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Press release: Bessere Bleiberechte statt Abschiebung

No. 136 - 09.10.2026

EU-Forschungsprojekt zeigt Alternativen zur Rückkehrpolitik auf

 

(pug) Im Juni 2026 beschloss die Europäische Union eine neue Rückführungsverordnung. Ein internationales Forschungsprojekt mit Beteiligung der Universität Göttingen hat nun im Vergleich von acht europäischen Ländern die Ineffizienz von Abschiebepolitiken aufgezeigt. Gleichzeitig identifizieren die Autorinnen Legalisierungsmaßnahmen als effektivere Alternative im Umgang mit Migrationsbewegungen. Die Ergebnisse wurden in einem „Policy Brief“ veröffentlicht.

 

Die Forscherinnen verglichen Situationen in Belgien, Deutschland, Griechenland, Italien, Spanien, Slowenien, Schweden und Großbritannien. Dabei konnten sie zeigen, dass entgegen der öffentlichen Diskussion um eine härtere Abschiebepolitik Kommunen und Zivilgesellschaft in den untersuchten Ländern bereits seit Jahrzehnten eine Politik fördern, die auf Integration anstatt forcierter Rückkehr setzt. In vielen Ländern existieren Bleiberechtsregelungen, die Migrantinnen und Migranten einen Weg aus der rechtlichen Unsicherheit und Irregularität eröffnen. Rückführungsorientierte Maßnahmen, so machen die Autorinnen deutlich, führten häufig nicht zu tatsächlichen Abschiebungen. Vielmehr operierten diese über sozialen Ausschluss und verursachten Armut, Unsicherheit und Perspektivlosigkeit. Diese Folgen beeinträchtigten sowohl die mentale wie körperliche Gesundheit der Betroffenen sowie den sozialen Frieden der Gesellschaft, da hier Wohnungslosigkeit, Drogenabhängigkeit und Armut forciert würden. Damit Bleiberechte jedoch wirksam werden können, müssten diese mit Maßnahmen zur sozialen Sicherheit verbunden werden. In vielen Städten seien es zivilgesellschaftliche Initiativen, die diese Zugänge zu fundamentalen Rechten ermöglichen, welche die Rückkehrpolitiken einzuschränken versuchten.

 

„Unsere Studie zeigt, dass insbesondere Kommunen, welche die negativen Effekte der völlig ineffizienten Rückkehrpolitik zu spüren bekommen, nach niedrigschwelligen Lösungen suchen, um Migrantinnen und Migranten ein würdevolles Leben zu ermöglichen“, betont Projektleiterin Prof. Dr. Sabine Hess vom Institut für Kulturanthropologie / Europäische Ethnologie der Universität Göttingen. „Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Regularisierungen ausgebaut werden müssen und zivilgesellschaftliche Projekte zur Unterstützung von Migrantinnen und Migranten einer sicheren Finanzierung bedürfen“, fasst Hess die Erkenntnisse für die Politik zusammen.

 

Weitere Informationen zu den Forschungsergebnissen:

Schurade, S., Frank, A., Hess, S., Bajt, V. (2026) WP7: Exploration and Analysis of

Further Public and Civic Alternatives to RR: Case Studies at Multiple Levels. Executive

Summary. MORE Project. DOI: doi.org/10.5281/zenodo.21794480

 

Zum Policy Brief: www.moreproject-horizon.eu/sdc_download/1625/?key=e0ep154g0ew5knbkrmoi0o7bhzlnsq

 

Kontakt:

Prof. Dr. Sabine Hess

Georg-August-Universität Göttingen

Philosophische Fakultät

Institut für Kulturanthropologie / Europäische Ethnologie

Heinrich-Düker-Weg 14,37073 Göttingen

Telefon: 0551 39-25349

E-Mail: shess@uni-goettingen.de

Internet: www.uni-goettingen.de/de/208718.html