Institutskolloquium SoSe 2021

Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie an der (Ost)Europäischen Peripherie: Gender, Nation, Dekolonisierung?


Als Prüfungsleistung verfasst ihr/verfassen Sie bitte ein Protokoll gemäß des jeweiligen Moduls (B.KAEE 113, 114, 301 sowie M.KAEE 221), das sich schwerpunktmäßig mit einem der Vorträge befasst, aber auch Verbindungen zu mindestens zwei weiteren Vorträgen herstellt (1-2 Seiten, insgesamt max 6 Seiten, Zeilenschaltung 1). Die Protokolle sind bis 15.08.2021 per Mail an Carna Brkovic einzureichen. Nähere Informationen folgen mit der Vortragsauswahl. Bei Rückfragen wendet euch/wenden Sie sich bitte an Carna Brkovic (carna.brkovic@uni-goettingen).


Wenn Europa von den Rändern gedacht wird, was ist in diesem Kontext die Beziehung zwischen Theorie und Ethnographie in der Kulturanthropologie/Europäischen Ethnologie? Hilft die kulturanthropologische Theorie von den Rändern dabei, marginalisierte ebenso wie (west-) zentralisierte Orte anders zu verstehen? Diese Fragen werden in dem Sommersemester KAEE Kolloquium mit einem breiten, vergleichenden Blick auf die Produktion neuer europäischer Bereiche (UK/Brexit) und auf die (weiteren) bestehenden Ränder in (Süd-) Osteuropa, betrachtet. (Süd-) Osteuropa stellt hierbei unerwartete Herausforderungen an die konventionellen Analyserichtungen der Kulturanthropologie. Kritisch über eine Region zu schreiben, die hegemonial als „rückständig“ dargestellt wird, birgt die Gefahr, sich wiederholt auf die klassische Modernisierungstheorie oder evolutionistische Ideen von Europa, der Zivilisation und des Fortschritts zu beziehen. Folgt man den historischen Linien der Differenzierung zwischen ethnographischer Feldforschung und theoretischem Schreiben in der deutschen Kulturanthropologie, bestand ein Lösungsweg darin, sich auf das Produzieren von fundiertem, empirischen Wissen zu fokussieren, statt (weiterhin) auf kritisch-theoretische Analysen zu (Süd-) Osteuropa. Mit steigender Tendenz gibt es bereits Kulturanthropolog_innen, die weiterentwickelte theoretische Analysen zu (Süd-) Osteuropa auf der Grundlage von tiefgründiger empirischer Feldforschung entwickeln. In diesem Kolloquium werden diverse Untersuchungen mit einer kritisch-theoretischen Perspektive innerhalb einer ethnographischen und historisch sensiblen Forschung vorgestellt, um damit neues Wissen über die europäischen Ränder zu generieren. Die verschiedenen Sitzungen werden sich damit befassen, wie wir die Peripherie (und Dekolonisierung), Geschlechter und Nationen/Nationalismen kritisch untersuchen können, ohne dabei auf Modernisierungsdiskurse der Europäisierung zurückzugreifen: Wie sieht eine „dekolonisierte Perspektive“ aus und wie kann kritische Theorie mit empirischer Forschung im Kontext der europäischen Ränder verbunden werden?

Programm

Mittwochs, 18:00 – 20:00 Uhr
Die Veranstaltungen finden via Zoom statt. Interessierte melden sich bitte bei Hanna Bömke unter h.boemke@stud.uni-goettingen.de um die Zugangsdaten zu erhalten


21.04.21: "Erinnerungskultur - Nationalismus - Östliches Europa: Ethnografische Wissensproduktion in marginalisierten Forschungsfeldern der Europäischen Ethnologie"

Vortrag und Diskussion mit PD Dr. Marketa Spiritova (LMU München).

05.05.21 / 19:30 - 20:30 Uhr: “How Did it Come to This? Brexit, Euroscepticism and the Rise of Angry Politics”

Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Cris Shore (Goldsmiths, London).

19.05.21: "Paradoxes of Europeanization: Researching Hungarian Neo-Nationalism Between (German) West-Centrism and Epistemic Double Binds"

Vortrag und Diskussion mit Katrin Kremmler (HU Berlin).

26.05.21: "Native Son and Blood Ties: The Poetics of Patronage in Kyrgyzstan"

Vortrag und Diskussion mit Dr. Aksana Ismailbekova (Leibniz Zentrum Moderner Orient, Berlin).

02.06.21: "Understanding the Rise and the Mainstreaming of the Far-Right on the European Semi-Peripheries. Ethno-Nationalism, Memory-Politics and the Mobilization of Collective Resentment in Hungary"

Vortrag und Diskussion mit Dr. Margit Feischmidt (Ungarische Akademie der Wissenschaften, Budapest).

09.06.21: Vorstellung des Lehrforschungsprojekts Humanitäre Landschaften und Bürger*innengesellschaft auf dem Balkan

Vortrag und Diskussion mit Studierenden des Masters KAEE(Universität Göttingen).

16.06.21: "Zwischen Großmacht-Chauvinismus und Dekolonisierung: Konstruktion der „einfachen Leute“ aus der anti- und prowestlichen Position in Russland"

Vortrag und Diskussion mit Olga Reznikova (Universität Göttingen).

23.06.21: "‘Where Ugly Things Happen Unseen’: Urban Marginality in Eastern Europe and What it Tells Us About Europe(an Ethnology)"

Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Ger Duijzings (Universität Regensburg).

07.07.21: "Covid, Brexit, Kalter Krieg. Marginalisierung und Grenzüberschreitung im Ethnografieren west/mittel/ost-europäischer Gegenwarten"

Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Katharina Eisch Angus (Universität Graz).

14.07.21: "Thinking Europe Otherwise: Lessons from the Caribbean"

Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Manuela Boatca (Universität Freiburg).