die International Humanitarian University (Odessa, Ukraine) und die Universität Wien, und ist auf zahlreichen internationalen Konferenzen vertreten.
Wir laden Sie herzlich ein, an der Diskussion teilzunehmen und sich mit Ihren Perspektiven und Fragen einzubringen.
Zum Projekt
Diese Veranstaltung ist ein Bestandteil des Forschungsprojekts „Identifying and Combating Russia's Propaganda“ (ICORPD). Das Projekt wird finanziert vom Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten (Programm ÖPR) und setzt sich zum Ziel, konkrete Maßnahmen zur Stärkung der demokratischen Widerstandsfähigkeit in Deutschland und der Ukraine im Kontext der russischen Propaganda und Desinformation als Teil der hybriden Kriegsführung umzusetzen. Zu diesen Maßnahmen gehören vier Kernaktivitäten: 1) Identifikation von Desinformationsquellen und Zielgruppen, 2) Resilienzvorschläge basierend auf Best Practices, 3) Aufbau einer mehrsprachigen Online-Faktencheck-Plattform inkl. Redaktions- und Qualitätssicherung sowie 4) Organisation/Archivierung öffentlicher Diskussionsveranstaltungen an universitären sowie außeruniversitären Einrichtungen.
Der Vortrag wird aufgezeichnet und über den YouTube-Kanal von StopFake ausgestrahlt und ist dort langfristig verfügbar.
Projektpartner/innen: Dr. Halyna Leontiy (Universität Göttingen), Prof. Dr. Michael Dobbins (Universität Hannover und American University of Armenia) und StopFake.org, Kyiv-Mohyla-School of Journalism (Kyjiw, Ukraine).
Kooperation: Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Berliner NGO Austausch e.V. statt (Kontaktperson: Igor Mitchnik).
Kontaktperson: Dr. Halyna Leontiy (Email: halyna.leontiy1@uni-goettingen.de)