Ethnologische Sammlung
Die Ethnologische Sammlung entstand innerhalb des 1773 gegründeten Academischen Museums der Universität. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie auch administrativ eine eigenständige Einheit. Der ethnologische Fachunterricht begann in Göttingen 1928. Ein ausführlicher Text zur Sammlungsgeschichte bis in die Gegenwart (2024) findet sich hier. Eine umfassende Darstellung der ersten gut 150 Jahre der Sammlung ist hier abrufbar.
Am Institut für Ethnologie und der Ethnologischen Sammlungen haben neben den Arbeiten der Sammlungsmitarbeitenden eine Reihe von Drittmittel finanzierten Provenienzforschungsprojekten stattgefunden. Hierzu zählen:
- „Auf den Spuren von NS-Raub- und Beutegut in der Bibliothek des Instituts für Ethnologie der Georg-August-Universität Göttingen“ (Förderung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Antrag Dr. Gundolf Krüger, wissenschaftliche Mitarbeiterin Beate Hermann).
- „Erwerbswege im Licht neuer Provenienzrecherchen. Die Ethnologische Sammlung der Georg-August-Universität Göttingen von 1933 bis 1958“ (Förderung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Antrag Prof. Dr. Roman Loimeier, wissenschaftliche Mitarbeiterin Beate Hermann).
- „Tjurungas in der Ethnologischen Sammlung der Georg-August-Universität Göttingen“ (Förderung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Antrag Dr. Michael Kraus, wissenschaftliche Mitarbeiterin Josefine Neef).
- „Verdachtsmomente des 'Heiligen' – Objekte aus Australien in der Ethnologischen Sammlung Göttingen“ (Förderung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Antrag Dr. Michael Kraus, wissenschaftliche Mitarbeiterin Josefine Neef).
- „Die neue Brisanz alter Objekte – Erschließung unbearbeiteter Konvolute in der Ethnologischen Sammlung der Georg-August-Universität Göttingen“ (Förderung zukunft.niedersachsen, ehemals Niedersächsisches Vorab, Antrag Dr. Michael Kraus, wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Ndzodo Awono).
- „Kolonialzeitliche Sammlungen aus Indonesien in Niedersachsen“ (Förderung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Antrag Museumsverband für Niedersachsen und Bremen e. V., im Verbund mit acht niedersächsischen Einrichtungen, u.a. der Ethnologischen Sammlung Göttingen, wissenschaftliche Mitarbeiterin Roberta Zollo).
Seit 2018 ist die Ethnologische Sammlung Projektpartner im niedersächsischen Provenienzforschungsverbund PAESE.
Bestandsverzeichnisse zur Sammlung wurden zwischen 1988 und 1993 in gedruckter Form erstellt und sind seitdem öffentlich zugänglich. 2019 wurden Scans dieser Verzeichnisse zum freien Download auf die Homepage der Ethnologischen Sammlung gestellt. Dort finden sich auch Links zu Online-Datenbanken, in denen Datensätze zu Objekten aus der Sammlung abrufbar sind.
Ein Überblick über den Umgang von Verantwortlichen der Ethnologischen Sammlung mit Rückgabeforderungen seit den 1970er Jahren findet sich hier. Im gleichen Band finden sich auch Beispiele für Provenienzforschungen und Kooperationsprojekte.
In den letzten Jahren waren in der Sammlung Gäste u.a. aus Kamerun, Tansania, Papua-Neuguinea, Neuseeland, Fidschi und Venezuela zu gemeinsamen Sichtungen und Arbeiten zu Besuch.
Informationen zu Aktivitäten der Sammlung, darunter Kooperationen, Besuche, Forschungsprojekte und Publikationen zur kolonialkritischen Aufarbeitung von Sammlungsbeständen, finden sich weiterhin hier.
Themen wie Kolonialismus, Rassismus und Provenienzforschung werden in ethnologischen Lehrveranstaltungen regelmäßig aufgegriffen. Dies geschieht in Einführungsmodulen, in thematischen Lehrangeboten, in Vorlesungsreihen (wie z.B. „Decolonizing Anthropology“ im Wintersemester 2023/24) oder in den online zugänglichen Lehreinheiten zur museumsethnologischen Praxis. Provenienzforschungen werden auch im Rahmen von Bachelor- und Masterarbeiten durchgeführt. Besonders gute Arbeiten werden in der Reihe GISCA Occasional Papers publiziert.
Die Ethnologische Sammlung fungiert auch als Leihgeber für Ausstellungsprojekte, in denen die genannten Themenbereiche aufgegriffen werden (z.B. „Rassismus. Die Erfindung von Menschenrassen“, Deutsches Hygienemuseum, Dresden, 2018/19, „Göttingen kolonial. Von 1874 bis 1945“, Städtisches Museum, Göttingen, 2024/25).
2016 erfolgte die Restitution von mehr als 300 Objekten nach Łódź (Polen). Die Gegenstände waren im Zweiten Weltkrieg während der deutschen Besatzung Polens nach Deutschland gelangt.
2020 erfolgte die Repatriierung von zwei Toi Moko (tätowierte und mummifizierte Schädel, tūpuna, ancestral remains) an die zuständigen Personen des Karanga Aotearoa Repatriation Programme im Te Papa Tongarewa Museum in Wellington, Neuseeland. Ein kurzes Video zur Rückgabezeremonie mit Erklärungen der verantwortlichen Māori findet sich hier.
Auf Antrag des Instituts für Ethnologie und der Ethnologischen Sammlung beschloss das Präsidium der Universität 2021 die Rückgabebereitschaft zur in der Sammlung aufbewahrten „Benin-Bronze“.
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