Forschung

Astrid Bochow forscht und publiziert zu Familie, Gesundheit und Jugend bei Angehörigen von städtischen Mittelschichten in Gaborone, Botsuana und Kumasi, Ghana. Der Titel ihrer Habilitationsschrift lautet „Recht auf Leben. Kultur, Politik und HIV/AIDS in Botsuana“.


Botsuana ist eines der wenigen Länder mit mittleren Einkommen in Afrika und gilt gleichzeitig als ein Land mit einer der höchsten HIV/AIDS Infektionsraten der Welt. In meiner Forschung frage ich, wie HIV/AIDS das Leben und die Weltsicht von Angehörigen der gehobenen und aufstrebenden Mittelschichten verändert hat. Damit setze ich einen neuen Akzent in der HIV-Forschung. Denn HIV/Aids wird in weiten Teilen der sozialwissenschaftlichen Forschung im Zusammenhang mit Armut beforscht. Angehörige der gehobenen und aufstrebenden Mittelschichten in Botsuana profitieren auf der einen Seite von Programmen und Ausbildungschancen, die im Rahmen von HIV-Interventionen entstanden. Auf der anderen Seite durchdringt die Erfahrung von Krankheit, Tod und Verlust ihren Alltag und ihre familiären Beziehungen. Diese Erfahrungen stellt ihre Vorstellung von Familie, Partnerschaft und Intimität und Medizin in Frage und ermöglicht neue materielle Praktiken des Austauschs. Es entstehen neue Formen der Inklusion.


Sowohl in Kumasi, Ghana, als auch in Gaborone, Botsuana, entstehen neue Formen des Zusammenlebens in den Haushalten städtischer Mittelschichten. Dabei interessiere ich mich für sowohl neue Bewegungen und Lebensstile, wie sie etwa durch die Präsenz neuer sozialer Medien im Alltag entstehen, als auch für neue Wohnarrangements in diesen städtischen Haushalten. In diesen Aspekten meiner Forschung greife ich auf verschiedene Ansätze aus der ethnologischen Familienforschung und Geschlechterforschung auf, die den Zusammenhang zwischen sozialen Hierarchien von Alter und Geschlecht, Ressourcenflüssen innerhalb von Haushalten und Mobilität thematisieren.


Junge Menschen in den Städten (Kumasi und Accra) zeichnen sich besonders durch eine hohe Mobilität aus, die oft familiär unterstützt wird. Migration gilt als gesellschaftlich akzeptierter Weg, sich finanziell soweit zu stabilisieren, dass sie den sozialen Pflichten eines Erwachsenen nachkommen zu können. Dabei stützt sich diese Form der Mobilität auf historisch etablierte Formen von regionaler Mobilität. Die Migration in den globalen Norden ist aber auch zugleich Abenteuer und ein Weg, den Zwängen der Familie zu entkommen. Der Aufenthalt in einem Land des globalen Nordens steht für Freiheit und Selbstbestimmung, aus denen neue (Lebens)Stile entwachsen.