Forschungsschwerpunkte


1. Bürgerliches Recht und Handelsrecht

Auf dem Gebiet des materiellen Zivilrechts geht es maßgeblich um Grundfragen auf den Gebieten Rechtsgeschäftslehre, Schuld- und Sachenrecht, Wertpapierrecht, aber ebenso auch um die systematische Vertiefung von Einzelfragen. Dabei war und ist stets besonderes Anliegen die Verwertung rechtsvergleichender Erkenntnisse, vor allem mit Blick auf die Europäische Gemeinschaft und ihr immer drängenderes Bestreben verstärkter Angleichung der nationalen Zivilrechte, während im Bereich des Wertpapierrechts ohnehin bereits übernationales Einheitsrecht vorliegt. Die traditionelle rechtsgeschichtliche Aufbereitung der Sachprobleme wird daneben aber nicht etwa vernachlässigt, sie ist weiterhin ein wichtiges Fundament rechtsdogmatischer Forschung, und ihr gilt auch das besondere Augenmerk des Lehrstuhlinhabers. Dies zumal auch darum, weil letzthin bloß die Symbiose aus geographischem und historischem Vergleich die Problematik nationaler Lösungswege offenlegt und ihre profunde Bewertung erlaubt.

Ein intensiv bearbeitetes Grundproblem in diesem Sinne ist etwa die alte Streitfrage, wie man die Nichterfüllung vertraglicher Rechtspflichten sanktioniert. In Betracht kommen - verschieden abgestufter - hoheitlicher Zwang zur naturalen Erfüllung, aber auch Abgeltung des Schadens durch (Geld-) Ersatzleistung oder sonstige Rechtsnachteile, die indirekt zur freiwilligen (naturalen) Erfüllung anhalten sollen. Alle Lösungswege sind geschichtlich oder vergleichend umgesetzt worden und müssen umfassend gegeneinander abgewogen werden. Hierbei kann gezeigt werden, daß trotz diametral verschiedenem normativem Ausgangspunkt in der anglo-amerikanischen, romanischen und germanischen Rechtsfamilie am Ende praktisch ähnliche Lösungen - und damit ein Kompromiß - erzielbar sind. Eine ähnliche Vorgehensweise wäre für andere juristische Grundbegriffe denkbar, etwa Unterschrift (mit dem Sonderproblem digitaler Signaturakte, das derzeit besonders aktuell ist), Rechtsgeschäft, Verfügung etc. und auch für Grundprinzipien, wie etwa Priorität oder Publizität. Diese Forschung mündet letztlich in der globalen Fragestellung nach den Strukturen europäischer Kodifikation.


2. Zivilverfahrensrecht

Zentrales Forschungsgebiet des Lehrstuhlinhabers ist das deutsche, ausländische und internationale Zivilverfahrensrecht in allen seinen Ausprägungen, sei es als Erkenntnis- oder Vollstreckungsverfahren, Einzelvollstreckung oder Insolvenzverfahren. Die rechtsvergleichende Herangehensweise ist hierbei dieselbe, die derzeit mit MWK-Sondermitteln im Aufbau befindliche (Spezial-) Bibliothek für Vergleichendes Verfahrensrecht schafft die idealen Arbeitsbedingungen hierfür. Hauptsächliche Arbeitsgebiete:

(1) Alternativen zum streitigen gerichtlichen Verfahren, d.h. Möglichkeiten nichtstreitiger Erledigung (Mediation, Schlichtung) sowie vor allem staatsferne Möglichkeiten streitiger Entscheidung (Schiedsverfahren: §§ 1025-1066 ZPO). Bei den §§ 1025 ff. ZPO handelt es sich um eine am 01.01.1998 vollkommen neu geregelte und international (durch UNCITRAL-Modellgesetz) vereinheitlichte Möglichkeit der Streitparteien, einverständlich Schiedsverfahren anstelle von Gerichtsverfahren einzurichten und sozusagen durch Privatleute Recht sprechen zu lassen. Den Grundlagen und Vorbehalten gegen derartige Verfahren gilt es hier nachzuspüren und auch die Veränderungen gegenüber der alten Rechtslage und gegenüber dem Modellgesetz der UN-Kommission exakt aufzudecken.

(2) Auf dem Gebiet der Einzelvollstreckung das Recht der „privatautonomen Vollstreckungstitel“ in Gestalt der praktisch äußerst wichtigen „vollstreckbaren Urkunde" (§ 794 Abs. 1 Nr. 5 ZPO), deren Anwendungsbereich durch Gesetzesnovellierung stark ausgedehnt wurde.

(3) Auf dem Gebiet der Gesamtvollstreckung vor allem die Neuregelung der §§ 217 ff. InsO, das sogenannte Insolvenzplan­verfahren, welches die veraltete Vergleichsordnung abgelöst hat. Dadurch erhalten die Insolvenzgläubiger eine ähnliche Möglichkeit privatautonomer Gestaltung des Verfahrensganges wie beim Schiedsverfahren, jedoch auf dem Gebiet der Gesamtvollstreckung, insbesondere um nach einem Konkurs die Unternehmensliquidation und -zerschlagung zugunsten einer Unternehmenssanierung und -fortsetzung abzuwenden (§ 1 S. 1 [2. Ziel] InsO). Maßgeblich haben insoweit amerikanische Vorgaben Pate gestanden, die ins deutsche Recht rezipiert wurden und nunmehr ihre Tauglichkeit unter veränderten kulturellen Bedingungen werden erweisen müssen.

(4) Schließlich die Beschäftigung mit den aktuellen Vorschlägen zur Reform des Verfahrens in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit („FGG-Reformgesetz“), welche die Brücke vom Verfahrens- zum Familienrecht schlägt.

Siehe auch: Publikationen