Bücherkatalog der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg
Leitung: Prof. Dr. Michael Thimann
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dr. Thomas Gilbhard
Förderung: Fritz Thyssen Stiftung
Laufzeit: Oktober 2011 - September 2016
AbyWarburg Bücherkatalog der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg im Jahr 1933. Bestandsverzeichnis und Kommentar (= Aby Warburg. Gesammelte Schriften. Studienausgabe, hg. von Horst Bredekamp, Michael Diers, Uwe Fleckner u.a., Berlin: Akademie-Verlag, 1997ff., 6. Abteilung, Bd. 6), hg. von Michael Thimann und Thomas Gilbhard (gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung seit November 2011) (www.warburg-haus.de)

In der kunsthistorischen, kulturwissenschaftlichen und biblio­theks­­historischen Forschung ist die Bedeutung der Kulturwissen­schaftlichen Bibliothek Warburg (kurz: K.B.W.) heute unbestritten. Sie gilt als Prototyp einer modernen Forschungs­bibliothek und dokumentiert beispielhaft die um 1900 einsetzende Ablösung von der Privat­bibliothek des Gelehrten hin zum Arbeits­instrument für die Forschung. Aby Warburg, zweifellos einer der größten Anreger der heutigen Kultur­wissenschaften, Stich­wort­geber der historischen Bild­wissenschaften, der Ikonologie, der Mentalitäten­geschichte, der Gedächtnis­geschichte und Bild­anthropologie, hat als wesentlichen Bestandteil seines wissen­schaftlichen Werkes seine Privatbibliothek zu einem kultur­wissenschaftlichen Forschungs­institut ausgebaut. Die K.B.W. war eine „Problem­bibliothek“, deren Inhalt vornehmlich auf Warburgs Haupt­forschungsprojekt, der wissen­schaftlichen Erkundung des „Nach­lebens der Antike“ und der Wanderungen antiker Gebärden­sprache in die Bild­kulturen der Renaissance, abgestimmt war. Sie war zugleich der institutionelle Ort, an dem sich die inter­disziplinäre „Arbeits­gemeinschaft“ (Ernst Cassirer) der Forscher versammelte, um gemeinsame Probleme inmitten der Bücher zu diskutieren. Dieser inter­disziplinäre Charakter der K.B.W. als Institution für Forscher unter­schiedlicher Fächer machte eine Bücher­sammlung erforderlich, die weit über die Belange der Individual­forschung herausragen musste. Warburg dienten die Bücher daher, wie er 1918 schrieb, als „Arbeits­instrumente in einem wissen­schaftlichen Laboratorium“. Schon im Gesamt­plan der Gesammelten Schriften von 1932 war die Dokumentation der Bibliothek durch einen gedruckten Katalog vorgesehen. Die Wirren von Vertreibung und Emigration haben diesen Plan zunichte gemacht. Eine Re­konstruktion der K.B.W., wie sie jetzt im Rahmen der Studien­ausgabe durch die Ver­öffentlichung des Kataloges vorgenommen werden soll, leistet daher einen zentralen Beitrag für unser Verständnis der Wissen­schafts­geschichte der Geistes­wissenschaften im 20. Jahrhundert. Eine zwei­jährige Förderung des Projekts (Wiss. Mitarbeiter Dr. Thomas Gilbhard) wurde durch die Fritz Thyssen-Stiftung in der Sommer­sitzung 2011 bewilligt. Das Projekt stellt den un­verzichtbaren Baustein für unser Verständnis Aby Warburgs dar, dessen Werk sich bekanntlich ebenso in seinen Schriften wie im Aufbau seiner einzigartigen kultur­wissen­schaftlichen Bibliothek und Forschungs­institution fassen lässt. Der Band soll den Bibliotheks­bestand bis zum Jahr 1933, dem Zeitpunkt der Emigration der Bibliothek nach London, sichtbar machen. Dazu bedarf es eines voll­ständigen Bücher­katalogs, einer Rekonstruktion der Aufstellungs­systematik und einer wissenschafts- und bibliotheks­geschichtlich fundierten Einleitung, die vom Projekt­leiter zusammen mit dem Wiss. Mitarbeiter erarbeitet werden.