Mehr zum Projekt Menschliche Überreste aus kolonialen Kontexten
Das Forschungsprojekt untersuchte von 2024–25 die Provenienz von menschlichen Überresten aus kolonialen Herkunftskontexten im Museum am Rothenbaum in Hamburg (MARKK) und in zwei anthropologischen Sammlungen der Universität Göttingen. Es wurde gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste.
Im Fokus standen zum einen Gebeine in der sogenannten „Anthropologischen Sammlung“, die zwischen den 1880er und 1930er Jahren am damaligen Museum für Völkerkunde in Hamburg (heute MARKK) entstand und in den 1950er und 1960er Jahren – allerdings nicht vollständig – an die Universität Göttingen abgegeben wurde.
Im MARKK wurden Schädel und Skelettreste wiederaufgefunden, von denen nach jetzigem Wissensstand 57 offensichtlich aus kolonialen Kontexten stammen. Besonders prekär ist der Umstand, dass in manchen Fällen Schädel und Skelett(-teile) eines Menschen auf beide Standorte verteilt aufbewahrt werden.
Die im MARKK vorgefundenen Ancestral Remains konnten vorläufig verschiedenen postkolonialen Herkunftsländern in Afrika und Ozeanien zugeordnet werden:
• Papua-Neuguinea
• Tansania
• Föderierte Staaten von Mikronesien
• Salomonen
• Samoa
• Kamerun
Zum anderen wurde die von Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840) begründete Schädelsammlung in die Untersuchungen einbezogen. Die Sammlung gehört heute zum Zentrum Anatomie der Universitätsmedizin Göttingen und umfasst ca. 840 Schädel.
Darunter befinden sich auch 31 Schädel aus Australien, die zwischen 1793 und 1934 eingeliefert wurden und für die aktuell eine Rückgabeforderung aus Australien vorliegt.
Beide anthropologischen Sammlungen enthalten Ancestral Remains aus verschiedenen kolonialen Kontexten, Regionen und Zeitphasen. Bei der Auswahl der zu untersuchenden Herkunftskonvolute wurden vorrangig bereits vorliegende bzw. zu erwartende Rückgabeforderungen aus Australien, Palau und Namibia berücksichtigt.
Da die Anthropologische Sammlung im Lauf der Zeit vom Hamburger Museum zur Göttinger Universität übergegangen war, tragen beide Einrichtungen eine gemeinsame Verantwortung für die Provenienzforschung und gegenüber den Herkunftsgesellschaften. Daher wurde das Projekt als Verbundprojekt aufgesetzt. Zudem wurden die Umstände der Übertragung vom damaligen Museum für Völkerkunde Hamburg an die Universität Göttingen untersucht.
Ein Workshop am Projektende diskutierte die Ergebnisse mit Expert*innen aus den Herkunftsländern. Die Ergebnisse der Provenienzforschung wurden als Forschungsbericht auf den Websites des MARKK und der Universität Göttingen veröffentlicht und flossen in die Sonderausstellung „Nachgefragt: Unrecht gesammelt?“ im Forum Wissen ein.
Projektleitung und Koordination
Projektleitung: Dr. Holger Stoecker, Universität Göttingen
Projektkoordination: Annika Dörner, Universität Göttingen
Weitere Projektbeteiligte
• Birgit Großkopf
• Katharina Stötzel
• Emily Behlert
• Leonie Koch
• Tato Portia Rathokane
Workshop
• Uncovering Colonial Collections, Enabling Reconnection. Provenance Research and Repatriation of Ancestral Remains
24.–25.09.2025
Zum Workshop-Flyer (PDF)