Presseinformation: Eremiten. Naturräume der Einsamkeit in der Graphik des 15.–19. Jahrhunderts
Nr. 9 - 27.01.2026
Ausstellung in der Kunstsammlung der Universität Göttingen wird am 4. Februar 2026 eröffnet
(pug) Was bedeutet es, allein zu sein? Die Ausstellung „Eremiten. Naturräume der Einsamkeit in der Graphik des 15.–19. Jahrhunderts“ lädt dazu ein, historischen Vorstellungen von Einsamkeit nachzuspüren und diese im Spiegel der Kunstgeschichte neu zu betrachten. Sie wird am Mittwoch, 4. Februar 2026, um 18.30 Uhr in der Kunstsammlung der Universität Göttingen mit einer Vernissage eröffnet. Nach den beiden Grußworten führen die Kuratorin Dr. Isabella Augart und ihr studentisches Team in die Ausstellung ein. Der Freundeskreis der Kunstsammlung e.V. sorgt für Getränke und Snacks.
„Nicht zuletzt die Erfahrungen von sozialem Rückzug und Isolation in den vergangenen Jahren haben Fragen nach Einsamkeit neu ins öffentliche Bewusstsein gerückt“, so Augart. Die Kuratorin der Ausstellung hat gemeinsam mit den Studierenden 25 Druckgrafiken aus der Kunstsammlung der Universität ausgewählt, die sich dem Motiv des Eremiten und der Eremitin in der christlichen Bildtradition widmen. Darunter sind Werke von Albrecht Dürer, Hendrick Goltzius und Jan Sadeler. Im Mittelpunkt stehen Darstellungen von Wüstenvätern und -müttern sowie von Heiligen wie Johannes dem Täufer, Maria Magdalena, Hieronymus oder Franziskus. Sie zogen sich der christlichen Überlieferung zufolge bewusst aus der Gemeinschaft zurück, um in der Abgeschiedenheit der Natur ein asketisches Leben zu führen.
„Diese Lebensform galt über Jahrhunderte hinweg als religiöses Ideal und wurde in der Kunst immer wieder neu ins Bild gesetzt“, erklärt Augart. Ein besonderes Augenmerk gilt daher den Landschaften, in denen diese Szenen verortet sind – karge Wüsten, Wälder, Höhlen, Felsen oder Inseln. „Dabei sind die Landschaften keineswegs nur Hintergründe oder Kulissen. Es sind Erfahrungsräume, in denen sich Vorstellungen von Weltabkehr, Askese und Spiritualität verdichten“, so Augart. Viele der dargestellten Eremiten lebten ursprünglich im östlichen Mittelmeerraum. Die Bilder übersetzen diese fernen Landschaften in mitteleuropäische Vorstellungswelten und machen die Wüste zum Wald, zum vertrauten Raum.
Augart hat die Ausstellung mit Studierenden im Rahmen eines Lehr- und Forschungsprojekts entwickelt. Gemeinsam analysierten sie Bildwerke, erschlossen ikonografische und historische Kontexte, entwarfen und gestalteten die Ausstellung. Auch am Begleitprogramm beteiligen sich die Studierenden. So präsentieren sie unter anderem im Rahmen der Vortragsreihe „Kunstwerk des Monats“ am Sonntag, 3. Mai, 7. Juni und 5. Juli 2026, jeweils um 11.30 Uhr ihre Forschung.
Besucherinnen und Besucher können die Ausstellung bis zum 19. Juli 2026 im Rahmen der Sonntagsspaziergänge der Universität Göttingen jeden Sonntag von 11 bis 16 Uhr in der Kunstsammlung der Universität, Weender Landstraße 2, besichtigen. Öffentliche Führungen finden am 15. Februar, 15. März, 19. April, 17. Mai und 21. Juni 2026, jeweils um 11.30 Uhr statt. Weitere Informationen sind unter www.uni-goettingen.de/de/704831.html zu finden.
Kontakt:
Dr. Isabella Augart
Georg-August-Universität Göttingen
Kunstgeschichtliches Seminar und Kunstsammlung
Nikolausberger Weg 15, 37073 Göttingen
E-Mail: isabella.augart@uni-goettingen
Internet: www.uni-goettingen.de/de/613929.html