Seminar für Ägyptologie und Koptologie

IV. Die Studiensammlung Hermann Kees

Keramiken aus der Naqadazeit bis in die islamische Zeit

Die Studiensammlung von Hermann Kees, die heute im Besitz des Göttinger Seminars für Ägyptologie und Koptologie ist, besteht vor allem aus Bruchstücken verschiedener Keramiken. Kees brachte sie von seiner ersten Ägyptenreise im Jahr 1909 mit. Dies ist noch an den originalen Herkunftsangaben zu erkennen.

Die zeitliche Spannbreite dieser Scherben erstreckt sich von der Naqadazeit (ab ca. 4000 v. Chr.) bis in islamische Zeit (ab 639 n. Chr.) und geographisch vom Delta bis einschließlich Nubien. Die Sammlung enthält 36 Kleinobjekte, darunter 3 Objekte aus mehreren Fragmenten.


Fragment eines Wellenhenkelgefäßes

Die Sammlung enthält drei weitere Fragmente von ähnlichen Wellenhenkelgefäßen aus der selben Epoche. Bei allen handelt es sich im ergänzten Zustand wahrscheinlich um hohe schmale Gefäße. Die hier gezeigte Scherbe weist darüber hinaus eine Ritzmarke auf. Der Gefäßrand der anderen zwei Fragmente ist nach außen gerundet, und das Gefäß des vorliegenden Fragmentes besaß vielleicht einen ähnlichen Rand.

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© Seminar für Ägyptologie und Koptologie der Universität Göttingen,
Fotos: Stephan Eckardt / Zeichnung: Eva Engel


Objektdaten:

  • Fragment eines Wellenhenkelzylinders: Vorderseite (links), Rückseite (Mitte) und Zeichnung (rechts)
  • Mergelton
  • Naqada III A2, ca. 3200-3100 v. Chr.




Fragment eines Kohl-Gefäßes aus Abu Roasch

Der Name dieser Gefäßart leitet sich von dem arabischen Wort für „schminken der Augen” ab und verweist so auch auf den Verwendungszweck: das Aufbewahren von Augenschminke.

Das Steingefäßfragment stammt aus Abu Roasch, wie Kees mit Bleistift auf der Innenseite des Gefäßes vermerkte. Es wurde aus sogenanntem Kalzit-Alabaster – einem sehr feinen Kalkstein, der optisch europäischem Alabaster ähnelt – hergestellt. Ähnliche Steingefäße aus der 1. Dynastie wurden z. B. auch in Abydos und Saqqara entdeckt.

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© Seminar für Ägyptologie und Koptologie der Universität Göttingen,
Fotos: Stephan Eckardt / Zeichnung: Eva Engel


Objektdaten:

  • Fragment eines Kohl-Gefäßes: Außenansicht (links), Innenansicht (Mitte) und Zeichnung (rechts)
  • Kalzitalabaster
  • Altes Reich, 1. Dynastie, um 2982-2803 v. Chr.
    aus Abu Roasch




Fragment einer bemalten Schale

Das Fragment ist auf der Innenseite schwarz und rot bemalt, wahrscheinlich bildet die Zeichnung Papyrusdolden nach. Unter der Bemalung ist ein hellroter Hintergrund erhalten. Die Schale stammt wahrscheinlich aus der 18. Dynastie. Leider hat Kees zu diesem Objekt keine Herkunftsangabe hinterlassen.

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© Seminar für Ägyptologie und Koptologie der Universität Göttingen,
Fotos: Stephan Eckardt / Zeichnung: Eva Engel


Objektdaten:

  • Fragment einer bemalten Schale: Vorderseite (links), Rückseite (Mitte) und Zeichnung (rechts)
  • Niltron
  • Neues Reich, 18. Dynastie, um 1550-1292 v. Chr.




Fragmente von zwei blau bemalten Gefäßen

Die Sammlung enthält zwei Fragmente mit blauer Bemalung. Sie wurden auf jeweils einem weißen (Fragment 1) und hellroten (Fragment 2) Hintergrund über der roten Keramik bemalt. Aus dem erhaltenen Muster, dem Hintergrund und der Dicke kann erschlossen werden, dass die beiden Scherben von unterschiedlichen Ausführungen des selben Gefäßtypus stammen. Solche Keramik wurde von der Mitte der 18. Dynastie bis zur 20. Dynastie produziert.

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© Seminar für Ägyptologie und Koptologie der Universität Göttingen,
Fotos: Stephan Eckardt / Zeichnung: Eva Engel


Objektdaten:

  • Gefäßscherbe mit blau-weißer Bemalung (Fragment 1): Vorderseite (links), Rückseite (Mitte) und Zeichnung (rechts)
  • Nilton
  • Neues Reich, evtl. 18. Dynastie, um 1550-1292 v. Chr.




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© Seminar für Ägyptologie und Koptologie der Universität Göttingen,
Fotos: Stephan Eckardt / Zeichnung: Eva Engel


Objektdaten:

  • Gefäßscherbe mit blau-roter Bemalung (Fragment 2): Vorderseite (links), Rückseite (Mitte) und Zeichnung (rechts)
  • Nilton
  • Neues Reich, evtl. 18. Dynastie, um 1550-1292 v. Chr.




Napf aus Kubanija

Das Gefäß trägt Kees‘ Notiz „Koubanieh ” auf der Innenseite. Form, Polierspuren innen und außen sowie die nach dem Brand aufgebrachte Ritzmarke auf der Außenseite erlauben eine Datierung in die 1. Dynastie.

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© Seminar für Ägyptologie und Koptologie der Universität Göttingen,
Fotos: Stephan Eckardt / Zeichnung: Eva Engel


Objektdaten:

  • Fragment eines Napfes aus Kubanija: Außenansicht (links), Innenansicht (Mitte) und Zeichnung (rechts)
  • Mergelton
  • Frühzeit, 1. Dynastie, um 2982-2803 v. Chr.




Fragment eines sogenannten Weinkruges mit Ritzmarke

Das Fragment gehört zu einem sogenannten Weinkrug, der eine typische Fundgruppe aus Elitegräbern der 1. Dynastie darstellt. Gefäße mit ganz ähnlichen Ritzmarken wurden z. B. in Abydos und Saqqara entdeckt. Die Funktion der Ritzmarken ist nach wie vor umstritten; vermutet werden Angaben zu Inhalt, Herkunft oder zur Produktionsstätte der Gefäße. Beischriften auf Stelen weisen auf Wein als Inhalt dieser hohen, schmalen Gefäße hin, archäologische Befunde lassen auch an eine andere, eventuell sekundäre Verwendung für Fisch oder Fleisch denken. Kees hinterließ keine Herkunftsangaben zu diesem Fragment.

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© Seminar für Ägyptologie und Koptologie der Universität Göttingen,
Fotos: Stephan Eckardt / Zeichnung: Eva Engel


Objektdaten:

  • Fragment eines Weinkruges mit Ritzmarke: Vorderseite (links), Rückseite (Mitte) und Zeichnung (rechts)
  • Nilton
  • Frühzeit, 1. Dynastie, um 2982-2803 v. Chr.