Presseinformation: Die Erforschung Sibiriens: neue Impulse für die Arbeit mit ethnologischen Sammlungen

Nr. 140 - 15.10.2026

Öffentliches Symposium am 23. Oktober 2026 im Tagungs- und Veranstaltungshaus Alte Mensa

 

(pug) „Die Erforschung Sibiriens – Neue Impulse für die Arbeit mit ethnologischen Sammlungen“ lautet der Titel eines öffentlichen Symposiums der Ethnologischen Sammlung der Universität Göttingen. Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen werfen neue Blicke auf die Erforschung dieser Region. Darüber hinaus geht es um die Frage der heutigen Zusammenarbeit mit Herkunftsgesellschaften vor dem Hintergrund von Dekolonisierung und Restitution. Das Symposium findet am Freitag, 23. Oktober 2026, von 14 bis 18.30 Uhr im Tagungs- und Veranstaltungshaus Alte Mensa statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei.

 

Im ersten Teil der Veranstaltung geht es unter anderem um den ersten bedeutenden Erforscher Sibiriens, Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685 bis 1735), und um Baron Georg Thomas von Asch (1729 bis 1807). Die Ethnologische Sammlung der Universität Göttingen besitzt eine zwar kleine, aufgrund der kostbaren Bestände aus dem 18. Jahrhundert international allerdings sehr renommierte Sammlung an Objekten unterschiedlicher ethnischer Gruppen aus Sibirien. Die Gegenstände, die vor 1807 nach Göttingen gelangten, gehen auf von Asch zurück, der in Göttingen promoviert wurde und in Russland Staatsrat war. Zwischen 1771 und 1806 sandte er regelmäßig Kisten gefüllt mit Münzen, Fossilien, Steinen, Pflanzensamen, Landkarten, Büchern und anderen Dingen von St. Petersburg nach Göttingen. Messerschmidts Aufzeichnungen lagen fast dreihundert Jahre unbearbeitet im Archiv in St. Petersburg. Seit 2011 arbeitet der Göttinger Slawist Prof. em. Dr. Werner Lehfeldt diese Quellen auf.

 

Im zweiten Teil des Symposiums stehen aktuelle Formen der Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern von Herkunftsgesellschaften im Mittelpunkt. Am Beispiel eines besonders wertvollen Objekts aus der Sammlung der Universität Göttingen – des Schamanengewandes der Ewenken – diskutiert Dr. Erich Kasten von der Kulturstiftung Sibirien in Fürstenberg an der Havel neue Wege zu seiner Erschließung. Da die damaligen Sammler das indigene Wissen um diese Gegenstände oft nur unzureichend dokumentiert hatten, boten sie späteren Ethnologen Raum für Deutungen, die vom jeweiligen wissenschaftlichen und politischen Zeitgeist bestimmt waren. Heute stellt sich die Frage, wie angesichts einer von Dekolonisierung und Restitution geprägten Debatte einerseits und den aus politischen Gründen stark eingeschränkten Verbindungen auswärtiger Forschender mit Ursprungsgemeinschaften im Russland der Gegenwart andererseits mit diesen Objekten umzugehen ist. Die Einbeziehung indigener Interessen wie auch die Nutzung moderner Medien spielen hierbei eine zentrale Rolle.

 

Das gesamte Programm des Symposiums ist online zu finden.

 

Kontakt:

Dr. Michael Kraus

Georg-August-Universität Göttingen

Kustos der Ethnologischen Sammlung

Theaterstraße 14, 37073 Göttingen

Telefon: (0551) 39-27894

E-Mail: mkraus@sowi.uni-goettingen.de

Internet: www.uni-goettingen.de/de/28899.html