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Veranstaltungsreihe "Alle Gleich Anders!? - Diversity in Theorie und Praxis"

„Klassismus an Hochschulen“ – Veranstaltungen im Sommersemester 2022


In der Veranstaltungsreihe „‚Alle gleich anders?!‘ Diversität in Theorie und Praxis“ steht in diesem Jahr das Thema „Klassismus an Hochschulen“ im Mittelpunkt. Benachteiligungen im Bildungssystem aufgrund der sozialen Herkunft und der sozialen Klasse werden für den Schulbereich bereits seit den 1970er Jahren breit beforscht und diskutiert – und durch PISA, IGLU & Co. regelmäßig in das öffentliche Gedächtnis gerufen. Hingegen verbleiben klassistische Diskriminierungen im Studium und im Wissenschaftsberuf eher unter dem gesellschafts- und hochschulpolitischen Radar. Eine stärkere Thematisierung von sozioökonomischen Ungleichheiten in den Hochschulen wird in den letzten Jahren von engagierten (angehenden) Erstakademiker*innen und Arbeiter*innenkindern vorangetrieben. Hierbei wird aufgezeigt, wie Abwertungen und Ausgrenzungen aufgrund von sozialer Herkunft und Klasse im Universitätsalltag – auf dem Campus, in der Lehre und in der Forschung – stattfinden. Wie Hochschule und Wissenschaftskulturen auf der Grundlage von spezifischen Vorstellungen von ‚Normal-Studenten‘ und ‚Wissenschaftlern‘ operieren, ohne dies sichtbar zu machen oder kritisch zu reflektieren. Wie Leistung und Exzellenz nicht genügen, um die besten Noten, Abschlüsse und renommierte Stellen zu bekommen. Diesen Themen widmen sich die Veranstaltungen im Sommersemester 2022.

Eingeladen sind Studierende, (angehende) Promovierende, Lehrende und Beschäftigte der Universität Göttingen und der Thüringer Hochschulen sowie die interessierte Öffentlichkeit.

Zu allen Veranstaltungen sind Anmeldungen notwendig. Anmeldungen zu den einzelnen Veranstaltungen sind direkt unten bei den jeweiligen Veranstaltungen möglich.

Die Veranstaltungen

Mo., 23.05.2022, 13:15 - 14:45 Uhr
„Klassismus beschreibt eine Diskriminierung aufgrund von Klassenherkunft oder Klassenzugehörigkeit. Klassismus richtet sich gegen Menschen aus der Armuts- oder Arbeiter*innenklasse, zum Beispiel gegen einkommensarme, erwerbslose und wohnungslose Menschen oder Arbeiter*innenkinder." (Seeck 2020) Der Vortrag führt in die Forschung zur Diversitäts- und Diskriminierungsdimension Klassismus ein und beleuchtet Fragen wie: Warum sollten wir über Klassismus sprechen? Was bedeutet Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft? Welche Logiken liegen ihr zugrunde?

Referent*in: Dr.*in Francis Seeck (HU Berlin) | promovierte Kulturanthropolog*in, Antidiskriminierungstrainer*in und Autor*in.

Der Vortrag wird vom Institut für Diversitätsforschung der Universität Göttingen organisiert und ist offen für alle Interessierten..

Do., 16.06.2022, 18:00–20:00 Uhr, Zoom
In der moderierten Podiumsdiskussion sprechen Expert*innen zu Klassismus und sozialer und ökonomischer Ungleichheit als Erfahrungsraum, Forschungsfeld und Gegenstand von eigenem Aktiv-Werden: Welche Missstände und Herausforderungen werden sichtbar, wenn Hochschulen aus biographisch und fachlich heterogenen Perspektiven klassismuskritisch betrachtet werden? Welche Strategien haben Institutionen, um Klassismus sichtbar zu machen, ihm aktiv entgegen zu wirken und ihn zu vermeiden? Welche Handlungsoptionen haben Lehrende und Studierende, um Klassismus im gemeinsamen Hochschulalltag und auf dem Campus möglichst nicht zu (re-)produzieren? Und was kann Betroffenen von Klassismus helfen, um sich gegen institutionelle und/oder individuelle Diskriminierung zu wehren?

Die Podiumsdiskussion ist offen für alle Interessierten.

Referent*innen
Tanja Abou ist Sozialarbeiterin, queere Poverty-Class-Akademikerin, Social-Justice-Trainerin, Care-Leaverin, Gründungsmitglied des Instituts für Klassismusforschung, systemische Therapeutin, DJ und Kinderbuchautorin. Sie lebt und arbeitet in Berlin, wenn noch Zeit bleibt, schreibt und zeichnet sie darüber.

Dr.in Ann-Kristin Kolwes ist Expertin im Bereich Bildungsgerechtigkeit, mit den Schwerpunkten Implementierung und Durchführung von Maßnahmen zur Unterstützung von Erstakademiker*innen an Hochschulen. Sie ist promovierte Historikerin und kommt selbst aus einem nichtakademischen Elternhaus. Seit 2014 setzt sie sich aktiv für mehr Bildungsgerechtigkeit im deutschen Hochschulsystem ein. Sie ist Gründungsmitglied des gemeinnützigen Vereins Erste Generation Promotion und seit 2017 dessen Vorsitzende. An der Universität zu Köln hat sie das deutschlandweit einzigartige Programm Erste Generation Promotion Mentoring+ aufgebaut.

Sahra Rausch promoviert seit 2017 in den Fächern Soziologie und Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Université Paris 1 Panthéon- Sorbonne zu postkolonialen Erinnerungspolitiken in Deutschland und Frankreich. Zuvor hat sie Politik und Geschichte in Erfurt, Berlin, Lyon und Ankara studiert. Neben ihrem Interesse an der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit kolonialen und ostdeutschen Vergangenheiten setzt sie sich gewerkschaftlich für gute Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft ein. Aktuell arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Wissenschaftliche Koordinationsstelle „koloniales Erbe Thüringen“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Ayla Satilmis ist Politikwissenschaftlerin mit langjährigen Lehr- und Forschungserfahrungen im Bereich soziale Ungleichheit und Diskriminierung. An der Universität Bremen (Fachbereich Kulturwissenschaften) ist sie verantwortlich für das fächerübergreifende Progamm enter science. Zudem bietet sie als freiberufliche Referentin Vorträge und Workshops an. Arbeitsschwerpunkte: Hochschulöffnung und Antidiskriminierung, Rassismuskritik in Lehr-Lern-Settings, Diversität & Intersektionalität in der Hochschuldidaktik, Demokratisierung des Wissenschaftsbetriebs.

Vertr. Prof. Dr. Miklas Schulz: "Man frage mich nicht, wer ich bin und man sage mir nicht, ich solle der Gleiche bleiben“ (M. Foucault) Vertr. Prof. Dr. phil., Miklas Schulz, ist promovierter Soziologe und Medien-/Kommunikationswissenschaftler. Er vertritt seit April 2019 die Professur Inklusive Pädagogik und Diversität am Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Critical Blindness/Disability Studies; Diversitäts- und Intersektionalitätsforschung; Körper-/Kultur-/Mediensoziologie, Qualitative Methoden, Dispositivanalyse; (Auto-)Ethnografie.

Moderation
Dr.in Daniela Heitzmann | Referentin Diversity Policies im Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Die Podiumsdiskussion ist offen für alle Interessierten.

Die Podiumsdiskussion wird in einem parallelen Zoom-Meeting in Deutsche Gebärdensprache (DGS) übersetzt.


Do., 30.06.22, 14.00-16.00 Uhr, online
Die Chance auf Hochschulbildung ist noch immer eng mit dem Elternhaus verknüpft. Studienstart und -bedingungen variieren je nach sozialer Herkunft sehr stark. Die Veranstaltung richtet sich an Mitarbeitende der Thüringer Hochschulen und möchte die besondere Situation von Erstakademiker*innen beleuchten. Das erwartet Sie:

  • Herausforderungen und Potenziale Studierender aus nichtakademischen Familien
  • Vorstellung der Organisation ArbeiterKind.de
  • Reflexion der eigenen Bildungsgeschichte der Teilnehmer*innen
  • Erarbeiten von Handlungsansätzen für die Hochschule


Referent*innen
Anna Chombe, Bundeslandkoordinatorin, ArbeiterKind.de Thüringen
Jasmin Friese, Bundeslandkoordinatorin, ArbeiterKind.de Sachsen & Sachsen-Anhalt

Der Workshop richtet sich an Mitarbeitende der Thüringer Hochschulen
Anmeldung bitte per Mail an chombe@arbeiterkind.de .


Fr., 01.07.22, 09:30-17:30 Uhr an der Universität Göttingen, der Veranstaltungsraum wird nach erfolgreicher Anmeldung bekanntgegeben.
Wer in erster Generation studiert, ist hier genau richtig: Der Workshop mit Tanja Abou ist ein Angebot, um einander besser kennen zu lernen, sich gegenseitig zu empowern und sich gemeinsam gegen Klassismus einzusetzen.

Referent*in: Tanja Abou, Sozialarbeiterin, queere Poverty-Class-Akademikerin, Social-Justice-Trainerin, Care-Leaverin, Gründungsmitglied des Instituts für Klassismusforschung, systemische Therapeutin, DJ und Kinderbuchautorin. Sie lebt und arbeitet in Berlin, wenn noch Zeit bleibt, schreibt und zeichnet sie darüber.

Der Empowermentworkshop ist nur für Studierende in erster Generation gedacht, die an der Universität Göttingen studieren.
Falls es mehr Anmeldungen als Plätze gibt, wird gelost. Der Workshop ist kostenlos.
Hier geht es zur Anmeldung für den Empowermentworkshop.

Information zur Barrierefreiheit

Die Veranstaltungsorte sind barrierefrei zugänglich. Die Podiumsdiskussion wird in deutsche Gebärdensprache übersetzt. Die Veranstaltungsräume finden Sie im digitalen Lageplan der Universität Göttingen.

Zur Veranstaltungsreihe

Der Begriff „Diversität“ beschreibt ein gesellschaftliches Phänomen und eine Praxis: Dabei geht es sowohl um soziale Verschiedenheiten und Gemeinsamkeiten zwischen Menschen, als auch um die Unterscheidungen, die wir im Alltag vornehmen, um damit einhergehende Diskriminierungen und Privilegierungen und um die aktive Gestaltung von Diversitätspolitik. Diese soll Potenziale von Menschen fördern und zugleich Schutz bieten vor Diskriminierung. Inzwischen ist das öffentliche Interesse an Diversität gewachsen: Wirtschaftsunternehmen, Verwaltungen sowie Hochschulen werben mit ihrem Engagement und die so genannte „Diversity-Kompetenz“ wird im Berufsleben immer stärker gefordert. Doch was bedeutet Diversität eigentlich genau? Und inwiefern ist das Thema relevant für die Universität und das studentische Leben?
Unter dem Titel „‚Alle Gleich Anders!?‘ Diversität in Theorie und Praxis“ bietet die Veranstaltungsreihe Einblicke in aktuelle Fragen der Diversitätsforschung, fragt nach den Möglichkeiten der praktischen Umsetzung in verschiedenen beruflichen Feldern und nimmt dabei auch einzelne Diversitätsdimensionen, wie z.B. Behinderung, soziale Herkunft und Geschlecht in den Blick.