Arbeitswissenschaft und Verfahrenstechnologie

Arbeitswissenschaft und Verfahrenstechnologie

(Department of Forest Work Science and Engineering)

Prof. Dr. Dirk Jaeger

Die Abteilung befasst sich mit Forschung und universitärer Lehre in den Bereichen forstlicher Arbeitswissenschaft und forstlicher Verfahrenstechnik. Dabei geht es um die Analyse, Bewertung und Gestaltung von Produktionsprozessen und Produktionssystemen zur nachhaltigen Bewirtschaftung und Nutzung von Wald und Landschaft unter besonderer Berücksichtigung der im Arbeitsprozess beteiligten Menschen. Die Arbeitswissenschaft und Verfahrenstechnologie tragen somit zur erfolgreichen Umsetzung von Landnutzungs- und Forstplanungszielen bei. Insgesamt besteht die Zielsetzung, die erforderlichen Prozesse und Systeme nicht nur ressourceneffizient, ergonomisch und arbeitssicher sondern auch sozial- und umweltverträglich zu gestalten.

Forschung
Neben der Analyse ergonomischer und technischer Aspekte forstlicher Arbeitssysteme gewinnen zunehmend Beurteilungen der Umweltfolgen von mechanisierten Arbeitssystemen, besonders von Kranvollerntern (Harvestern) und Kranrückezügen (Forwardern) an Bedeutung. Dazu zählen insbesondere Interaktionen zwischen den Fahrwerken von Forstmaschinen und dem Boden. Hier hat die Abteilung eigene Messtechnik entwickelt, die die Analyse des statischen und dynamischen Kontaktflächendrucks unterschiedlicher Bereifungen ermöglicht.

Aktuelle Projekte befassen sich mit der Digitalisierung in der Forstwirtschaft und ihren Potenzialen bei der Verbesserung des Daten- und Materialflusses zwischen den Akteuren der Forst-Holz-Bereitstellungskette. Dabei geht es auch um die technischen Grundlagen zur Schaffung neuer Geschäftsmodelle in der Forstwirtschaft. Ein weiterer Aspekt aktueller Forschung beruht auf der Entwicklung von Walderschließungskonzepten zur Anpassung an Klimawandelbedingungen. Dazu zählen auch Untersuchungen zur vorausschauenden Abschätzung des Befahrungsrisikos von Waldböden unter Berücksichtigung des Bodenwassergehaltes und aktueller Witterungsbedingungen. International werden in Projekten in Brasilien pflegliche Holz-Bereitstellungsketten für den Mata Atlantica, in Mexiko zur nachhaltigen Energieholzbereitstellung und in Kanada zur zeitlichen Dauer von Befahrungsschäden untersucht.

Lehre
Ziel der Lehrveranstaltung „Holzernteverfahren“ innerhalb des Bachelorstudienganges ist es, die Studierenden mit Konzepten zur Planung, Durchführung, Monitoring und Qualitätskontrolle innerhalb der sekundären (technischen) Produktion im Wald vertraut zu machen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf möglichen Bereitstellungsprozessen für Waldholz unter Berücksichtigung der erforderlichen Einsatzbedingungen. Die Studierenden sollen auf diese Weise nicht nur in die Lage versetzt werden, geeignete Arbeitsverfahren in Abhängigkeit von Gelände-, Standort- und Bestandesverhältnissen zu identifizieren und die Kosten für die Holzbereitstellung zu kalkulieren, sondern unterschiedliche Verfahren auch hinsichtlich der Arbeitssicherheit und ihrer ökologischen Auswirkungen beurteilen können. Einen zweiten Schwerpunkt im Grundstudium bildet die Walderschließung, welche die Grundlage und den ersten Schritt einer geregelten Waldbewirtschaftung darstellt. Dabei befassen sich die Studierenden mit aktuellen Konzepten zur Analyse von Erschließungssystemen im Wald zusammen mit Planungsverfahren für Basis- und Feinerschließung sowie deren Umsetzung. Zusätzlich werden Organisationkonzepte für die Wegeerhaltung entwickelt.
Im Masterstudium werden Themen aus den Bereichen der Verfahrenstechnik insbesondere im Vertiefungsschwerpunkt „Forstbetrieb und Waldnutzung“ behandelt, der unter anderem auf eine Führungstätigkeit im Forstbetrieb vorbereitet. Verfahren zur nachhaltigen Bereitstellung von Rundholz stehen auch im Mittelpunkt der Lehrveranstaltung im Studiengang Tropische und Internationale Forstwirtschaft. Ebenso können Studierende anderer Schwerpunkte ihre Kenntnisse im Bereich Arbeitswissenschaft, Holzernte und Forsttechnik in verschiedenen Wahlmodulen vertiefen. Hierbei kommt den von der Abteilung in Zusammenarbeit mit den forstlichen Bildungszentren der Landesforstverwaltungen besonders in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen durchgeführten Außenseminaren für praktische Fallstudien eine große Bedeutung zu.