Seminar für Deutsche Philologie

Hamburger Ausgabe der Werke von Siegfried Lenz

Siegfried Lenz Groß
© Ingrid von Kruse

Siegfried Lenz (1926–2014) zählt zu den bedeutendsten und meistgelesenen Schriftstellern der deutschen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Für sein vielfältiges Werk, das Romane, Erzählungen, Essays, Reiseberichte, Theater- und Rundfunkstücke und auch bislang unveröffentlichte Gedichte umfasst, wurde er mit zahlreichen wichtigen Preisen ausgezeichnet, darunter der Thomas-Mann-Preis, der Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und der Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte. Zu seinen bekanntesten Büchern gehören die Erzählungssammlung "So zärtlich war Suleyken" (1955), die seinen literarischen Durchbruch bedeutete, sowie die Romane "Deutschstunde" (1968), die auch international Aufsehen erregte und in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurde, und "Heimatmuseum" (1978). Immer wieder kreisen seine Texte um gesellschaftliche Fragen und um die Rolle des Schriftstellers. Immer wieder beteiligte sich Lenz mit Reden und Stellungnahmen an politischen Auseinandersetzungen. Wie Böll und Grass unterstützte er die Sozialdemokratie; lange gehörte der der "Freitagsgesellschaft" seines Freundes Helmut Schmidt an. In seinem literarischen Werk lassen sich von Anfang an wiederkehrende Grundmotive erkennen: Häufig porträtiert Lenz Menschen in Grenzsituationen, die unter existenziellen, moralischen oder politischen Druck geraten. Der Konflikt zwischen Pflicht und Gewissen, blindem Gehorsam und individueller Verantwortung findet sich nicht nur in der "Deutschstunde", sondern in vielen seiner Texte. Flucht, Verfolgung, Untergang, Gleichgültigkeit und Schuld sind die Themen, die ihn in seinen Werken immer wieder beschäftigen.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach, der Siegfried Lenz-Stiftung Hamburg und dem Hoffmann und Campe Verlag Hamburg entsteht am Lehrstuhl von Heinrich Detering eine neue kommentierte Gesamtausgabe der Werke, die ab Herbst 2016 von Heinrich Detering und Günter Berg herausgegeben wird.

Noch zu seinen Lebzeiten, ein halbes Jahr vor seinem Tod im Oktober 2014, hat Siegfried Lenz sein persönliches Archiv u.a. mit Manuskripten, Typoskripten, Arbeitsmaterialien, Korrespondenzen und Rezeptionszeugnissen dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar anvertraut. Diese Dokumente sollen für die neue Werkausgabe erstmals erschlossen und nutzbar gemacht werden.
Im Rahmen der Vorarbeiten wurde dabei im Frühjahr 2015 ein bislang unbekannter Roman von Siegfried Lenz entdeckt, der im Folgejahr in Kooperation mit dem Seminar für Deutsche Philologie unter dem Titel "Der Überläufer" bei Hoffmann und Campe erschienen ist.

Die 25-bändige Werkausgabe ist als Studienausgabe angelegt: Der Text wird zeichengetreu nach der Bucherstausgabe wiedergegeben und ein ausführlicher Sachkommentar bietet Erläuterungen zur Entstehungs-, Überlieferungs- und Rezeptionsgeschichte, Hilfen zum Textverständnis, Deutungsansätze sowie ergänzende Dokumente zu Entstehung und Textvarianten.


Mitarbeiter am Seminar für Deutsche Philologie



Weitere Bandherausgeber


  • Günter Berg
  • Dr. Melanie Keutken
  • Katharina Muders
  • Dr. Astrid Roffmann
  • Dr. Sonja Valentin
  • Prof. Dr. Harro Zimmermann



Bereits erschienene Bände
Band 1: Es waren Habichte in der Luft (hrsg. von Astrid Roffmann)

Band 3: Duell mit dem Schatten (hrsg. von Astrid Roffmann)

Band 4: Der Mann im Strom (hrsg. von Maren Ermisch)

Band 6: Stadtgespräch (hrsg. von Stefan Descher)

Band 7: Deutschstunde (hrsg. von Günter Berg)

Band 8: Das Vorbild (hrsg. von Harro Zimmermann)

Band 9: Heimatmuseum (hrsg. von Heinrich Detering und Maren Ermisch)

Vorläufiger Editionsplan

Frühjahr 2019

Band 5: Brot und Spiele (hrsg. von Astrid Roffmann)

Band 10: Der Verlust (hrsg. von Harro Zimmermann)