Die Germanistische Mediävistik beschäftigt sich mit der deutschen Sprache und Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Ihr Interesse gilt damit nicht nur der gesamten Textüberlieferung der Zeit vom 9. bis zum 16. Jahrhundert, sondern auch deren spezifischen medialen und kulturellen Bedingungen. Zur alt-, mittel- und frühneuhochdeutschen Literatur zählen demnach nicht nur Geschichtsdichtung, Heldenepik und geistliche Dichtungen, Minnelyrik und höfischer Roman, kleine Erzählformen, Schwankroman und Fastnachtsspiel, sondern auch pragmatische und lehrhafte Texte aus den verschiedenen Bereichen mittelalterlichen Wissens.
Um diese im erweiterten Sinne literarischen Gegenstände in philologischen Lektüren zu erfassen, um ihre Übergänge von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit der mittelalterlichen Handschriften und des frühen Buchdrucks in den Blick zu nehmen, um ihre historischen Bedeutungsgehalte im Rahmen der mittelalterlichen Geschichte und Kultur als symbolischen Praktiken zu interpretieren, arbeitet das Fach mit aktuellen Methoden und Theorien. Im Seminar werden dazu historisch-narratologische, medientheoretische sowie kultur- und diskurstheoretische Modelle in einer forschungsbasierten Lehre erprobt und in der Forschung weiterentwickelt.
Germanistische Mediävistik versteht sich damit historisch und konzeptionell als eine Grundlagenwissenschaft der Germanistik, bildet aber auch mit den anderen Mittelalterdisziplinen bzw. Mediävistiken in Göttingen über das Zentrum für Mittelalter- und Frühneuzeitforschung (ZMF) ein Lehr- und Forschungsnetzwerk.
Informationen zum Studium der Germanistischen Mediävistik in Göttingen finden Sie hier. Und hier stellen wir uns mit unseren Forschungsgebieten vor.

Das mittelalterliche Buch (Posterausstellung vom 25.06.–31.07.2022 im Foyer des Kulturwissenschaftlichen Zentrums)

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Heute gilt das gedruckte Buch manchen als Auslaufmodell, im 15. Jahrhundert waren gedruckte Bücher in Europa dagegen eine Neuheit. Die von Studierenden in einem Seminar der Germanistischen Mediävistik erarbeitete Ausstellung zeigt, wie im Mittelalter handgeschriebene Bücher hergestellt wurden und welche Folgen die Einführung des Buchdrucks hatte. War der Übergang zu gedruckten Büchern eine Medienrevolution? Das erfahren Sie in der Ausstellung und in Kurzvorträgen im Rahmen der Fünften Nacht des Wissens am 9.7.2022.

(Abbildung: Apokalypse-Blockbuch [Göttingen, SUB, 4º Th. Bib. 1060/31 Rara, fol. 14r, Detail, mit freundlicher Genehmigung der SUB)

Zu den mittelalterlichen Handschriften der SUB gibt es neue Ressourcen:

  • Digitalisate der volkssprachigen Handschriften
  • Beschreibungen der volkssprachigen Handschriften
  • Beschreibungen der lateinischen Handschriften (in Arbeit)



  • Wie finde ich in Göttingen Bücher zur Vorlesung, wie mittelalterliche Handschriften im Internet?

    Mittelalter zum Anfassen


    Diese und weitere, in den Seminaren oft gestellte Fragen werden neuerdings von Tutorials beantwortet, die die Abteilung Germanistische Mediävistik auf dem Youtube-Kanal der Universität zur Verfügung gestellt hat. Welche Informationen benötigt werden, haben wir über Fragebögen in den Seminaren ermittelt, die Produktion der sechzehn Videos wurde durch das MWK-Förderprogramm „Innovative Lehr- und Lernkonzepte: Innovation plus“ ermöglicht. Wer unsicher ist, wo die im Seminar zitierten Textausgaben mittelalterlicher Literatur oder die handschriftliche Überlieferung des Mittelalters zu finden ist, kann sich hier informieren – und mit der eigenen wissenschaftlichen Arbeit beginnen.





    ZMF – Zentrum für Mittelalter- und Frühneuzeitforschung der Georg-August-Universität Göttingen:
    Göttinger Streitgespräche zu Mittelalter und Früher Neuzeit

    (jeweils 18 Uhr c.t. im Hörsaal AP26 des Sprachlehrzentrums (ZESS), Goßlerstraße 10)


    • 18.05. Frühe Neuzeit postkolonial? Positionen der Literatur- und Geschichtswissenschaft
      PD Dr. Sünne Juterczenka (Geschichte, Göttingen)
      Prof. Dr. Claudius Sittich (Germanistik, Freiburg/Br.)
    • 06.07. Echte Gefühle? Emotionalität und Topik in der mittelalterlichen Lyrik
      Prof. Dr. Hartmut Bleumer (Germanistische Mediävistik, Göttingen)
      Prof. Dr. Richard Trachsler (Romanistik, Zürich)
    • 13.07. Historismus in der Kunst des späten Mittelalters?
      PD Dr. Bernd Carqué (Kunstgeschichte, Heidelberg)
      Dr. Klaus Graf (Geschichte, Freiburg/Br.)




    Altgermanistisches Kolloquium
    Altgermanistisches Kolloquium im SoSe 2022
    Vortragsreihe der Germanistischen Mediävistik im SoSe 2022

    18 Uhr c.t., Raum 1.245 (Seminar für Deutsche Philologie)


    • 11.05. Bernd Bastert (Bochum):Literatureinflüsse. Niederländisch-deutsche Literaturbeziehungen während des Mittelalters als Forschungsfeld und Forschungsaufgabe
    • 15.06. Martin Baisch (Hamburg): Nachbarschaft. Auf der Suche nach einer Sozialform in der Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
    • 29.06. Marie-Louise Musiol (Paderborn) / Silke Winst (Göttingen): Kulturwissenschaften out of he woods: Ecocriticism und mittelalterliche Texte






    Neuerscheinung

    Daniel Eder/Henrike Manuwald/Christian Schmidt (Hgg): Vita perfecta? Zum Umgang mit divergierenden Ansprüchen an religiöse Lebensformen in der Vormoderne. Tübingen: Mohr Siebeck 2021 (Otium 24).

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    Mittelalterliche und frühneuzeitliche Entwürfe einer vita religiosa sind auf den Fluchtpunkt christlicher Vollkommenheit ausgerichtet, doch bringt das gemeinsame Ziel der perfectio keineswegs einheitliche, sondern hochgradig divergierende Ansprüche an ein religiöses Leben mit sich. Insbesondere dort, wo das Streben nach perfectio die Erfüllung voneinander abweichender oder widersprüchlicher Erwartungen verlangt, treten religiöse Normenkonkurrenzen und -konflikte ebenso zu Tage wie Strategien zu ihrer Bewältigung. Orientiert an Unterscheidungen wie der von vita activa und vita contemplativa deckt der Band spannungsvolle Konstellationen divergierender Ansprüche an ein religiöses Leben in der Vormoderne auf. Neben Beiträgen aus Geschichtswissenschaft und Theologie setzt er einen literaturwissenschaftlichen Schwerpunkt und berücksichtigt ein breites Spektrum diskursiver und erzählender Textsorten.