Klimaeinfluss auf die interannuelle Variabilität von bewässerten Flächen in Europa - Artikel in Communications Earth & Environment
03.10.2024: In einem heute in der Zeitschrift Communications Earth & Environment veröffentlichten Artikel haben Wanxue Zhu und Stefan Siebert analysiert wie sich der Wechsel von trockenen und feuchten Jahren auf die Ausdehnung bewässerter Flächen in Europa auswirkt. Während es klar ist dass in trockenen Jahren der Bewässerungswasserbedarf pro Hektar bewässerter Fläche höher ist als in nassen Jahren, gibt es wenig Informationen dazu ob auch die bewässerte Fläche größer ist und falls ja, wie viel größer. Für die meisten Regionen in Europa gibt es dazu auch keine Daten, da Statistiken zur bewässerten Fläche nur in den Agrarstrukturerhebungen gesammelt werden, die alle 3-4 Jahre durchgeführt werden. Auf Grund der fehlenden Daten verwenden die meisten großräumig angewandten Modelle daher eine statische Landnutzung oder bilden bestenfalls langjährige Trends in der bewässerten Fläche ab, nicht jedoch die Variabilität zwischen den Jahren. Dies kann zu einer Unterschätzung der Bewässerungswasserbedarfes in Trockenjahren führen.
In der aktuellen Studie wurde mit dem Modell GCWM der Bewässerungsbedarf in Europa für 26 Kulturen im Zeitraum 1990-2020 in hoher Auflösung mit statischer Landnutzung berechnet und daraus ein Dürreindikator abgeleitet. Dann wurde mittels der vorhandenen Daten für die europäischen NUTS2-Regionen überprüft ob der Anteil der Fläche mit Bewässerungsinfrastruktur, der tatsächlich in den einzelnen Jahren bewässert wurde, korreliert ist mit dem Dürreindikator. Die für jede NUTS-Region abgeleitete Beziehung zwischen dem Dürreindikator und dem Bewässerungsanteil wurde dann genutzt um bewässerte Fläche in Abhängigkeit vom Dürrestatus flächendeckend zu schätzen und damit die Datenlücken in den Zeitreihen zu füllen.
Es wurde herausgefunden dass in den meisten Regionen Europas Dürrestatus und bewässerte Fläche positiv korreliert sind, d.h. dass die bewässerte Fläche in trockenen Jahren größer ist. Es gibt aber auch Länder, wie z.B. Spanien, in denen die bewässerte Fläche in trockenen Jahren geringer ist, was mit Einschränkungen in der Bewässerungswasserversorgung begründet werden könnte. Im analysierten Zeitraum 1990-2020 war die Gesamtbewässerungsfläche in Europa am höchsten im Trockenjahr 2018 und am geringsten in den feuchten Jahren 2002 und 2014 (siehe Abbildung). Welche Auswirkungen diese Variabilität der bewässerten Flächen auf Bewässerungswassernutzung und regionales Klima hat ist Gegenstand aktueller Forschung im Sonderforschungsbereich DETECT.

Anomalien in der bewässerten Fläche (links) und Dürrestatus (rechts) in den Jahren 2014 (oben) und 2018 (unten). Eine negative Anomalie bedeutet geringere Bewässerungsfläche, positive Anomalien höhere Bewässerungsfläche. In den meisten Regionen Europas ist die bewässerte Fläche in trockenen Jahren (braun) größer als in feuchten Jahren (grün).
Weitere Informationen:
Anprechpartner(innen) in der Abteilung Pflanzenbau:
- Prof. Dr. Stefan Siebert, Tel. 0551-39-24359, stefan.siebert@uni-goettingen.de
- Wanxue Zhu, Tel. 0551-39-24361, wanxue.zhu@agr.uni-goettingen.de