Institut für Erziehungswissenschaft

Forschung

„Demokratiekompetenz und Demokratieverstehen“
Projektleitung: Prof. Dr. Hermann Veith, Mario Förster, M.A., Michaela Weiß, M.A.

Sowohl in der theoretischen als auch in der empirischen und schulpraktischen Diskussion über Kompetenzen und Bildungsstandards sind in den letzten Jahren Kompetenzmodelle entwickelt worden, die sich vorwiegend auf Lernprozesse in den Kernfächern des schulischen Curriculums beziehen. Dabei ist es in der Schul- und Bildungsforschung unstrittig, dass sich Schulqualität nicht nur an Fachleistungen bemisst, sondern auch daran, ob es gelingt, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, auf der Grundlage belastbarer demokratischer Haltungen und Werte, selbstbestimmt und eigenverantwortlich am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Allerdings fehlt bislang ein sozial- und bildungswissenschaftlich fundiertes Konzept von „Demokratiekompetenz“. Ziel des Forschungsprojekts ist es, durch die konzeptionelle Weiterentwicklung vorliegender Ansätze diese Lücke zu schließen, ein standardisiertes Erhebungsinstrument zur Messung von „Demokratieverstehen“ zu entwickeln und dieses zur Evaluation der Qualität schulischer Lern- und Bildungsprozesse anzuwenden.

Das Projekt ist ein Verbundprojekt in der Kooperation mit:


  • Dr. Wolfgang Beutel, Geschäftsführer „Förderprogramm Demokratisch Handeln“, Jena
  • Prof. Dr. Monika Buhl, Juniorprofessorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Empirische Bildungsforschung im Schulbereich am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität und am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt/Main
  • Prof. Dr. Peter Fauser, Lehrstuhl für Schulpädagogik und Schulentwicklung am Institut für Erziehungswissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena



"Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir" –
Eine qualitative und quantitative Studie zu Übergangsproblemen in den Arbeitsmarkt bei Hauptschülerinnen und Hauptschülern im Kontext der Schule als Ort der Persönlichkeitsentwicklung (Arbeitstitel)

Projektleitung: Prof. Dr. Hermann Veith, Matthias Völcker, M.A.

Für die Hauptschülerinnen und Hauptschüler ist der Übergang von der Schule in das Ausbildungs- und später in das Erwerbssystem (erste und zweite Schwelle) eine schwierige, problematische und anspruchsvolle Herausforderung. Ziel des Forschungsprojekts ist es, unter Zuhilfenahme von quantitativen und qualitativen Methoden an allen Hauptschulen der Region Südniedersachsen zu untersuchen, mit welchen Einstellungen und Verhaltensweisen Schülerinnen und Schüler, die kurz vor dem Eintritt in den Arbeitsmarkt (erste Schwelle) stehen und eine Hauptschule besuchen, sich mit den an sie gestellten An- und Herausforderungen auseinandersetzen und welche subjektiven Zielsetzungen sie in ihrer biographischen Lebenswegplanung verfolgen.

Entwicklungsperspektiven von Kindern im Alter von 0 bis 6 Jahren im System der Familiären Bereitschaftsbetreuung (FBB) – Qualitätsstandards für die Erziehungsarbeit in FBB-Stellen:
Projektleitung: Prof. Dr. Hermann Veith, Nicki Gobrecht, M.A.

Das für Kinder und Jugendliche in Gefährdungslagen entwickelte Angebot der Familiären Bereitschaftsbetreuung (FBB) richtet sich vorrangig, wenngleich nicht ausschließlich, an Kinder im Alter zwischen 0 und 6 Jahren. Es zielt darauf ab, akut auftretende, das Kindeswohl bedrohende Konflikte in der Elternfamilie durch eine vorübergehende, pädagogisch verantwortliche Fremdunterbringung zu bearbeiten. Für Säuglinge und Kinder im Vorschulalter erscheint die Familiäre Bereitschaftsbetreuung deshalb von besonderem Vorteil, weil sie in der Aufnahmefamilie ersatzweise feste Bezugspersonen finden können, die ihnen über einen unbestimmten, aber befristeten Zeitraum hinweg rund um die Uhr persönliche Sicherheit und Zuwendung geben können. Damit ist die Familiäre Bereitschaftsbetreuung in diesem Bereich den Pflegeheimen überlegen. Ob die vorübergehende Fremdunterbringung, der im Rahmen der weiteren Hilfeplanung eine wichtige Klärungsfunktion zukommt, den kindlichen Entwicklungsprozess unterstützt, hängt entscheidend davon ab, wie es der aufnehmenden Familie gelingt, 1. die alltäglichen Interaktionspraktiken mit dem „Pflegekind“ verlässlich zu strukturieren, 2. anregende Entwicklungsgelegenheiten zu schaffen, 3. den Erziehungsprozess zu gestalten, 4. auftretende Krisen zu bearbeiten und 5. den „kleinen Gast“ in den eigenen Familienzyklus zu integrieren.

Zur erfolgreichen Auseinandersetzung mit diesen unterschiedlichen Anforderungen, benötigen die das Bereitschaftsbetreuungssystem vor Ort tragenden Personen pädagogische, weit über das Pflegerische hinausgehende Kompetenzen. Gleichzeitig sind die Jugendhilfestellen zur weiteren Qualitätsentwicklung auf Erkenntnisse einer wissenschaftlichen Praxis- und Begleitforschung angewiesen. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat im Jahr 2002 eine erste Bestandsaufnahme zur Familiären Bereitschaftsbetreuung vorgelegt. Darin werden bundesweit die Aktivitäten der Kommunen in diesem Arbeitsfeld beschrieben, quantitative Befunde zur familiären Betreuungsarbeit vorgestellt und professionelle Handlungsempfehlungen gegeben. Im Rahmen des Forschungs- und Transferprojekts bilden diese Erkenntnisse und Handlungsorientierungen den Ausgangspunkt für die Untersuchung der pädagogischen Arbeit der im System der Familiären Bereitschaftsbetreuung in der Region Südniedersachsen beschäftigten Stelleninhaber und ihrer Familien. Ziel ist es, die dabei gewonnenen neuen Einsichten, über den Abschlussbericht hinaus, über fortbildungsbezogene Transferangebote den Beteiligten zurück zu spiegeln.

Mercator-Sprachförderung – „Kompetenzen bilden!“
Projektleitung: Prof. Dr. Hermann Veith, Berlind Perske, M.A.

Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache stellen innerhalb des deutschen Schulsystems eine vergleichsweise große Gruppe dar. Im Landesdurchschnitt haben etwa 1/4 aller Schüler in Niedersachsen einen Migrationshintergrund (Ramm et al. 2004). Knapp die Hälfte dieses Viertels verständigt sich außerhalb der Schule nicht primär in der deut-schen Sprache. In Verbindung mit dem sozioökonomischen und dem soziokulturellen Status der jeweiligen Herkunftsfamilie sind die Bildungschancen dieser Kinder deutlich ungünstiger. Dementsprechend ist auch ihre Beteiligung an Bildungsgängen mit höheren Abschlüssen proportional deutlich geringer: Junge Migranten besuchen häufiger die Hauptschule und seltener das Gymnasium als deutsche Kinder und Jugendliche und sind im Vergleich zu ihren deutschen Altersgenossen insbesondere in der Sonderschule überrepräsentiert (Konsortium Bildungsberichterstattung 2006, 152).

Um in der Schule erfolgreich zu sein, sind Migrantenkinder ganz offenbar in besonde-rem Maße auf institutionelle Unterstützung angewiesen. Die in diesem Kontext unter-nommenen schulischen Fördermaßnahmen für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache zielen in der Regel darauf, den Lernprozess der Kinder zu unterstützen, in dem z.B. den Schulen zusätzliche Lehrerstunden für Intensivkurse in Deutsch zur Verfügung gestellt, besondere Mittel zum Erwerb spezifischer Lernmittel bereit gestellt oder besondere Förderklassen gebildet werden. Im internationalen Vergleich zeigt sich allerdings, dass die hier bisher unternommenen Maßnahmen nicht unbedingt dazu beigetragen haben, Migrantenkinder „schulisch optimal zu fördern“ (Herwartz-Emden 2003, S. 661). Auch im außerschulischen Bereich wird durch ein mittlerweile breites (und von Seiten der Migrantenkinder auch nachgefragtes) Angebot zur Hausaufgabenbetreuung und Sprachförderung versucht, die Lernschwierigkeiten der Schüler zu überwinden. Da diese Form der Betreuung jedoch sehr häufig über freie Träger organisiert wird, be-steht zumeist keine institutionelle und inhaltliche Verbindung zwischen nachmittäglicher Betreuung und schulischem Lernprozess der Kinder. Zudem steht bei den von sozialpädagogisch geschulten Kräften geleiteten Angeboten der Betreuungsaspekt stärker im Vordergrund, so dass eine individuelle und zielgerichtete Förderung bestehender Lernschwierigkeiten nur selten erfolgt.

Im Projekt „Kompetenzen bilden!“ werden in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Göttinger Schulen neue sprachbezogene Förderformate entwickelt (unter anderem auch ein überregionales Lerncamp). Dabei führen Lehramtsstudierende an verschiedenen Schulen und an verschiedenen Zentren (Nachbarschafts- und Familienzentren) langfristig mit Schülern (vorranging mit solchen mit Migrationshintergrund) Projekte zur Sprach- und Lesekompetenzförderung durch. Außerdem werden seit dem Sommersemester 2010 im Rahmen eines Hauptseminars „‚Kompetenzen bilden!‘ – Entwicklung und Durchführung eines Lerncamps zur Sprachförderung“ Ferienlerncamps mit projektartigen Angeboten zur Förderung von Sprachkompetenzen für Schüler/innen geplant. Das erste Lerncamp wird vom 11.-15. Oktober 2010 in Osterode am Harz mit Schüler/innen von zwei Grundschulen stattfinden.

Pädagogische Professionalität und qualitätsbewusste Kompetenzent-wicklung in der Lehrerausbildung
Projektleitung: Prof. Dr. Hermann Veith, Maria Schmidt B.A.

Nachdem im Umfeld der Veröffentlichung der ersten TIMMS- und PISA-Studien (1997, 2001) die Frage aufgeworfen wurde, ob die Lehrbildung an den Hochschulen den ver-änderten Anforderungen der schulischen Praxis hinreichend Rechnung trägt und die nächsten Lehrergenerationen im Laufe ihres Studiums die notwendigen Angebote und Gelegenheiten zum Erwerb grundlegender, die Lehrerarbeit bestimmender fachlicher, sozialer und personaler Kompetenzen erhalten würde (Oser/ Oelkers 2001), sind in den letzten Jahren begründete Zweifel laut geworden, ob diejenigen, die das Lehrer-studium mit Erfolg und Einstellungsperspektive abschließen, tatsächlich auch gute Lehrer werden (Brunner/ Kunter et al. 2006) und den bekanntermaßen hohen pragmatischen Ansprüchen der Lehrerarbeit gewachsen sind (Schaarschmidt 2004). Zusätzliche Brisanz erhalten die dazu vorliegenden Forschungsbefunde (Dauber/ Vollstädt 2004, Rauin/ Maier 2007), dadurch, dass in den nächsten 15 Jahren gut die Hälfte der derzeit im Schuldienst beschäftigten Lehrer aus Altersgründen ausscheidet. Ob die mit der Wiederbesetzung der Stellen verbundenen Schulentwicklungschancen genutzt werden können, hängt sicherlich auch vom fachlichen, didaktischen und pädagogischen Ausbildungsniveau der zukünftigen Junglehrer ab. Deshalb sollte eine langfristig angelegte Schulentwicklungs- und Personalplanung verstärkt in die Ausbildung, Qualifizierung und Fortbildung insbesondere der nachrückenden Lehrergeneration investieren. Ziel der Expertise ist es, diese Fragen vor dem Hintergrund der bildungstheoretischen und schulpädagogischen Diskussionen über die Qualität von Schule und Lehrerarbeit abwägend zu diskutieren und Empfehlungen für die Integration von Eignungs- und Kompetenzfeststellungsverfahren in eine noch stärker berufsfeld- und kompetenzorientierte, auf die persönlichen Voraussetzungen der Studierenden besser abgestimmten universitären Ausbildung zu geben.