Göttinger Vorträge WS 19/20


29.01.2020
Prof. Dr. Manfred Kern (Germanistik, Salzburg)
Noten zur Liebe – Poetische
Entgrenzung und Kulturmacht in Gottfrieds Tristan und Isold

15.01.2020
Prof. Dr. Peter Orth (Lateinische Philologie des Mittelalters, Köln)
Prüfe noch die Alexandreis!
Petrarca und die Renaissance des 12. Jahrhunderts

04.12.2019
Dr. Jörg Voigt (Deutsches Historisches Institut Rom)
Prof. Dr. Jörg Bölling (Geschichte, Hildesheim)
Sehnsuchtsort Rom. Zum Forschungspotential der kurialen Quellen in
Spätmittelalter und Früher Neuzeit

Preisverleihung 26. Oktober 2019: Maren Elisabeth Schwab, ehemalige Doktorandin am ZMF, erhält den Dissertationspreis des Universitätsbundes 2018. Frau Schwab ist auch im Rahmen des Göttinger DFG-Graduiertenkollegs ‚Expertenkulturen des 12. bis 18. Jahrhunderts‘ gefördert worden. Ihre Dissertation erscheint unter dem Titel "Antike begreifen. Antiquarische Texte und Praktiken in Rom von Francesco Petrarca bis Bartolomeo Marliano" in der renommierten Reihe Quellen und Untersuchungen zur Lateinischen Philologie des Mittelalters. statt.

06.-08.03.2018: Interdisziplinäre mediävistische Tagung ‚Literarische Dedikationen im Mittelalter (500-1500).‘
06.-07.07.2018: Interdisziplinärer Workshop ‚Register des Religiösen. Heiligkeitsentwürfe im Spannungsfeld von Mystik und Legendarik‘

Göttinger Streitgespräche SS 2019


22.05.2019
Der einflussreiche Gelehrte al-Ghazali (gest. 1111), das Schicksal der islamischen Philosophie und die Modernisierung nahöstlicher Gesellschaften
Prof. Dr. Lutz Berger (Islamwissenschaft, Kiel)
Prof. Dr. Frank Griffel (Islamwissenschaft, Yale)
Moderation: Prof. Dr. Sebastian Günther (Islamwissenschaft, Göttingen)

05.06.2019
Alternative Fakten? Alltagskultur vs. Kanon in der Musik(geschichtsschreibung)
Prof. Dr. Frank Hentschel (Musikwissenschaft, Köln
Frau Prof. Dr. Irmgard Scheitler (Germanistik, Würzburg)
Moderation: Prof. Dr. Andreas Waczkat (Musikwissenschaft, Göttingen)

26.6.2019
Inhumaner Humanismus? Debattenkultur im Gelehrtenmilieu des 15. Und 16. Jahrhunderts
Prof. Dr. Thomas Haye (Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit, Göttingen)
Prof. Dr. Thomas Kaufmann (Kirchengeschichte, Göttingen)
Moderation: Clemens Cornelius Brinkmann M.A., M. Ed. (Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit, Göttingen)

14.-15. Juni 2019
Mediävistischer Workshop zum Thema "Queer reading als Textkompetenz. Überlegungen zur Neuperspektivierung eines Forschungsparadigmas" am Seminar für Deutsche Philologie. Veranstaltet von Seminar für Deutsche Philologie.

12.-15. März 2019
Interdisziplinäre Göttinger Tagung zum Thema „vita perfecta? Formen der Aushandlung divergierender Ansprüche an ein religiöses Leben“. Organisiert von Daniel Eder, Henrike Manuwald und Christian Schmidt.


Göttinger Vorträge WS 2018/19


07.11.2018
‚Das Archiv von Simancas im 16. Jahrhundert. Ein Ort des Wissens?‘
Prof. Dr. Arndt Brendecke (Geschichte der Frühen Neuzeit, München)

28.11.2018
‚Anthropologische Übersetzung. Ovids Schöpfungserzählungen in
Mittelalter und Früher Neuzeit‘
Prof. Dr. Regina Toepfer (Germanistik, Braunschweig)

23.01.2019
‚Falscher Schein. Religiöse Polemiken und Alteritätskonstruktionen im
Inneren des hochmittelalterlichen Christentums‘
Prof. Dr. Sita Steckel (Geschichte, Münster)


Göttinger Streitgespräche SS 2018


20.06.2018
‚Der Idiot der Geschichte. Gab es im Mittelalter eine spezifische Laienkultur?‘
Prof. Dr. Cathérine König-Pralong (Philosophie/Freiburg/Br.)
Prof. em. Dr. Berndt Hamm (Kirchengeschichte /Erlangen)
Moderation: Prof. Dr. Henrike Manuwald (Germanistische Mediävistik/Göttingen) und Herr Prof. Dr. Frank Rexroth (Geschichte/Göttingen)

0.4.7.2018
‚Zwischen Größenwahn und l’art pour l’art. Renommierprojekte in Kunst und Wissenschaft‘
Prof. Dr. Eberhard Knobloch (Wissenschaftsgeschichte, Berlin)
Prof. Dr. Christian Freigang (Kunstgeschichte, Berlin)
Moderation: Dr. Arthur Kuhle (Geschichte, Göttingen)

11.07.2018
‚Provenienzforschung - Fluch oder Segen für unsere Museen?‘
Prof. Dr. Christoph Zuschlag (Kunstgeschichte/Provenienzforschung, Bonn)
Prof. Dr. Antoinette Maget Dominicé (Kunstgeschichte, München)
Moderation. Prof. Dr. Manfred Luchterhandt (Kunstgeschichte, Göttingen)


Interdisziplinäre Göttinger Tagung gem. mit dem Graduiertenkolleg ‚Expertenkulturen des 12. Bis 18. Jahrhunderts‘: 26.-27.01.2018: ‚Über Tanz sprechen. Semantiken und Funktionen von Tanz im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit‘


Außer der Reihe: WS 2017/18 Göttinger Streitgespräche
01.11.2017
'Die ich rief, die Geister...' Von der Verantwortung der 'Germanistik' für ihre Erfindung
Prof. Dr. Hans-Werner Goetz (Mittelalterliche Geschichte, Hamburg)
Dr. Niels Penke (Germanistik, Siegen)
Prof. Dr. Julia Zernack (Skandinavistik, Frankfurt/M.).


Göttinger Vorträge WS 2017/18


22.11.2017
Staunen in Mittelalter und Früher Neuzeit. Episteme – Ästhetik – Poetik.
Prof. Dr. Mireille Schnyder (Germanistik, Universität Zürich)

13.12.2017
Zur kulturellen Codierung von Hautfarben in der frühen Neuzeit.
Prof. Dr. Peter Burschel (Kulturgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Göttingen/Direktor der HAB Wolfenbüttel)


Göttinger Streitgespräche SS 2017


10.05.2017
'Die ich rief, die Geister...' Von der Verantwortung der 'Germanistik' für ihre Erfindung
Prof. Dr. Hans-Werner Goetz (Mittelalterliche Geschichte, Hamburg)
Dr. Niels Penke (Germanistik, Siegen)
Prof. Dr. Julia Zernack (Skandinavistik, Frankfurt/M.)

28.06.2017
Wer falsch spricht, denkt falsch. Warum Antike, Mittelalter und Neuzeit in die Wissenschaftsgeschichte gehören.
Prof. Dr. Bernhard Jussen (Mittelalterliche Geschichte, Frankfurt/M.)
Prof. Dr. Thomas Kaufmann (Kirchengeschichte, Göttingen)
Prof. Dr. Thomas Haye (Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit, Göttingen)

11.08-12.08.2017: Göttinger Workshop ‚Editionsphilologische Fragen beim Umgang mit mittel- und neulateinischen Texten‘


Göttinger Vorträge WS 2016/17


07.12. 2016
Prof. Dr. Karl A. E. Enenkel, Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit, Münster.
Europa zwischen geographisch-philologischer Konstruktion und politischer Misere: Enea Silvio Piccolominis "De Europa"

18.01. 2017
Prof. Dr. Sigrid Hirbodian, Geschichte, Universität Tübingen.
„Die Ehre der geistlichen Frauen. Ein Skandal im Straßburger Klarissenkloster 1411 und dessen Bewältigung“.

25.01. 2017
Prof. em. Dr. Doris Ruhe, Romanistik, Universität Greifswald.
‚Il n'est paradis fors deniers Ökonomische Perspektiven in den Fabliaux‘.


Göttinger Streitgespräche SS 2016


01.06.2016
Editionen - ein Auslaufmodell?
Prof. Dr. Elke Goez (Monumenta Germania Historica, München)
Prof. Dr. Jochen Johrendt (Mittelalterliche Geschichte, Wuppertal)
Prof. Dr. Frank Rexroth Mittelalterliche Geschichte, Göttingen)
Moderation: Dr. Timo Kirschberger/PD DDr. Jörg Bölling (beide Mittelalterliche Geschichte,Göttingen)

08.06.2016
Spätmittelalterliche Religion als Wirtschaft?
Prof. Dr. Annette Kehnel (Mittelalterliche Geschichte, Mannheim)
PD. Dr. Philipp R. Rössner (Geschichte der Frühen Neuzeit, Manchester)
Prof. Dr. Andreas Meyer (Mittelalterliche Geschichte, Marburg)
Moderation: Dr. des. Lukas Wolfinger (Lateinische Philologie des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Göttingen)

22.06.2016
Offene Zukunft in der Vormoderne?
Prof. Dr. Achim Landwehr (Geschichte der Frühen Neuzeit, Düsseldorf)
Prof. Dr. Stefan Brakensiek (Geschichte der Frühen Neuzeit, Duisburg)
PD. Dr. Doris Gerber (Philosophie, Tübingen)
Moderation: Prof. Dr. Marian Füssel (Geschichte der Frühen Neuzeit, Göttingen)


Göttinger Vorträge WS 2015/16


11.11.2015
Medizinischer Buchmarkt
Dominique Brancher (Romanistik, Basel)

16.12. 2015
Zwischen Orient und Okzident: Die Übersetzerschule von Toledo
Dag Nikolaus Hasse (Geschichte der Philosophie, Würzburg)

27.01.2016
Bemerkungen zur Geschichte der religiösen Gewalt im Mittelalter
Dorothea Weltecke (Geschichte der Religionen, Konstanz)


Streitgespräch am 15.07.2015
Persönlich, privat, individuell? Die Frömmigkeit des Einzelnen im Mittelalter
(Amalie Fößel, Gabriela Signori, Thomas Noll; Moderation: Katharina Ulrike Mersch)


Über das Individuum und das Individuelle im Mittelalter, das Private oder Persönliche im Unterschied zum Öffentlichen und Repräsentativen wurde in den letzten Jahrzehnten viel gestritten, und bis heute wird die Debatte lebhaft und kontrovers geführt. Hierbei spielt die ?persönliche Frömmigkeit?, die auch als ?private? beziehungsweise "individuelle Frömmigkeit" oder "Privatfrömmigkeit" bezeichnet wird, eine bedeutende Rolle. So vielfältig die Benennungen dieses Phänomens sind, so vielfältig ist das Verständnis davon, was als persönlich, individuell oder privat zu begreifen ist.
Drei ExpertInnen auf dem Feld der mittelalterlichen Frömmigkeits- und Religiositätsgeschichte diskutieren aus der Perspektive der Kunstgeschichte und der Geschichtswissenschaft über die Konturen des Begriffs und Erscheinungsformen des Phänomens der ?persönlichen Frömmigkeit? sowie über seine Verwandtschaft zu anderen Aspekten der Frömmigkeitsgeschichte.
Programm


Streitgespräch am 01.07.2015
Ökumene vor 800 Jahren? Das Vierte Laterankonzil (1215)
(Martin Ohst, Jochen Johrendt, Jörg Bölling; Moderation: Hedwig Röckelein)


Das Vierte Laterankonzil des Jahres 1215 gilt als die einflussreichste Kirchenversammlung des Mittelalters. Viele Regelungen wirken bis heute nach. Dem eigenen Anspruch nach war es ein ?Ökumenisches Konzil? ? ganz so wie die ersten, von der gegenwärtigen Ökumenischen Bewegung immer wieder bemühten Konzilien der Spätantike. Doch kann davon die Rede sein, wo doch auf diesem Konzil nur lateinische, keine autokephalen Patriarchen des Ostens teilnahmen, die Inquisition und die Verfolgung Andersgläubiger wie Katharer und Waldenser beschlossen wurde und man sogar eine äußere Kennzeichnungspflicht für Juden und Muslime erließ? Handelt es sich ? wenn überhaupt ? um eine erzwungene ?Ökumene?, die diesen Namen nicht verdient oder die bereits ihrem Anspruch nach als kontrafaktisch zu gelten hat?


Internationale Tagung 18.-20. Juni 2015


PALATIUM SACRUM
Sakralität am Hof des Mittelalters
Orte ? Dinge ? Rituale
Programm


Streitgespräch am 17.06.2015
Mein bester Feind. Brauchen die humanistischen Fächer die Naturwissenschaften?
(Matthias Roick, Thomas Brunotte, Thomas Stäcker; Moderation: Martin van Gelderen)



Seit Jahren zeigen sich immer mehr Berührungspunkte zwischen Geistes- und Naturwissenschaften. Aber brauchen die humanistischen Fächer tatsächlich die Naturwissenschaften? Sicherlich gibt es Möglichkeiten, die verschiedenen Wissenschaftskulturen einander anzunähern. So bringt z.B. die Emotionsforschung eine Geschichte der Emotionen mit neueren Studien aus den Neurowissenschaften zusammen; großangelegte Digitalisierungsprojekte und elektronische Editionen bemühen neueste Techniken der Texterfassung und -erkennung. Die Frage bleibt jedoch, inwiefern diese Entwicklungen den humanistischen Fächern letztlich zugute kommen. Spricht für diese Zuwendung tatsächlich die Notwendigkeit, den humanistischen Fächern neue Horizonte zu eröffnen? Können umgekehrt die Geisteswissenschaften zu einem besseren Verständnis der Naturwissenschaften beitragen? Oder handelt es sich um vorwiegend gesellschaftspolitische Entscheidungen, die sich aus der Dominanz der Naturwissenschaften ergeben? Welche Methoden sollen zur Anwendung kommen? Gibt es eine Art Mittelweg zwischen Geistes- und Naturwissenschaften, eine ?third science??
Programm

Vortrag am 21.01.2015


Was ist ein Klassiker? Mittelalterliche Antworten auf eine nicht gestellte Frage
(Carmen Cardelle de Hartmann, Zürich)

Die Frage nach dem Wesen eines Klassikers, nach den Eigenschaften, die ein Werk überhaupt zum Klassiker machen, kommt der Frage nach der Literatur und ihrer Wirksamkeit gleich. In Latein, der Sprache der theoretischen Reflexion, findet sich im Mittelalter ein Begriff für Klassiker ebenso wenig wie ein Begriff Literatur. Trotzdem gab es Werke, deren Lektüre nicht aus moralischen Gründen oder Nützlichkeitserwägungen gerechtfertigt wurde. Vor allem bei der Auswahl heidnischer Vorbilder, die imitiert wurden, lassen mittelalterliche Autoren erkennen, dass sie in ihnen weitere Qualitäten erkannten. Die Aussagen dreier mittelalterlicher Autoren (Roswitha von Gandersheim, Walter von Châtillon und Alanus von Lille) zeigen Berührungspunkte mit denjenigen von drei Autoren des 20. und des 21. Jh.s, die sich die Frage nach den Eigenschaften eines Klassikers gestellt haben: T.S. Eliot, Jorge Luis Borges und J. M. Coetzee. Dies weist nicht auf eine direkte Abhängigkeit hin, sondern auf die Langlebigkeit der Vorstellungen von Literatur in der westlichen Kultur.


Vortrag am 07.01.2015


Die Autographen der Borgia
(Claudia Märtl, München)

Gegenstand des Vortrags sind die Autographen Alexanders VI. (Rodrigo Borgia, Papst 1492-1503) und der vier Kinder (Caesar, Joan, Lucrezia, Jofre), die er mit Vannozza Cattanei hatte. Die schwarze Legende, die sich um die Familie rankte, führte dazu, dass bereits um die Mitte des 19. Jh. eigenhändige Schreiben in der Forschung Beachtung fanden, und zwar mit weitem Abstand zuerst die Schreiben der Lucrezia. Mit eigenhändigen Schriftstücken der Lucrezia hatte bereits ihr zeitgenössischer Verehrer Pietro Bembo ?einen Kult? betrieben. Einzelne Briefe, Briefteile und Unterschriften wurden häufig abgebildet, doch gibt es keinen Überblick zur Überlieferung autographer Schreiben der Borgia. Die Editionslage ist disparat; eine angekündigte Edition der katalanischen Briefe ist nicht zustande gekommen. Der interessanteste Komplex an Autographen ist durch Überlieferungszufall aus den Jahren 1493-1494 im Kathedralarchiv in Valencia und im Vatikanischen Archiv erhalten. Sie sind vor allem für Alexander VI. selbst aufschlussreich, da sie ungewöhnliche Facetten päpstlichen Schreibens illustrieren (eigenhändige Unterschriften bzw. Signaturvermerke auf Konsistorialurkunden, Suppliken und Motu proprio-Schreiben sind wie üblich von ihm geleistet worden, doch wenig überraschend). Diese Archivalien zeugen exemplarisch von der Verbreitung eigenhändigen Schreibens in den Führungsschichten am Ende des 15. Jh.

Die Familie Borgia schreibt in verschiedenen Sprachen (von Vannozza Cattanei sind entgegen bisheriger Meinung keine Autographen erhalten). Die männlichen Familienmitglieder ver- wenden untereinander stets das Katalanische; der Briefwechsel mit Lucrezia Borgia ist auf Italienisch gehalten (erst in späteren Jahren verwendete diese im Briefverkehr mit Pietro Bembo auch das Kastilische). Alexander VI. legte Wert darauf, eigenhändige Schreiben zu bekommen. Von ihm selbst sind Briefkonzepte, Briefe (Breven) und politische Notizen erhalten. Er gebrauchte je nach Textsorte unterschiedliche Kursiven. Häufig scheint er selbst einen Entwurf gemacht zu haben, der von Sekretären in Reinschriften übertragen wurde, an deren Kopf der eigenhändige Vermerk Alexander papa VI. manu propria steht. Außerhalb der Familie schrieb er eigenhändig an Fürsten, um Nähe oder Nachdruck zu signalisieren; er manipulierte auch das eigenhändige Schreiben anderer, um Druck auszuüben.

Die Schriften von Caesar und Joan Borgia sind einander ähnlich (gleicher Schreiblehrer?, iberischer Einfluss), der erst 12jährige Jofre hingegen schreibt eine recht brave humanistische Kursive. Caesar unterzeichnet nach seiner Rückkehr in den Laienstand seine Briefe offenbar stets selbst, wobei er eine bemerkenswert stilisierte Unterschrift verwendet (möglicherweise erdacht von seinem Sekretär Agapytus Geraldini, nach dem Vorbild der Unterschrift französischer Könige?). Im Gegensatz zu den kursiven Schriften ihrer Brüder setzt Lucrezia Borgia die Buchstaben getrennt aufs Papier; ihre Schrift macht den Eindruck, als habe sich bei ihr der Schreibunterricht mit geringerer Kunstfertigkeit begnügt. Der schon von Ferdinand Gregorovius konstatierte wechselnde und teils recht grobe Eindruck ist vermutlich auf Gesundheitsschwankungen zurückzuführen (frühe Nachrichten über zeitweise Behinderung eines Armes).


Vortrag am 26.11.2014


Christine de Pizan und Giovanni Boccaccio. Lektürepraktiken und Kulturtransfer um 1400 (Margarete Zimmermann, Berlin)

Christine de Pizan (ca. 1365-ca. 1430) bezeichnet sich in zahlreichen autoreferentiellen Textpassagen als eine unersättlich-begierige Leserin mit einem fast physischen Verlangen nach Büchern, und sicher nicht zufällig beginnt ihre um 1404/05 verfasste Cité des Dames mit einer Selbstinszenierung als Lesende in ihrer Studierstube und Bibliothek. Wie ihre Bibliothek im Einzelnen bestückt ist, verrät sie indes nicht; wir können jedoch davon ausgehen, dass Boccaccio dort mit mehreren Werken vertreten war.

In diesem Vortrag geht es zunächst um die Rolle dieser franko-italienischen Autorin als passeur culturel, vor dem Hintergrund der Präsenz von Boccaccios Werken im Frankreich des XV. Jahrhunderts, in ihrer italienischen bzw. lateinischen Originalfassung und in französischer Übersetzung. Besonders interessant ist hier die Existenz der anonymen französischen Übersetzung von Boccaccios De claris mulieribus von 1401 unter dem Titel Des femmes nobles et renommées. Zwei illuminierte Abschriften (heute BnF ms.f.fr. 12 240 und f.fr. 598) werden 1404 fertiggestellt und Philipp dem Kühnen und Jean de Berry, zwei wichtigen Mäzenen Christines, überreicht.

Zu welchen Formen des Kulturtransfers führen Christines Boccaccio-Lektüren? Der Vortrag geht dieser Frage anhand von drei exemplarischen Sondierungen nach: zunächst interessiert uns das Verhältnis ihres späthöfischen Versromans Les Cent Balades d?Amant et de dame zu Boccaccios Elegia di Madonna Fiammetta; dann ihr Umgang mit seinem Frauenkatalog De claris mulieribus, eine wesentliche Inspirationsquelle für die Cité des Dames; und schließlich werfen wir einen Blick auf Christines Lektüren des Decamerone, dem sie vier Novellen entnimmt und in den neuen argumentativen Kontext ihrer Cité des Dames einfügt.
Auf diese Weise entsteht nicht nur das Portrait einer leidenschaftlichen Leserin, sondern auch das eines frühen passeur culturel zwischen Frankreich und Italien ? und zugleich das einer Schriftstellerin, die sich selbständig das Werk ihres großen Landsmanns Giovanni Boccaccio aneignet.

Sommersemester 2014: "Wissensmärkte der Vormoderne"


Die Vorträge finden um 18 Uhr c.t. im Hörsaal AP 26 des Sprachlehrzentrums (ZESS) in der Goßlerstraße 10 statt.
Programm

Tagung: Reassembling the Past?!


Akteur-Netzwerk-Theorie und Geschichtswissenschaft
3.-5. Juli 2014
Vortragsraum des Historischen Gebäudes der Sub Göttingen, Papendiek 14, 37073 Göttingen
Programm

Workshop: Orte medizinischer Expertise in der Vormoderne - ihr Wissen, ihre Akteure und ihre Quellen


25.04.2014 - 26.04.2014
Tagungszentrum an der historischen Sternwarte, Seminarraum 3
Programm

Hallgrímur Pétursson und seine Psalmen
Internationaler Workshop zum 400. Jubiläum.


19.02 - 23.02.2014
Heyne-Haus
Papendiek 16
Göttingen

Programm (PDF)

Vorträge im Wintersemester 2013/14


Hier finden Sie den aktuellen
Veranstaltungsflyer

Vortrag am 22.01.2014

Göttinger Vorträge zu Mittelalter und Früher Neuzeit
It takes a thief - Einige beachtenswerte Diebe in der englischen Literatur des Mittelalters?

(Winfried Rudolf, Göttingen)

Der Diebstahl als Ausdruck der Habgier gehört zu den schweren Sünden im Mittelalter und wird überdies durch die zehn Gebote verdammt. Als krimineller Tatbestand steigt er nach der normannischen Eroberung zum Kapitalverbrechen auf, das jedoch nicht immer mit voller Härte bestraft wurde. Anhand einiger beachtenswerter Diebe und Diebstahlsvergehen beleuchtet dieser Vortrag die Verhandlung sozialer Mißstände und ihrer Ursachen, die spirituelle Bedeutung des Diebes und den Umgang mit geistigem Diebstahl in der mittelalterlichen Literatur Englands.

Der Vortrag findet um 18 Uhr c.t. im Hörsaal AP 26 des Sprachlehrzentrums (ZESS) in der Goßlerstraße 10 statt.


Vortrag am 18.12.2013

Göttinger Vorträge zu Mittelalter und Früher Neuzeit
„Archivgeschichte als Wissensgeschichte. Zu einem vernachlässigten Forschungsfeld“

(Markus Friedrich, Hamburg)

Der Vortrag möchte der Frage nachgehen, wie und auf welche Weise Archive als Wissensorte nutzbar gemacht werden können. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass die Benutzung von Archiven zum Zwecke der Wissensgewinnung eine hochgradig komplexe Angelegenheit ist. Um erfolgreich zu sein, müssen für eine Archivrecherche zahlreiche Voraussetzungen erfüllt, Kenntnisse vorhanden und infrastrukturelle Rahmenbedingungen gegeben sein. All diese notwendigen Bedingungen von erfolgreicher Archivbenutzung kann man unter dem Begriff des 'Benutzungsregimes' zusammenfassen. Nach einigen allgemeinen Bemerkungen möchte der Vortrag mit besonderem Blick auf historiographische Forschung im Archiv zwei Benutzungsregimes etwas näher charakterisieren, einmal die Verhältnisse im 18. Jahrhundert, daneben sollen entscheidende Veränderungen an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert thematisiert werden. Aufs Ganze gesehen möchte der Vortrag an Hand der ausgewählten Beispiele historiographischer Archivnutzung der Vormoderne und der Moderne für eine neue Perspektive auf Archive als Orte der Wissensproduktion plädieren.

Der Vortrag findet um 18 Uhr c.t. im Hörsaal AP 26 des Sprachlehrzentrums (ZESS) in der Goßlerstraße 10 statt.


Vortrag am 04.12.2013

Göttinger Vorträge zu Mittelalter und Früher Neuzeit
„Heimat und Heimweh im mittelalterlichen Alemannien? Literarische Zeugnisse des Bodenseeraums zu einem schwierigen Thema“

(Felix Heinzer, Freiburg)

Im Mittelpunkt des Vortrag stehen zwei herkömmlicherweise als „Heimwehgedichte“ gelesene mittelalterliche Texte aus dem Bodenseeraum: ein mittelhochdeutsches Minnelied Konrads von Landeck (gest. um 1306) und ein in sapphischen Strophen gehaltener lateinisches Gedicht des bedeutenden Reichenauer Autors Walahfrid Strabo (gest. 849).

Wie artikuliert sich das Thema des „amour lointain“ in der Verschränkung von Nähe und Ferne? Welche poetologischen Strategien bringen die beiden Autoren dabei zur Anwendung? Welche Rolle spielen dabei – vor allem bei Walahfrid – auch formale Aspekte?

Der Vortrag findet um 18 Uhr c.t. im Hörsaal AP 26 des Sprachlehrzentrums (ZESS) in der Goßlerstraße 10 statt.


Diplomatischer Apparat der Georgia Augusta


Das Göttinger Tageblatt berichtet in einer Reihe zu den akademischen Sammlungen der Universität über den Diplomatischen Apparat.


Streitgespräch am 05.06.2013

Göttinger Streitgespräche zu Mittelalter und Früher Neuzeit
„Albrecht Dürer: Selbstbild und Selbstbildnisse im Methodenstreit?“

(05.06.2013)

Dürers Selbstbildnisse stehen seit einiger Zeit wieder im Zentrum einer kontroversen Diskussion. Sie dreht sich um den prekären und zugleich hybriden Status des frühneuzeitlichen Künstlers im Geflecht von sozialen Konventionen und intellektuellen Aspirationen, um seine neue Selbstwahrnehmung und Selbstüberhöhung und ihre humanistische, theologische oder kunsttheoretische Fundierung.

Am Beispiel der bis heute kontrovers gedeuteten Selbstbildnisse Dürers diskutieren vier Vertreter der aktuellen Dürer-Forschung die Möglichkeiten und Grenzen einer solchen Deutung der künstlerischen Selbstrepräsentation Dürers und die Frage, inwieweit diese als paradigmatisch für Umbrüche im Verhältnis von Künstlertum, Gesellschaft und Öffentlichkeit in der Zeit um 1500 angesehen werden kann.

Hier finden Sie den aktuellen
Veranstaltungsflyer


Streitgespräch am 19.06.2013

Göttinger Streitgespräche zu Mittelalter und Früher Neuzeit
„Machiavelli and Violence—Machiavelli und Gewalt“

(19.06.2013)

Five centuries ago, the Florentine humanist Niccolo Machiavelli wrote Il Principe, The Prince, perhaps the most famous –and infamous-- text in the history of European Political Thought. Against all currents of humanist political thought Machiavelli seemed to argue that in order to maintain their princely status and be successful rulers, princes should not always act in accordance with the cardinal virtues of justice, prudence, temperance and fortitude. It may in fact be prudent for a prince to merely appear virtuous, to be dishonest, to lie and cheat, and as some of the most notorious passages suggest, to resort to violence as a tool of politics.

This Streitgespräch reassesses the role of violence in Machiavelli’s political thought.
The opening statements come from three highly innovative Renaissance scholars and political theorists. John McCormick’s study, Machiavellian Democracy (Cambridge, 2011) fundamentally reassesses Machiavelli’s political thought and decisively intervenes into current debates over institutional design and democratic reform. Matthias Roick’s study of Giovanni Pontano’s ethical thought is forthcoming with Brill and Philip Hölzing’s study Republikanismus und Kosmopolitismus: Eine ideengeschichtliche Studie (Campus Verlag, 2011) offers a fine and sweeping overview of Republican thought—from Cicero to Machiavelli to the present.


Hier finden Sie den aktuellen
Veranstaltungsflyer.










Göttinger Vorträge im Wintersemester 2011/12

Göttinger Streitgespräche im Sommersemester 2011

Göttinger Vorträge im Wintersemester 2010/11

Göttinger Streitgespräche im Sommersemester 2010