Traumforschung bei den Ngaing in Papua-Neuguinea

Laufzeit von 01.01.1999
Laufzeit bis 31.12.2003


Teilprojekt I

Projektleitung: Dr. Wolfgang Kempf

Träume können zum Verständnis der Entstehungsweisen von Räumen in einem historisch konstituierten Terrain von Macht und Wissen wesentlich beitragen. Träume können statische Trennlinien zwischen Innen und Aussen, zwischen lokaler und globaler Welt, dekonstruieren und den Raum als flexible und verhandelbare Konstruktion begreifbar machen. Einige Traumlandschaften der Ngaing destabilisieren jene festgefügten ethnologischen Raumordnungen, die Menschen und Kulturen feste Orte und Räume zuweisen.

Traumerzählungen über Reisen des Traum-Selbst ins Land der Weißen/Ahnen, nach Australien und/oder in europäische "Cities" kartographieren Zonen der Koexistenz von unvereinbaren Räumen, die nur aus dem Kontext historischer Kontakte und multipler Interaktionen verstanden werden können. Das Augenmerk gilt vorrangig den Träumen, die im Verlauf einer Initiation von jungen Männern in dem Ngaing-Dorf Yawing mitgeteilt wurden, während sich die Initianden in der Seklusion befanden. Diese Träume besitzen das Potential, aus der lokalen Welt in von Weißen bewohnte "City"-Umgebungen hineinzuführen - in Räume, die mit Macht und Wissen assoziiert werden. Die durch das Traumgeschehen vorgenommene räumliche Erweiterung lokalisiert "Weiß-Sein" im eigenen Innen und trägt im Kontext der rituellen Initiation dazu bei, die Initianden mit Macht auszustatten. Träume sind mit dem politischen Prozess der Konstruktion von Räumen untrennbar verknüpft. Sie gestalten ein durch rituelle Machtpraktiken autorisiertes Feld der Imagination, das (Gegen-)Räume konstituiert, indem es die strategische Extension der lokalen Welt betreibt.

Teilprojekt II

Projektleitung: Dr. Elfriede Hermann

Forschung zur Ethnopsychologie, insbesondere zur Ethnotheorie des Träumens, bei der Sprachgruppe Ngaing in Papua-Neuguinea

Diese Studie widmet sich der kulturellen Konzeption des Träumens und Traumdeutens bei den Ngaing in Papua-Neuguinea und stützt sich dabei auf Ergebnisse von Feldforschungen in den Jahren 1988-1990 und 1996. Es wird dargelegt, dass das Träumen für die Ngaing eine Erfahrung einer wesentlichen Komponente des Selbst ist. In der kulturellen Logik dieser Gesellschaft können Träume Botschaften beinhalten oder Lösungen für anstehende Probleme aufzeigen. Diese kulturelle Logik des Träumens wird im Kontext einer Mädchen-Initiation untersucht, wobei sich der Forschungsfokus auf die im Traum vorgenommene Überschreitung des lokalen Raums richtet. Es wird dargelegt, dass die im Traum erfahrene Reise in ein westliches Land dazu beitrug, die in der rituellen Initiation vorgenommene Transformation der Initiandin zu bestätigen.

Zuordnung zu Einrichtungen:
Institut für Ethnologie (zentral)

Personal:
Hermann, Elfriede, Dr. (Leiter)
Kempf, Wolfgang, Dr. (Leiter)