Promotionsvorhaben

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„Regional-diachroner Vergleich der Diversität in (prä-)historischen Bevölkerungen Südniedersachsens mit unterschiedlicher Subsistenzgrundlage.“

Im Rahmen der Promotion soll in erster Linie die genetische Diversität des (prä-)historishen Niedersachsens untersucht werden. Die Untersuchung findet an den männlichen Individuen sechs niedersächsischer Skelettserien mit unterschiedlichen populationsgeschichtlichen Hintergründen statt. Mit den ausgewählten Serien werden einerseits verschiedene Subsistenzstrategien angesprochen, andererseits wurden die Skelettserien in unterschiedliche Zeitstellungen datiert.
Die älteste Gruppe stellen die Individuen aus der Lichtensteinhöhle dar, deren Nutzung als Bestattungsplatz in der späten Bronzezeit liegt. Zwei weitere Serien – Groß Förste und Medenheim – wurden in das frühe Mittelalter datiert. Als Subsistenzstrategie beider Gruppen kann eine agrarische Lebensweise angenommen werden. Ebenfalls eine ländliche Bevölkerung stellt die Skelettserie aus Eldagsen dar, welche jedoch aus der frühen Neuzeit stammt. Auch die beiden übrigen Serien wurden der Neuzeit zugeordnet. Hierbei handelt es sich zum einen um Bergleute und deren Familien, die im 18. Jahrhundert im Silberbergbau des Rammelsberges bei Goslar tätig waren, zum anderen um Mitglieder der katholischen St. Michael-Gemeinde aus Göttingen. Letztere repräsentieren zwar aufgrund ihres Glaubens eine religiöse Enklave, unter ihnen können sich jedoch auch zugezogene Angehörige der Universität Göttingen befinden.

Für die Untersuchungen zur historischen genetischen Diversität in Niedersachsen ist beabsichtigt, sowohl individuelle genetische Muster (genetischer Fingerabdruck) als auch paternale Haplotypen zur Verfolgung von Familienlinien zu identifizieren. In statistischen Analysen werden anschließend die Frequenzen der ermittelten Allele und Haplotypen bestimmt und verglichen.
Es wird erwartet, dass innerhalb der ländlichen Serien aus Groß Förste, Medenheim und Eldagsen vergleichsweise geringe genetische Diversitäten vorliegen. Dagegen kann für die Serie aus Goslar aufgrund des möglichen Zuzugs von Personen mit Bergbauexpertise ein höheres Maß an genetischer Vielfalt angenommen werden. Für die Individuen aus Göttingen kann hinsichtlich der städtischen Lebensweise ebenfalls eine höhere Diversität erwartet werden, aufgrund der Glaubensgemeinschaft können allerdings wiederum die Heiratskreise eingeschränkt gewesen sein, was die Diversität reduzieren würde.
Im Zuge der Promotion sollen diese Erwartungen auf der Basis genetischer Marker überprüft werden. Durch die Zusammenführung der ermittelten Informationen soll schließlich darstellbar werden, ob und in welchem Umfang bereits im historischen Niedersachsen populationsgenetische Vielfalt festzustellen ist.