Centre for Modern Indian Studies (CeMIS)

Centre for Modern Indian Studies (CeMIS)

Dr. Nathaniel Roberts vom CeMIS erhält den Bernard Cohn Preis der Association for Asian Studies

Der Religionsethnologe Dr. Nathaniel Roberts vom CeMIS hat für sein Buch "To Be Cared For: The Power of Conversion and the Foreignness of Belonging in an Indian Slum" (University of California Press, 2016) von der Association for Asian Studies den Bernard Cohn Preis 2018 erhalten. Das Buch beruht auf langjährigen Feldforschungen in den Slums von Chennai in Tamil Nadu (Südindien), in denen sich viele Dalit-Frauen (früher „Unberührbare“) lokalen Pfingstkirchen anschließen. Bei seiner Analyse der gesellschaftlichen Kontexte und Bedeutungen dieses Phänomens stellt Roberts sowohl gängige ethnologische Vorstellungen von Religion als „Kultur“ oder „Identität“ als auch das nationalistische indische Narrativ vom Christentum als „fremder“ Religion, die angeblich lokale Communities spalte, infrage. Er zeigt vielmehr, dass die Konversionen zum Christentum dazu beitragen, die lokale Slum-Community, die aus Christen und Hindus besteht, zusammenzuführen. Konversionen, so die Analyse von Roberts, eröffnen in einem nationalen Kontext, in dem Dalit zu Außenseiter im eigenen Land gemacht werden, die Möglichkeit, genau jene moralischen Bruchlinien zu thematisieren, durch die die Slumbewohner gespalten werden.


Dr. Stefan Binder vom CeMIS erhält den Gerardus van der Leeuw Preis 2018

Der Religionsethnologe Dr. Stefan Binder vom CeMIS hat den Gerardus van der Leeuw Preis 2018 von der Niederländischen Gesellschaft für Religionswissenschaft (Nederlands Genootschap voor Godsdienstwetenschap) für die innovativste und intellektuell am meisten anregende religionswissenschaftliche Dissertation erhalten. Darüber hinaus lobte die Jury, dass die Dissertation mit ihrer Kombination aus ethnographischem Material und theoretischen Diskussionen einen bedeutenden Beitrag zur Religionswissenschaft als Disziplin leiste. Stefan Binder, der an der Universität Utrecht promoviert wurde, zeige, dass die Religionswissenschaft von westlichen Konzepten durchsetzt sei und schlage überzeugende eine nicht-eurozentrische Epistemologie von Säkularität, Glauben und Nicht-Glauben vor. In ihrer ethnologischen Analyse einer organisierten, atheistischen Bewegung im Telugu-sprachigen Südindien geht die Dissertation intellektuellen Debatten, biographischen Narrativen, Praktiken mündlicher Propagierung, Familienideologien und Hochzeitspraktiken, sowie Programmen zur Überwindung von sogenanntem „Aberglauben“ und dem Kasten-„System“ nach.


Hohe Raten an Diabetes und Bluthochdruck in Indien

Internationales Forscherteam legt erste landesweit repräsentative Studie vor

Prof. Dr. Sebastian Vollmer und Michaela Theilmann vom CeMIS haben als Mitglieder eines internationalen Forscherteams der Universitäten Göttingen und Harvard sowie des Universitätsklinikums Heidelberg herausgefunden, dass in allen Regionen und gesellschaftlichen Gruppen Indiens die Menschen mittleren und höheren Alters hohe Raten an Diabetes und Bluthochdruck aufweisen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler legten die erste landesweit repräsentative Studie zu diesem Thema vor. Unerwartet waren insbesondere die hohen Raten an Bluthochdruck bei jungen Erwachsenen. Die Ergebnisse wurden in JAMA Internal Medicine, einer Zeitschrift der American Medical Association, veröffentlicht.

Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie sich das Vorkommen von Diabetes und Bluthochdruck in Indien zwischen den einzelnen Bundesstaaten, der Land- und Stadtbevölkerung und verschiedener soziodemografischer Merkmale wie Bildung und Wohlstand der Haushalte unterscheidet. Die dafür herangezogenen Gesundheitsdaten bestanden aus Plasmaglukose- und Blutdruckmessungen von rund 1,3 Millionen Erwachsenen aus ganz Indien zwischen 2012 und 2014.

Laut der Studie sind in Indien 6,1 Prozent der Frauen und 6,5 Prozent der Männer an Diabetes erkrankt, während 20 Prozent der Frauen und 24,5 Prozent der Männer an Bluthochdruck leiden. Zwischen den einzelnen Staaten unterscheiden sich die Raten stark, Wohlstand und Stadtlage wirken sich im Hinblick auf beide Krankheiten offenbar positiv aus. Bei den Erwachsenen unter 45 Jahren ist Bluthochdruck weiter verbreitet als erwartet: Die Raten liegen höher als in Mittel- und Osteuropa, wo man bislang die höchsten Raten bei jungen Erwachsenen vermutet hatte.

„Die Belastung durch Diabetes und Bluthochdruck in Indien ist deutlich größer als landläufig angenommen“, erläutert der Entwicklungsökonom Prof. Dr. Sebastian Vollmer von der Universität Göttingen. „Diese so genannten Wohlstandserkrankungen sind nicht nur bei uns, sondern zunehmend auch in Indien ein Problem. Leider sind die Gesundheitssysteme nur beschränkt auf diese neuen Belastungen vorbereitet.“

„Das Verständnis, wie sich das Auftreten von Diabetes und Bluthochdruck in einem so großen Land wie Indien unterscheidet, ist entscheidend für die aktive Prävention, Früherkennung und Behandlung dieser Krankheiten“, erklärt der Erstautor der Studie, Dr. Pascal Geldsetzer von der Harvard University. Prof. Dr. Dr. Till Bärnighausen, Direktor des Instituts für Public Health am Universitätsklinikum Heidelberg, fügt hinzu: „Es sind erhebliche Investitionen notwendig, um die gesundheitlichen und sozialen Folgen dieser Epidemie abzuwenden.“

In Indien lebt etwa ein Sechstel der gesamten Weltbevölkerung. Das Land befindet sich mitten in einem epidemiologischen Übergang: Der Anteil nicht übertragbarer Krankheiten ist in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen und wird sich durch Alterung der Bevölkerung und Urbanisierung weiter vergrößern. Währenddessen weisen viele Gegenden Indiens nach wie vor erhebliche Belastungen durch Infektionskrankheiten und schlechte Mutter-Kind-Gesundheit auf.

Originalveröffentlichung: Pascal Geldsetzer, MBChB; Jennifer Manne-Goehler, MD; Michaela Theilmann, BA; Justine I. Davies, MD; Ashish Awasthi, PhD; Sebastian Vollmer, PhD; Lindsay M. Jaacks, PhD; Till Bärnighausen, MD; Rifat Atun, FRCP (2018) Diabetes and Hypertension in India: A Nationally rep-resentative Study of 1.3 Million Adults. JAMA Internal Medicine. Doi: 10.1001/jamainternmed.2017.8094.

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