Forschungsprojekt zur Erschließung des Göttinger Grass-Archivs

Günter Grass als Buchgestalter


Im Oktober 2018 hat die Volkswagen-Stiftung ein auf zwei Jahre ausgelegtes, vom Lehrstuhl von Heinrich Detering und der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) beantragtes Projekt zur Erschließung des Göttinger Grass-Archivs bewilligt, das kurz zuvor im September von der Universität Göttingen treuhänderisch übernommen worden war.

Das Göttinger Grass-Archiv dokumentiert die gesamte, über dreißig Jahre dauernde Zusammenarbeit zwischen dem Künstler und dem Göttinger Steidl-Verlag: Es enthält Korrespondenzen, Fahnenabzüge, Bildentwürfe und buchgestalterische Konzepte, Probedrucke, Kataloge und Werbematerialien sowie zahlreiche weitere Dokumente. Der Bestand wird ergänzt durch eine vollständige Sammlung von Grassʼ Druckgraphik, ein umfangreiches Fotoarchiv, ein Tonarchiv der in diesen dreißig Jahren zumeist von Grass eingelesenen neuen und älteren Werke, Grass-Lizenzausgaben und -Übersetzungen aus aller Welt sowie eine Dokumentation der kritischen Rezeption.

Damit bildet das Göttinger Archiv eine Verbindung zwischen der Grass-Sammlung der Berliner Akademie der Künste, das den größten Teil des literarischen Nachlass bewahrt, und dem Lübecker Grass-Haus, das sich auf die bildkünstlerischen Arbeiten konzentriert. Der Göttinger Bestand dokumentiert vor allem den Buchgestalter Günter Grass, der Bücher als Kunstwerke aus Text und Bild, typographischer und graphischer Gestaltung verstand und konzipierte. Eben diese Leidenschaft war ein wesentlicher Grund für seinen Wechsel zum Verlag Steidl 1986; erst gemeinsam mit seinem Göttinger Verleger konnte Grass seine Vorstellungen befriedigend realisieren.

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In der Kunst der Buchgestaltung liegt die vielleicht wichtigste, weltweit sicher wirkungsmächtigste Leistung des Bildkünstlers Grass: Jeder Literaturliebhaber hat bei der Erwähnung der Blechtrommel auch den Umschlag des Buches vor Augen; die tanzenden Buchstaben von Grimms Wörter und die düsteren Tuschzeichnungen des Indienbuches Zunge zeigen sind mindestens so bekannt geworden wie die Geschichten, die diese Bücher erzählen. Die Reihe ließe sich fortsetzen bis zum unmittelbar nach Grass᾿ Tod erschienenen letzten Werk Vonne Endlichkait.

Ziel des von der VW-Stiftung geförderten Forschungsvorhabens ist eine Erschließung des Archivs für die Wissenschaft und für die interessierte Öffentlichkeit, es soll unter anderem in Publikationen und Ausstellungen sichtbar werden. Der Projektbeginn soll im Januar 2019 sein.


Projektmitarbeiter


  • Katrin Wellnitz, MA
  • Svenja Brand, studentische Hilfskraft