Nachrufauf Prof. Dr. Erich Schmidt

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Professor Dr. Erich Schmidt, der am 1. April 2026 nach kurzer, schwerer Krankheit von uns gegangen ist. Sein Tod hinterlässt eine Lücke, die weit über unser berufliches Umfeld hinausreicht.

Erich Schmidt studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg und wurde dort 1972 bei dem Ökonometriker Professor Dr. Heinz Gollnick mit einer Arbeit über die Dynamik der Nachfrage nach Fleisch zum Dr. oec. promoviert. Er ging dann als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Institut für landwirtschaftliche Marktlehre der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig-Völkenrode. Zu den dort enstandenen zahlreichen Publikationen aus seiner Hand zählen u.a. seine vielfach geschätzten Beiträge zu den jährlich erscheinenden Berichten über die "Landwirtschaftlichen Märkte an der Jahreswende" in den Dezember-Heften der Zeitschrift "Agrarwirtschaft". Er wies sich in dieser Zeit in besonderem Maße auch als fundierter Kenner der wirtschaftlichen Situation und agrarpolitischen Problematik in den Sektoren Milch und Zucker aus.

1983 folgte seine Ernennung zum Professor an der Georg-August Universität Göttingen, wo er bis 1992 den Lehrstuhl für landwirtschaftliche Marktlehre innehatte, auf dem er bereits zuvor vertretungsweise tätig gewesen war. Im selben Jahr nahm er den Ruf an die Leibniz Universität Hannover an und übernahm dort den Lehrstuhl für Marktlehre und Agrarpolitik am Institut für Gartenbauökonomie. Schon bald wurde er zum Dekan des damaligen Fachbereichs Gartenbau gewählt. Die Strukturreformen der Universität führten 2001 zur Verlagerung seiner Professur an die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, wo er als Direktor das Institut für Marktanalyse und Agrarpolitik – heute Institut für Umweltökonomik und Welthandel – bis 2006 leitete.

Erich Schmidt war ein ausgewiesener Experte für landwirtschaftliche Faktor- und Produktmärkte sowie für Agrarpolitik – national wie international. In schwer nachzuahmender Weise wusste er die Fähigkeit zu methodisch anspruchsvoller ökonometrischer Analyse mit einer profunden empirischen Kenntnis der Agrarmärkte zu verbinden. Seine wissenschaftliche Arbeit war geprägt von großer fachlicher Präzision, intellektueller Redlichkeit und einer beeindruckenden Unabhängigkeit. Erich Schmidt hatte einen klaren und kritischen Blick für die politischen Einflussversuche von wirtschaftlichen Lobby-Gruppen und blieb stets der wissenschaftlichen Wahrheit verpflichtet. Seine Analysen zum europäischen Zuckermarkt fanden breite öffentliche Beachtung und brachten ihm sogar einen Platz auf der Titelseite der Zeitschrift Wirtschaftswissenschaftliches Studium (WiSt) ein.

Der agrarpolitische Sachverstand von Erich Schmidt war vielerorts gefragt und wurde auch dadurch anerkannt, dass er 1994 zum Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten berufen wurde, dem er bis zur politisch gewollten Umgestaltung des Beirats im Jahr 2001 angehörte. Als akademischer Lehrer war Erich Schmidt anspruchsvoll, klar und konsequent – und gerade deshalb so geschätzt. Er legte größten Wert auf die saubere Anwendung der ökonomischen Theorie und vermittelte seinen Studierenden ein tiefes Verständnis für wissenschaftliche Genauigkeit und Ehrlichkeit.

Für uns Kolleginnen und Kollegen war Erich Schmidt weit mehr als ein herausragender Wissenschaftler. Er war ein Mensch von großer Bescheidenheit, außergewöhnlicher Hilfsbereitschaft und echter Kollegialität. Stets freundlich und zugewandt, wie er war, musste man ihn einfach gerne haben. Er stellte sich stets in den Dienst der gemeinsamen Sache. Viele Forschungsanträge – ob DFG-Forschungsgruppen oder Verbundprojekte – verdankten ihren Erfolg seinen präzisen Analysen und seinem kritischen Blick. In den internationalen Projekten der Hannoverschen Fakultät, insbesondere in Entwicklungsländern, war er ein verlässlicher, feinfühliger Partner, der mit großem Respekt und sicherem Gespür für interkulturelle Besonderheiten agierte.

Sein Humor ist unvergesslich – leise, klug und oft genau im richtigen Moment. Er hat so manche schwierige Situation entschärft und uns daran erinnert, dass Wissenschaft nicht nur aus Zahlen und Modellen besteht, sondern vor allem aus Menschen. Mit Erich Schmidt verlieren wir einen außergewöhnlichen Menschen, einen wertvollen Kollegen und einen geschätzten Freund. So bescheiden wie er immer war, so bescheiden und geräuschlos ist er auch von uns gegangen. Meist wirkte er eher im Hintergrund, doch sein Einfluss wird noch lange spürbar bleiben. In unseren Herzen und Gedanken wird er weiterleben. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Stefan Tangermann, Hermann Waibel