In publica commoda

Wintersemester 2007/2008

Das Leben tritt uns auf der Erde in einer großartigen Vielfalt und Wandelbarkeit der Organismen entgegen, die durch eine fast vier Milliarden Jahre zurückreichende gemeinsame Stammesgeschichte miteinander verbunden sind. Durch organochemische Prozesse in der praebiotischen Welt entstanden zwei Typen basaler einzelliger Lebewesen, die Bacteria und Archaea, aus denen sich im Laufe der Erdgeschichte viele Milliarden Arten, darunter auch der Mensch, entwickelten. Auch wenn wesentliche Gesetzmäßigkeiten dieser Evolution - genetische Variabilität, natürliche und sexuelle Selektion - bereits seit langem bekannt sind, so sind doch viele Einzelheiten noch immer ungeklärt. Sie sind derzeit Gegenstand lebhafter Diskussionen, und immer wieder wird in der Öffentlichkeit gefragt, ob denn die naturwissenschaftlichen Hypothesen und Theorien ausreichen, die ungeheure Mannigfaltigkeit der Formen und Funktionen zu verstehen. Teilweise ist dies verständlich, denn der Gedanke einer kontinuierlichen Entwicklung von Lebensformen sowie die damit verbundene Optimierung von Lebensprozessen steht in einem natürlichen Widerspruch zu religiösen Schöpfungsmythen, die per se keine Entwicklung der Geschöpfe zulassen. Dieser fundamentale Konflikt wurde durch die Aufklärung nur verdrängt und nie befriedigend in einer allgemein akzeptierten Philosophie gelöst.