Neuerscheinungen


Roland Pfau, Asli Göksel and Jana Hosemann (eds.) (2020): Our Lives – Our Stories: Life Experiences of Elderly Deaf People. Berlin: De Gruyter Mouton (= Sign Languages and Deaf Communities [SLDC], 14).

Cover Jana Hosemann

Sign languages are non-written languages. Given that the use of digital media and video recordings in documenting sign languages started only some 30 years ago, the life stories of Deaf elderly signers born in the 1930s-1940s have – except for a few scattered fragments in film – not been documented and are therefore under serious threat of being lost. The chapters compiled in this volume document important aspects of past and present experiences of elderly Deaf signers across Europe, as well as in Israel and the United States. Issues addressed include (i) historical events and how they were experienced by Deaf people, (ii) issues of identity and independence, (iii) aspects of language change, (iv) experiences of suppression and discrimination. The stories shared by elderly signers reveal intriguing, yet hidden, aspects of Deaf life. On the negative side, these include experiences of the Deaf in Nazi Germany and occupied countries and harsh practices in educational settings, to name a few. On the positive side, there are stories of resilience and vivid memories of school years and social and professional life. In this way, the volume contributes in a significant way to the preservation of the cultural and linguistic heritage of Deaf communities and sheds light on lesser known aspects against an otherwise familiar background.




Ackermann, Christiane u. Hartmut Bleumer (Hrsg.): Dramatische Dispositive. Zum Ort des Spiels in der Vormoderne. Heidelberg 2020 (Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik [LiLi] 50, 3).

Cover Bleumer LiLi

Wie lassen sich die historischen Vorformen des Dramas und des Theaters als literatur- und kulturhistorische Gegenstände fassen, wenn schon deren Bezeichnung ein modernes Dispositiv aufruft und insofern die Sicht auf die vormodernen Phänomene präformiert? Auf den daraus hervorgegangenen Vorschlag, dieses Problem über eine Historisierung des Dispositivkonzeptes aufzulösen, haben sich die Beiträgerinnen und Beiträger des vorliegenden Heftes eingelassen. Denn beobachten lässt sich, dass die medien- und diskurstheoretische Karriere des Dispositiv-Begriffs gerade dort kaum Resonanzgefunden hat, wo sie eigentlich hätte beginnen können: im Feld der verschiedenen rituellen, spielerischen oder auch theatralen Formen, in denen Liturgie, Geistliches Spiel, Fastnachtsspiel und frühes Drama Schritt für Schritt eine Art performatives Kontinuum auszuformen scheinen, ohne dabei einem einheitlichen Typus verpflichtet zu sein. Die sieben Beiträge dieses Themenheftes erproben aus unterschiedlichen methodischen Blickwinkeln, welche Lösungspotentiale die Dispositivmetapher für problematische Gattungsgeschichte von Spiel und Drama vor der Zeit Theaters eröffnet.




Bleumer, Hartmut: Ereignis. Eine narratologische Spurensuche im historischen Feld der Literatur. Würzburg 2020.

Cover Bleumer

Jeder weiß, was ein Ereignis ist. Wenn es aber darum geht, das Ereignis genauer zu bestimmen, dann löst sich dieses Wissen auf. Sogar was das Wort ›Ereignis‹ überhaupt bedeutet, scheint auf eine zunächst unmerkliche Weise unterschiedlich zu sein. Wenn aber von Ereignissen erzählt wird, ist dieses Definitionsproblem verschwunden. Darum ist es kein Zufall, dass es sich beim Ereignis nicht nur um eine kaum zu unterschätzende Kategorie der Philosophie und der philosophischen Ästhetik, sondern auch und vor allem der Erzähltheorie und Narratologie handelt. Und je stärker man die Wortgeschichte, Forschungsgeschichte und Literaturgeschichte zusammenbringt, umso mehr zeigt sich die zentrale Ereignisparadoxie. Vor allem die ältere deutsche Literatur weiß von ihr, indem sie von ihr spricht und erzählt - ohne das Substantiv ›Ereignis‹ überhaupt zu kennen. Die hier vorgestellte kleine historische Narratologie des Ereignisses verfolgt den Weg des narrativen Ereignisverständnisses von der modernen Narratologie bis in die Wissenschaft von der älteren deutschen Literatur zurück, um zu zeigen, was es heißt: Es gibt kein Erzählen ohne das Ereignis und kein Ereignis ohne das Erzählen.




Roever, Diana: Formen lyrischen Erzählens im Minnesang des 12. bis 14. Jahrhunderts. Metapher, Topos und Diagramm zwischen Nähe und Distanz. Berlin, Boston 2020 (Literatur – Theorie – Geschichte 17).

Cover Roever

Die Studie untersucht, ob und wie Lyrik erzählt. Dazu werden die bisherigen Versuche einer Lyriknarratologie gesammelt, strukturiert und perspektiviert. Die Metapher kristallisiert sich mithilfe ihres lyrisch zentrierten Erbes und der Arbeiten Wolf Schmids schnell als Ansatzpunkt für weitere Überlegungen heraus. Ins Verhältnis gesetzt werden u.a. der mit einem reichen rhetorischen Erbe behafteten Topos, die forschungsgeschichtlich junge Diagrammatik und die Rolle der Aufführung in narratologischen Kontexten. Hauptanliegen ist es insbesondere, ein Licht auf die Vielgestaltigkeit und lebendige Unbezähmbarkeit lyrischer Erzählmöglichkeiten zu werfen, die die lyrische Lektüre so reichhaltig, eine Lyriknarratologie nach dem Muster klassischer Erzähltheorien aber auch so schwierig macht.




Anthologie: Frauen | Lyrik. Gedichte in deutscher Sprache. Im Auftrag der Wüstenrot Stiftung herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Anna Bers, Stuttgart 2020.

Frauen_Lyrik

Frauen | Lyrik: Die vorliegende Sammlung stellt auf fast 900 Seiten über 500 Gedichte von Autor*innen unter vier verschiedenen Perspektiven vor: Die erste Perspektive bietet Gedichte, die bereits Teil der unterschiedlichsten Kanonbildungen in der Vergangenheit sind; die zweite nimmt literaturgeschichtlich beispielhafte Gedichte in den Blick. Eine dritte Gruppe versammelt Gedichte mit besonderer emanzipatorischer Stärke; eine vierte widmet sich Gedichten von Autor*innen aller Geschlechter, die textuell die Sicht einer Frau einnehmen (z. B. Rollenlyrik). In dieser multiperspektivischen Betrachtung ergeben sich Überschneidungen, aber auch Widersprüche.
Ergänzt wird der Textteil durch ein substanzielles Nachwort der Herausgeberin zu den Phänomenen ‚Frauen‘ und ‚Lyrik‘ aus kanonkritischer, historischer, gender-orientierter und philologischer Sicht sowie durch eine Vielzahl weiterer Paratexte, die Orientierungshilfen bei der Lektüre anbieten, aber z.B. auch erklären, warum zu diesen ‚Gedichten in deutscher Sprache‘ selbstverständlich auch lateinische, englische und französische Texte gehören.




Nina-Kristin Pendzich (2020): Lexical Nonmanuals in German Sign Language. Empirical Studies and Theoretical Implications. Berlin: De Gruyter Mouton (= Sign Languages and Deaf Communities [SLDC], 13).

Cover Pendzich

The book presents an empirical and theoretical investigation of lexical nonmanuals in German Sign Language (DGS) including torso and head actions as well as facial expressions. Three empirical studies demonstrate the relevance of nonmanuals for the wellformedness of signs, their meaning, and lexical processing. Moreover, implications for the theoretical implementation of lexical nonmanuals concerning, e.g., articulation patterns and phonological status are discussed.