Aktuelles

Ankündigung



Call for Paper: Friktionen. Für eine politische Wissensgeschichte des Ausstellens

Ausstellungen sind das Ergebnis vielschichtiger Prozesse, in denen unterschiedliche Akteur:innen, Fachkulturen und Wissensbestände innerhalb von institutionellen, räumlichen, technischen, ökonomischen und politischen Bedingungen aufeinandertreffen. Nicht selten ist der Ausstellungsprozess von Spannungen und Konflikten gekennzeichnet. Die Abschlusstagung des Forschungskollegs „Wissen | Ausstellen. Eine Wissensgeschichte von Ausstellungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ nimmt daher den Begriff der Friktionen in den Blick. Friktionen (lat. frictio, Reibung) verstehen wir nicht nur als kritische, widerständige, heterogene und unstete Phänomene, die ein Machtfeld unterbrechen oder irritieren, sondern ebenso als machtstabilisierende und generative Momente in Transformationsprozessen.[1] „Hegemony is made as well as unmade with friction” schreibt die Kulturanthropologin Anna Lowenhaupt Tsing.[2] Gerade in der musealen und kuratorischen Praxis kommt es zu solchen Friktionen, die die ausstellenden Institutionen herausfordern, die bewältigt und ausgeglichen werden müssen und die zuweilen auch produktiv und fruchtbar gemacht werden. Die Betrachtung dieser Ambivalenzen bietet sich für eine Erforschung des wechselseitigen Verhältnisses von Wissen und Ausstellen geradezu an, denn auf diese Weise können sowohl Beharrungstendenzen, als auch (Neu-)Produktionen von kulturellem Wissen sichtbar gemacht werden.

Im Fokus der Tagung steht der explizit politische Charakter von Wissensgeschichte(n).[3] Das in Ausstellungen exponierte Wissen ist – anders als häufig angenommen – nicht evident, sondern vorläufig, dynamisch, situiert und nicht zuletzt umstritten.[4] Museen und Ausstellungen sind Austragungsorte für Kämpfe und Debatten um Deutungen, Repräsentation und Teilhabe und daher eng mit Machtverhältnissen und Hierarchien verbunden. Die Tagung versammelt Fallstudien, welche die politischen Dimensionen der Wissensgeschichte herausarbeiten, und damit Kräfte- und Machtverhältnisse sowie das Aushandeln und Ordnen im Ausstellungskomplex aufzeigen. Solche Aushandlungsprozesse können insbesondere über eine involvierte, intervenierende Forschungspraxis untersucht werden, die in der Arbeit des Graduiertenkollegs in Form eines Praxisjahrs in Partnermuseen programmatisch angelegt ist. Vor dem Hintergrund dieser praxeologischen Forschung im Kolleg plädiert die Tagung für eine Konzeption von Wissensgeschichte als politische Praxis. Sie fragt nach den Spannungen zwischen Theorie und Praxis, nach historischen Verwerfungen in Ausstellungsprojekten, folgt dem Einhegen von Kontingenzen durch das Kuratieren, dem Umgang mit oder gar der Produktion von unbehaglichen Brüchen und diskutiert so einen friktionszentrierten Blick als Form der Kritik.

PODIUMSDISKUSSION: Friktionen zwischen Theorie und Praxis
Welche Herausforderungen birgt ein Erforschen der kuratorischen Praxis durch die Praxis selbst? Teil des Forschungskollegs war eine einjährige Feldphase in verschiedenen Museen, um an konkreten Ausstellungsprojekten mitzuarbeiten. Welche Brüche, Spannungen und Konflikte sind in dieser Konstellation zu Tage getreten? Wie ließ sich mit ihnen umgehen? In welches Verhältnis können Theorie und Praxis für die Erforschung von Wissensgeschichte(n) gerückt werden? Und welche Effekte zeigten sich in den beteiligten Institutionen? Auf dem Panel kommen Vertreter:innen aus den Kooperationsmuseen, aus dem Kreis der Kollegiatinnen und anderer vergleichbarer Forschungsprogramme zu Wort.

PANEL I: Historische Friktionen. Kuratieren in der DDR zwischen Einklang und Widerstand
Die kulturwissenschaftliche Forschungs- und Museumslandschaft der DDR, ihre kuratorischen Praktiken und Ausstellungen bilden ein weites, jedoch über lange Zeit weitgehend ignoriertes Feld.[5] Ein Hauptgrund für diese Schieflage liegt im pauschalen Vorwurf totaler und zentralistischer staatlicher Kontrolle, die eine im weitesten Sinne ‚objektive‘ wissenschaftliche Arbeit verhindert und stattdessen für ideologisch verfärbte Ergebnisse gesorgt habe.[6] Im Mittelpunkt des Panels steht die Erforschung einer Ausstellungspraxis, die nicht nur mit starren, (kultur-)politischen Strukturen und Hierarchien konfrontiert war, sondern zugleich auch Möglichkeiten des Umgehens und des Widerstandes suchte.

PANEL II: Friktionen einhegen: Kompromiss – Glätten – Kuratieren
Kuratieren lässt sich als transformierende Praxis verstehen, die Brüche und Kontingenzen in eine stringente Erzählung überführt. Solche Glättungen können auf inhaltlicher Ebene beobachtet werden oder Aushandlungsprozesse im Rahmen der Konzeption der Ausstellung verbergen. Glättungen sind darüber hinaus auch an Sammlungsobjekten feststellbar, denen im Prozess ihrer Präparierung oder Restauration ein bestimmtes Wissen und bestimmte Funktionen eingearbeitet werden. Das Panel widmet sich diesen Prozessen der Vereinheitlichung und seinen Bedingungen. Im Fokus stehen Formen der Reduktion von Komplexität und Navigation um umkämpfte Deutungshoheiten, sowie der Kompromiss verschiedener und zum Teil gegenläufiger an die Ausstellung gerichteter Bedürfnisse.

PANEL III: Friktionen produzieren, Unbehagen kuratieren
Konflikte verursachen Reibung und Reibungsverlust, Hitze, Bewegung und Widerstand und das ist (zuweilen) unbehaglich. Wie keine andere Debatte fordert die von der postkolonialen Theorie beeinflusste Kritik am Museum die Positionierung der Forschenden und der Institution ein. Sich die weiße Sprecher:innen-Position oder die eigene Verstrickung in Herrschafts- und Gewaltverhältnisse bewusst zu machen, kann Unbehagen auslösen, das zunehmend von einer kuratorischen Praxis eingefangen und produktiv gemacht werden soll. Auch die Inszenierung menschlicher Körperteile ist gekennzeichnet von einem moralischen Konflikt zwischen Schaulust und respektvoller Zurückhaltung. An den Beispielen der postkolonialen Museologie und dem Umgang mit menschlichen Überresten adressiert das Panel das Verhandeln und gleichzeitige Erforschen solcher Reibungen: Wie lässt sich Unbehagen und der Umgang mit Emotionen (verantwortungsvoll) kuratieren? Und wie können diese museologisch erforscht werden? Welche (impliziten) ethischen Maximen liegen dem Ausstellen zugrunde, welche werden reflektiert und umgesetzt?

PANEL IV: Instituierende Praktiken und Gegen-Geschichten. Friktionen als Hegemoniekritik
Museale Räume sind politische und umkämpfte Orte der Wissensproduktion, die insbesondere durch gegenhegemoniale Akteur:innen und ihre Praktiken herausgefordert werden. Dass Ausstellungen gesellschaftliches Wissen und Öffentlichkeiten verhandeln, bedeutet auch, ihnen eine aktive Rolle in der (Re-)Produktion und Transformation von Ungleichheitsverhältnissen zuzusprechen. In diesem Panel stehen sogenannteinstituierende Praktiken im Fokus, die Allianzen mit anderen politischen und sozialen Bewegungen und Diskursen außerhalb des musealen Feldes eingehen, um bestehende Machtverhältnisse zu kritisieren und eine Veränderung durch die Intervention in und über bestehende museale Institutionen zu bezwecken.

PANEL V: Akademische Friktionen. Herausforderungen einer praxeologischen Forschung
In diesem Panel geht es um die Reflexion der multimethodischen und praxeologischen Forschung am Graduiertenkolleg. Wie und mit welchen Methoden lässt sich implizites oder Praxiswissen in kuratorischen Prozessen erforschen? Wie kann mit der Materialität und der Kontingenz des Feldes umgegangen werden, mit Zufällen, Verselbstständigungen, Archivfunden und Barrieren, mit den Auswirkungen der Pandemie und sich verändernden Rahmenbedingungen? Zu welchen Neuausrichtungen und Methodologien führen die verschiedenen Involvierungen im Feld, in den Fachdisziplinen und im interdisziplinären Kollegsverbund?

OFFENES FORMAT: Künstlerische/Aktivistische Friktionen
In einem bislang noch offenen Format – z.B. Installation, Intervention, Videoarbeit etc. – wird es darum gehen, Friktionen mit künstlerischen, ästhetischen Mitteln zu begreifen. Ein künstlerischer oder aktivistischer Beitrag kann sich dabei auf die institutionellen Bedingungen jener Orte beziehen, in denen Wissen verhandelt und hervorgebracht wird, also etwa Museen, Galerien, Universitäten, Sammlungen. Auf diese Weise wird die Beziehung zwischen Ausstellen und Wissen, zwischen Kunst und Wissenschaft, Theorie und Praxis sowie zwischen Forschung und Museum hinterfragt. Hier könnten auch Materialien und Zeugnisse aus der Forschung des Kollegs wie etwa Blogbeiträge, Fotografien aus den Museen oder dem Arbeitsalltag einfließen, um eine visuelle Reflexionsebene des Forschungsprozesses zu eröffnen.

ORGANISATORISCHE INFORMATIONEN
Bitten senden Sie ein Proposal von max. 3.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen), kurzer Vita und Zuordnung zu einem Panel bis spätestens zum 31.07.2022 an wissen.ausstellen@uni-goettingen.de. Das Tagungsformat wird in Abhängigkeit von der pandemischen Lage und vorbehaltlich der Bewilligung der Mittel durch die VolkswagenStiftung durchgeführt. Im Falle einer Präsenzveranstaltung können die Reisekosten übernommen werden. Konferenzsprache ist Deutsch.

[1] Vgl. Karp, Ivan; Kratz, Corinne A. et al. (Hg.): Museum Frictions. Public Cultures/Global Transformations. Durham, London: Duke University Press 2006.
[2] Tsing Lowenhaupt, Anna: Friction. An Ethnography of Global Connection, Princeton/Oxford 2005, S. 6.
[3] Vgl. jüngst Wulz, Monika; Stadler, Max; Güttler, Nils; Grütter. Fabian (Hg.): Deregulation und Restauration. Eine politische Wissensgeschichte. Berlin 2021.
[4] Vgl. Krüger, Klaus; Werner, Elke Anna et al. (Hg.): Evidenzen des Expositorischen. Wie in Ausstellungen Wissen, Erkenntnis und ästhetische Bedeutung erzeugt wird. Bielefeld: transcript 2019 oder Thiemeyer, Thomas: Das Museum als Wissens- und Repräsentationsort, in: Markus Walz (Hg): Handbuch Museum. Geschichte, Aufgaben, Perspektiven, Stuttgart: Metzler 2016, S. 18-21.
[5] Erst aktuell verstärkt: Vgl. Hans Joachim Neidhardt: Über dem Nebelmeer. Lebenserinnerungen, Dresden 2020, S. 156. Vgl. außerdem: Mareile Flitsch/Karoline Noack: Museum, materielle Kultur und Universität. Überlegungen zur Parallelität und Zeitgenossenschaft der DDR/BRD-Ethnologien im Hinblick auf eine Standortbestimmung mit Zukunftsaussichten, in: Zeitschrift für Ethnologie 144 (2019), S. 163–198.
[6] Vgl. Flitsch/Noack 2019, S. 166.




Archiv


Vortrag: 10.05.2022, 18:00–19:30 Uhr
Ort: Historische Sternwarte, Geismar Landstr. 11, Göttingen

Workshop: 11.05.2022, 10:00–13:00 Uhr
Ort: Historische Sternwarte, Geismar Landstr. 11, Göttingen
Für den Workshop bitten wir um eine formlose Anmeldung bis 4.5.2022 unter wissen.ausstellen@uni-goettingen.de

Konzeption: Dr. Daniela Döring

Gegenwärtig sind Ausstellungen oft einem partizipativen Anspruch verpflichtet. Sie sollen die Besuchenden zur Mitwirkung, Reflexion und Kritik anregen und sie zugleich empowern. Ausstellungen werden damit idealiter als unabgeschlossene,dynamische und prozesshafte Formate konzipiert, die erst durch den Eigensinn, die Aneignung und Subjektivierungsweisen der Besucher:innen vollständig werden. Doch wie genau kann eine solche offene Ausstellung in der Praxis realisiert werden? Können Prozesse überhaupt ausgestellt oder gar initiiert werden, wenn das Ausstellungsmobiliar zunächst einmal stillstellt? Wie kann die Ausstellung zum Ort der Forschung und zum Labor für Unvorhersehbares werden? Und wie werden partizipative Offerten wiederum für bestimmte Zwecke der zeigenden Institution in Anspruch genommen? Im Mittelpunkt des Workshops steht die Frage, wie diese Ambivalenzen und Konstellationen untersucht werden können. Diskutiert werden dafür exemplarisch Fallbeispiele und Materialien aus den Forschungsarbeiten der Teilnehmenden.


Foto: Klara von Lindern

Elke Bippus ist Professorin für Kunsttheorie, Kunstgeschichte und Kunst an der Zürcher Hochschule der Künste. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u.a. Kunst der
Moderne und Gegenwart, Repräsentationstheorien, Kunst als epistemische Praxis und künstlerische Forschung. Dabei interessiert sie sich insbesondere für Fragen der Wissensproduktion und untersucht Kunst als dehierarchisierende und feministische Praxis.

Die Forschungslabore sind eine Veranstaltungsreihe des Graduiertenkollegs „Wissen | Ausstellen. Eine Wissensgeschichte von Ausstellungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“.


Plakat zum Forschungslabor VII



Roundtable: 25.04.2022, 18:15–19:45 Uhr
Ort: Zoom; Meeting-ID: 91815978066

Konzeption: Johanna Strunge und Farina Asche

Decolonize museums! A demand long fought for especially by BIPoC activists and much heard today. An imperative, however, that continues to point to a future, for hardly any museumin Europe today would already call itself a decolonial one. Debates that challenge the nature of museums are often characterised by such glimpses into the future, by the practice of imagining and visioning. In the discussion roundtable "Decolonial Futures of the Museum!?" we want to consider the debate about the future of museums with regard to the colonial past and post-colonial present of many museums: How helpful can future scenarios be towards the aim of decolonizing museums? Where are the challenges of shaping the future, especially from an often white-dominated perspective? When is talking about futures only used as a rhetoric? And can the decolonial museum of the future be a place of healing? We have invited Wayne Modest and Amal Alhaag from the National Museum of World Cultures (NL) to join us in this discussion. They are both museumthinkers and practitioners and have organised an ongoing discussion "A Future where Racismhas no Place" (2020/21).

* Amal Alhaag, Amsterdam-based curator and researcher, senior research & public programmer at the Research Center for Material Culture

* Wayne Modest, Director of Content of the National Museum of World Cultures, Professor of Material Culture and Critical Heritage Studies at the Vrije Universiteit,
Amsterdam

Die Forschungslabore sind eine Veranstaltungsreihe des Graduiertenkollegs „Wissen | Ausstellen. Eine Wissensgeschichte von Ausstellungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“.

Plakat zum Forschungslabor VI



Vortrag: 11.04.2022, 18:15–19:45 Uhr
Ort: ZHG 1.141

Interner Workshop: 12.04.2022, 10:00–13:00 Uhr
Ort: Einfach eine formlose Email an wissen.ausstellen@uni-goettingen.de senden. Den Veranstaltungsort erhalten Sie dann via Email.

Konzeption: Ramona Bechauf

Wie bringt man Fotografien zum Sprechen? Welche Geschichten verbergen sich im Motiv und im Material? Welche Geschichten kann man mit ihnen erzählen, wie kann man sie kontextualisieren? Im Forschungslabor werden historische Fotografien als Objekte historischer Forschung selbst und in ihrer Vermittlungsfunktion als Exponate in musealen Ausstellungen in den Blick genommen. In seinem Vortrag „Die NS Deportationen im Bild“ gibt Christoph Kreutzmüller erste Einblicke in das Forschungsprojekt „#Last Seen. Bilder der NS Deportation“ von Arolsen Archives und Partnern und berichtet von seinem praxeologischen und kuratorischen Umgang mit Fotografien. Im Workshop bietet er den Teilnehmer:innen die Möglichkeit anhand von historischen Fotografien genau hinzusehen und den eigenen Umgang mit Fotos in der eigenen wissenschaftlichen und kuratorischen Praxis zur Diskussion zu stellen.

Dr. Christoph Kreutzmüller ist Historiker, Pädagoge und Kurator in der Gedenk und Bildungsstätte Haus der Wannsee Konferenz und Arolsen Archives und arbeitete an der neuen Dauerausstellung des Jüdischen Museums Berlin mit. Zu seinen Forschungsinteressen gehören historische Fotografien der Shoah .

Die Forschungslabore sind eine Veranstaltungsreihe des Graduiertenkollegs „Wissen - Ausstellen. Eine Wissensgeschichte von Ausstellungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“.


Plakat zum Forschungslabor V



Auftakt: 21.03.2022, 10:00-18:30h
Abschluss: 22.03.2022, 10:00-13:30h
Ort: Tagungszentrum an der Sternwarte, Geismar Landstr. 11b, Geismar


Foto: Daniela Döring

Die letzte Klausurtagung des Kollegs „Wissen | Ausstellen“ dient erneut dazu, gemeinsam Text-entwürfe und -fragmente aus den Forschungsprojekten zu diskutieren, um die Weiterentwicklung der Qualifikationsarbeiten zu unterstützen. Die Diskussionen werden durch einen kurzen Kommentar der Erst- oder Zweitbetreuer:innen eingeführt, der zentrale Fragen und Spannungsfelder formuliert und ggf. vorstrukturiert. Auch die Kollegiatinnen bringen eigene Fragen mit.


Die Führung durch das FORUM WISSEN durch Dr. Marie Luisa Allemeyer war ein schöner Abschluss des ersten Tagungstages, Foto: Daniela Döring



Auftakt: 07.03.2022, 10:00-18:00h
Abschluss: 08.03.2022, 09:00-14:45h
Ort: Wien Museum, Depot in Himberg und Haus der Geschichte Österreichs
Koordination: Farina Asche

Das von der VolkswagenStiftung finanzierte Graduiertenkolleg „Wissen | Ausstellen“ zeichnet sich dadurch aus, dass die Kollegiatinnen ein Jahr der vierjährigen Förderlaufzeit in verschiedenen kooperierenden Museen verbringen und dort die Ausstellungspraxis erforschen. Geplant war, dass alle Kooperationsmuseen im Verlauf des Praxisjahres von den Kollegsmitgliedern besucht werden. Diese Besuche fielen pandemiebedingt größtenteils aus bzw. sind auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Im März konnte dann endlich der Besuch im Wien Museum bei Farina Asche nachgeholt werden. Farina Asche hat ein umfangreiches Programm erarbeitet und die Kollegiatinnen an die unterschiedlichsten Stationen mitgenommen. Zum Auftakt gab es eine Gesprächsrunde mit Matti Bunzl (Direktor Wien Musem) und Nathaniel Prottas (Vermittlungsleitung Wien Museum) sowie eine Baustellenbesichtigung des Wien Museum Neu.

Austausch der Kollegiatinnen mit Kolleg*innen des Wien Museum, Foto: Daniela Döring

Den Abschluss rundete ein Depotbesuch mit einer Führung durch Michaela Kronberger (Sammlungsleitung Objektwesen) und Frauke Kreutler (Leiterin Digitales Sammlungsmanagement) sowie ein Ausstellungsbesuch im Haus der Geschichte Österreichs ab.

Depotbesuch des Wien Museums mit einer Führung durch Michaela Kronberger und Frauke Kreutler, Foto: Daniela Döring



Interner Workshop mit Iris Rajanayagam: 02.02.2022, 10:00-13:00 Uhr
Ort: Zoom

Offene Gesprächsrunde: 10.02.2022, 19:00-20:30 Uhr
Mit und diskutieren: Aurora Rodonò, Iris Rajanayagam, Nora Landkammer
Ort: Zoom: Einfach eine formlose Email an wissen.ausstellen@uni-goettingen.de senden. Die Zugangsdaten erhalten Sie dann via Email.

Konzeption: Farina Asche unterstützt von Johanna Strunge und Lisa Ludwig

Kritik an musealen Repräsentationen und institutionellen Strukturen ist heute so unverzichtbar wie nie zuvor und dabei jedoch stets auch in Gefahr normalisiert zu werden. In jedem Fall ist Kritik, verstanden als „reflektierte Unfügsamkeit“ (Lorey 2010, 57), nicht ohne gesellschaftliche und ökonomische Verhältnisse zu denken. In der Gesprächsrunde „Von Kritik in Museen und Archiven: Wie ist eine andere Wissensproduktion möglich?“ wollen wir auf die Bedingungen und das Potenzial von Kritik blicken. Die praktischen wie theoretischen Expertisen der drei Referentinnen ermöglichen es, die Beziehungen zwischen Museum, Wissenschaft und Aktivismus hier besonders zu beleuchten. Ausgehend von der Frage, welches Wissen in Museen und Archiven in diesem Wechselspiel produziert und verhandelt wird, möchten wir nach den Möglichkeiten und Herausforderungen für eine kritische Wissensproduktion mit und gegen die Institutionen fragen, also das Infragestellen und Verändern dieser Wissensproduktion diskutieren: Können Museen zu Orten der Kritik werden? Wie ist eine diskriminierungskritische, feministische oder dekoloniale Wissensproduktion möglich? Welches Wissen bedarf es dafür und wie und von welchem Standpunkt aus lässt es sich produzieren? Wie kann es innerhalb der Institutionen Museum und Archiv Anwendung finden? An welchen Stellen begegnen uns im Museumsfeld hegemoniale Narrative und wie können diese herausgefordert und durchbrochen werden? Und vor welchen Herausforderungen steht eine nachhaltige Kritik?
Kurzum: Wir wollen in der Gesprächsrunde nicht nur den Begriff der Kritik im Museumsfeld reflektieren, sondern vor allem eine Praxis des Kritisierens diskutieren. Als Beispielschatz dazu dienen kleine wie große Vorbilder aus dem Museumsfeld, die Spuren jener Kritik offenbaren, die in bestehende hegemoniale Diskurse und Praxen eingreift.

Mit uns diskutieren:

Aurora Rodonò: Aurora Rodonò hat Italianistik, Philosophie und Kunstgeschichte studiert. Seit August 2019 ist sie Diversity-Managerin im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln. Sie ist außerdem Lecturer/Kulturarbeiterin und Aktivistin.

Iris Rajanayagam: Iris Rajanayagam ist Historikerin und arbeitet zu postkolonialer Theorie und Dekolonialität, Intersektionalität, Erinnerungspolitik(en) und Social Change. Sie ist Referentin für Diversität, Intersektionalität und Dekolonialität bei der Bundeszentrale für politische Bildung und ehemalige Leiterin der Organisation xart splitta.

Nora Landkammer: Nora Landkammer ist Kunstvermittlerin und forscht zu diesem Arbeitsfeld mit Schwerpunkt auf Rassismus- und Kolonialismuskritik in der Bildungsarbeit und in Kulturinstitutionen. Sie lehrt zu reflexiver Praxis in Vermittlung und Kunstpädagogik in Wien, Zürich und in München, wo sie aktuell Vertretungsprofessorin für Kunstpädagogik an der Akademie der Bildenden Künste ist.


Die Forschungslabore sind eine Veranstaltungsreihe des Graduiertenkollegs „Wissen - Ausstellen. Eine Wissensgeschichte von Ausstellungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“.


Plakat zur Gesprächsrunde am 10.02.2022


Öffentlicher Vortrag: 29.11.2021, 18:15-19:45 Uhr
Ort: Zoom: Einfach eine formlose Email an wissen.austellen@uni-goettingen.de senden. Die Zugangsdaten erhalten Sie dann via Email.

Workshop: 30.11.2021, 10:00-13:00 Uhr (Alle Plätze belegt!)
Ort: Zoom

Konzeption: Franziska Lichtenstein

Objekte gelangen in der Regel als Zeugnis für etwas in eine Ausstellung, weil ihnen in einem konkreten Kontext eine besondere Bedeutung zugeschrieben wird. Dadurch erhalten sie eine Rolle in einem Narrativ, das im Museum konstruiert, reproduziert oder hinterfragt wird. Das dritte Forschungslabor nimmt aus dieser Perspektive heraus Museen als Orte der Geschichts- und Erinnerungskultur sowie die Verflechtung von Dingbedeutung und Narrativität in den Blick. In ihrem Vortrag „Kelten ausstellen. Geschichtskulturen im deutsch-französischen Vergleich“ stellt Miriam Sénécheau Beispiele aus einer Analyse archäologischer Museen vor. Der anschließende Workshop beschäftigt sich anhand von Forschungen der Promovend:innen mit der Frage, welche Kontextualisierungen Objekte in den von ihnen untersuchten Museen erfahren und wie diese auf einer theoretischen Ebene zu fassen sind.

Dr. Miriam Sénécheau ist Mitglied der DFG-Forschergruppe 875 „Historische Lebenswelten in populären Wissenskulturen der Gegenwart“ und akademische Rätin an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Ihre Forschungsinteressen liegen in den Überschneidungsfeldern zwischen Ur-und Frühgeschichte, Geschichts- und Erinnerungskultur sowie Geschichtsdidaktik.

Die Forschungslabore sind eine Veranstaltungsreihe des Graduiertenkollegs „Wissen - Ausstellen. Eine Wissensgeschichte von Ausstellungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“. Nach einem öffentlichen Vortrag findet mit der Referentin ein Workshop statt, in dem die Teilnehmenden ihr Material zur Diskussion stellen können.

Für den Workshop bitten wir um Anmeldung unter wissen.ausstellen@uni-goettingen.de

Plakat Forschungslabor III mit PD Dr. Miriam Sénécheau


Öffentlicher Vortrag: 12.07.2021, 18:00-19:30 Uhr
Zoom: https://uni-goettingen.zoom.us/j/99433224577 | Meeting-ID: 994 3322 4577
Workshop: 13.07.2021, 10:00-14:00 Uhr (Anmeldung via Mail erforderlich)

Konzeption: Johanna Lessing

Das zweite Forschungslabor des Kollegs „Wissen – Ausstellen“ thematisiert forschungspraktische Herangehensweisen an flüchtige wissenschaftliche Objekte. Wie verschriftlicht man objektgebundenes und wie immaterielles Wissen? Wie kommen Situationalität und die eigene Positionierung sinnvoll in einen Text? Und wie lässt sich mit unschließbaren Lücken umgehen? Das sind Fragen einer Wissensgeschichte, die sich für schwer fassbares Wissen im Umgang mit Dingen interessiert und damit vor neuen methodischen Herausforderungen steht. Britta Lange stellt in ihrem Vortrag eigene Verfahrensweisen mit immateriellem Wissen vor. Der anschließende Workshop beschäftigt sich anhand von konkreten Beispielen aus den Forschungen der Teilnehmenden damit, wie dieses spezifische – immaterielle, flüchtige, situative oder sensible – Objektwissen fixiert und wissenschaftlich integriert werden kann.

Dr. Britta Lange ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie habilitierte sich 2012 mit der Untersuchung von Tonaufnahmen Kriegsgefangener während des Ersten Weltkriegs. Ihr Buch "Gefangene Stimmen" erschien 2019 im Berliner Kadmos Verlag. Zu ihren Forschungsinteressen gehören Kulturgeschichte und Kulturtheorien des 18. bis 21. Jahrhunderts, Konzepte materieller Kulturen, des Sammelns und Ausstellens, Wissensgeschichte, Kulturtechniken und koloniale und postkoloniale Konstellationen.

Die Forschungslabore sind eine Veranstaltungsreihe des Graduiertenkollegs „Wissen - Ausstellen. Eine Wissensgeschichte von Ausstellungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“. Nach einem öffentlichen Vortrag findet mit der Referentin ein Workshop statt, in dem die Teilnehmenden ihr Material zur Diskussion stellen können.

Für den Workshop bitten wir um Anmeldung unter wissen.ausstellen@uni-goettingen.de

Plakat Forschungslabor II mit PD Dr. Britta Lange


Vortrag: 09.06.2021, 18:00-19:30 Uhr
Workshop: 10.06.2021, 10:00-13:00 Uhr
Zoom: https://uni-goettingen.zoom.us/j/99433224577 | Meeting-ID: 994 3322 4577
Konzeption: Klara von Lindern (geb. Wagner)

Das erste Forschungslabor des Kollegs „Wissen | Ausstellen“ thematisiert praxeologische Zugänge zu Ausstellungsanalysen. Dabei werden Dimensionen der Ausstellungsproduktion und -rezeption in den Blick genommen, die sich in schriftlichen oder bildlichen Dokumentationen (historischer) Ausstellungen oftmals nur indirekt niederschlagen: dazu zählt das Praxiswissen der Kurator:innen, das implizite (Wahrnehmungs-)Wissen verschiedener Publikumsgruppen, aber auch der Ausstellungsbesuch als kulturell und historisch spezifische soziale Praxis. Sophia Prinz stellt in ihrem Vortrag ihre praxeologische Perspektive anhand von exemplarischen Ausstellungen vor. Im anschließenden Workshop werden mögliche Analysemethoden von implizitem, kuratorischen und Betrachter:innenwissen sowie konkrete Fallbeispiele der Teilnehmenden diskutiert. Für den Workshop bitten wir um Anmeldung unter wissen.ausstellen@uni-goettingen.de

Sophia Prinz ist im Studienjahr 2020/21 Fellow am Hamburg Institut for Advanced Study (HIAS). Zum Wintersemester 2021 wird sie die Professur für Designtheorie und -geschichte an der ZHdK, Zürich übernehmen. Zuvor war sie Gastprofessorin für Theorie der Gestaltung an der Universität der Künste, Berlin. Sie forscht u.a. zu Praktiken der Wahrnehmung, zur Ausstellung als ästhetisch-epistemologischem Medium sowie zur transkulturellen »Migration der Form« in der Globalen Moderne.

Plakat Forschungslabor I mit Prof. Dr. Sophia Prinz




Unter dem Coaching von Dr. Ella Grieshammer (Leiterin des Internationalen Schreiblabors, Universität Göttingen) sind die Kollegiatinnen in einem dreitägigen Schreibworkshop gemeinsam in die Textarbeit gegangen. Dabei wurden bisherige Texte bearbeitet, aber auch verschiedene Schreibmethoden besprochen und ausprobiert.




Die dritte Klausurtagung des Kollegs „Wissen | Ausstellen“ widmete sich der Diskussion von ersten Textentwürfen der Forschungsprojekte. Alle Rohfassungen wurden durch einen Kommentar der erstbetreuenden Professor:in eingeführt und gemeinsam sehr konstruktiv besprochen. Auf dem Programm standen auch ein informeller Austausch in anderen digitalen Räumen sowie der Besuch von virtuellen Ausstellungen.

Informeller Austausch im Spacial Chat, Klausurtagung März 2021



Ort: Digital
Moderation: Dr. Daniela Döring, Farina Asche

Im Fokus des zweitägigen Workshops stehen die Auswertung der Praxisphase und der Übergang in die Schreibphase. Begleitet von zwei Gastvorträgen soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit die Erkenntnisse aus der Praxis in die Forschung einfließen. Den Auftakt des Workshops bilden zwei Vorträge von Christine Gerbich (Doktorandin am CARMAH-Centre for Anthroplogical Research on Museums and Heritage) und Natalie Bayer (Leiterin des FHXP–Friedrichshain-Kreuzberg Museum).



In der Hamburger Kunsthalle erhalten die Kollegiatinnen einen Einblick in das Kupferstichkabinett sowie aktuell laufende Digitalisierungs- und Ausstellungsprojekte. Anhand von Originalen zeigt Klara von Lindern (geb. Wagner) die praktischen Arbeitsaufgaben in ihrem Praxisjahr. Begleitet von einem Besuch der Ausstellung „Transparentes Museum“ stellen Ute Haug und Jasper Warzecha den Bereich der Provenienzforschung im Haus vor.

Foto: Praxisbesuch in der Hamburger Kunsthalle. Klara von Lindern (geb. Wagner) erzählt von ihren Erfahrungen im Praxisjahr, Foto: Daniela Döring



Die Wissenschaftshistorikerin Anke te Heesen diskutiert mit den Kollegiatinnen des Forschungskollegs „Wissen | Ausstellen“ den zusätzlichen Kapitelentwurf „Museumstransformationen“ für die geplante, überarbeitete Neuauflage ihres Buches „Theorien des Museums“.



Daniela Döring hält im Rahmen einer Hybridveranstaltung einen Vortrag über ihre Praxisphase an der Zentralen Kustodie und die von ihr durchgeführten Projekte für das zukünftige Universitätsmuseum FORUM WISSEN. Marie Luisa Allemeyer führt über die Baustelle des entstehenden FORUM WISSEN; Karten Heck und Christine Nawa führen durch die Depots der Sammlung Botanische Lehrtafeln und Sammlung präkolumbianische Objekte (Nachlass Raddatz)
.



Foto: Praxisbesuch im FORUM WISSEN, Göttingen. Baustellenführung durch Marie Luisa Allemeyer, Foto: Sonja E. Nökel



Lisa Ludwig berichtet über ihre bisherige Praxisphase im Völkerkundemuseum der Universität in Zürich. Sie gibt nicht nur einen Einblick in die Arbeitsweisen des Museums, sondern präsentiert auch den Stand ihrer Doktorarbeit sowie aus der Praxis entstandene Fragen und Erkenntnisse. Der Kurator Alexis Malefakis führt durch die Ausstellung „Mit Trommeln sprechen. Westafrikanische percussion skills im globalen Gespräch“und die Museumsdirektorin Mareile Flitsch durch die Ausstellung „Seladon im Augenmerk. Jadegleiche Porzellane und ihre Meister in Longquan, VR China“.



Foto: Praxisbesuch im Völkerkundemuseum Zürich, Rundgang durch die Ausstellung „Mit Trommeln sprechen. Westafrikanische percussion skills im globalen Gespräch“ mit dem Kurator Alexis Malefakis, Foto: Lisa Ludwig


Der Workshop dient der Vorbereitung der einjährigen Praxisphase, in welcher die Kollegiatinnen zwei Rollen – die der Mitarbeiterin und jene der Wissenschaftlerin – miteinander vereinen. In einem ersten Teil führt der Direktor des Augustinermuseums Freiburg Tilmann von Stockhausen in die Institution Museum und ihre Ökonomien, Politiken und Strukturen ein. Im zweiten Teil werden die Organigramme der Kooperationspartner analysiert, die Aufzeichnungsmethode der Feldforschungsprotokolle besprochen und mögliche Formen des impliziten Wissens diskutiert.


Der Workshop „Historische Epistemologie“ mit Hans-Jörg Rheinberger findet gemeinsam mit dem Zentrum für Theorie und Methoden der Kulturwissenschaft (ZTMK) der Universität Göttingen (Margarete Vöhringer, Stefan Haas) statt. Die Kollegiatinnen diskutieren mit dem Wissenschaftshistoriker Beispiele und Fragen aus ihrer eigenen Forschung.










Das Forschungskolleg „Wissen | Ausstellen“ besucht die Ausstellung „Vergessen – Warum wir nicht alles erinnern“ inkl. einer Führung und einem Gespräch mit dem Museumsdirektor Jan Gerchow. Die beiden Agentinnen des „Programm 360°“ der Kulturstiftung des Bundes, Puneh Henning und Ismahan Wayah, stellen die rassismuskritische, inklusive und diversifizierende Arbeit des Museums vor.


Die Methodenwoche des Kollegs widmet sich jeden Tag einem anderen Bereich des Ausstellens: Von objekt- und sammlungsbezogenen Recherchen, dem Kuratieren und Gestalten bis hin zur Ausstellungserfahrung und -analysen. Die Themenfelder werden dabei von zahlreichen Gastvorträgen verschiedener Fachvertreter:innen begleitet. Abschließend geben die Kollegiatinnen einen Überblick ihrer eigenen disziplinären Zugänge und Methoden.



Zeit: Montag, 14.1.2019, 18:15 Uhr
Ort: Seminarraum, Friedländer Weg 2, 37085 Göttingen
Moderation: Dr. Daniela Döring

Die Ausstellung „Rassismus. Die Erfindung der Menschenrassen“, die bis zum 6.1.2019 im
Deutschen Hygiene-Museum Dresden zu sehen ist, thematisiert ein historisch wie gegenwärtig
stark debattiertes und wirkmächtiges Konzept, in dem alltagspopuläre, akademische, politische, ökonomische und ideologische Wissensbestände aufeinandertreffen und um Deutungsmacht ringen. Die Kuratorin Susanne Wernsing berichtet vom Entstehungsprozess, der Konzeption und Realisierung, der Zusammenarbeit mit der Institution und freien Initiativen sowie der Rezeption der Ausstellung. Dabei fokussiert sie vor allem die Frage, wie das Hervorbringen der Vorstellung fixierbarer „Rassen“ ausgestellt und problematisiert werden kann, ohne die zugrundeliegenden und bis heute wirksamen Macht- und Herrschaftsstrukturen zu reproduzieren.

Werkstattgespräch Wernsing
Foto: Ausstellungsansicht, Foto: Daniela Döring

Susanne Wernsing ist Historikerin und freie Kuratorin verschiedener Ausstellungen, u.a. zu technik- und medizinhistorischen Themen. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem Forschungsprojekt "SAMMELN ERFORSCHEN. Geschichte und Aktualisierung der Göttinger Universitätssammlungen im Kontext museumstheoretischer und ethnologischer Diskurse", eine Kooperation der Zentralen Kustodie der Universität Göttingen und der HTW Berlin, gefördert von der VolkswagenStiftung.
In der Veranstaltungsreihe WERKSTATTGESPRÄCHE des Graduiertenkollegs „Wissen | Ausstellen“ stellen Kurator*innen, Wissenschaftler*innen und Künstler*innen laufende Forschungs- oder Ausstellungsprojekten vor und greifen aktuelle Debatten der Museumslandschaft auf. Das Forschungskolleg untersucht die gegenseitigen Verflechtungen von Wissen und Ausstellen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts anhand von acht Themenschwerpunkten (Kolonialismus, Migration, Krieg, Ethnologie, Wikinger, Bilder und Wissenschaft). Es wird von der VolkswagenStiftung im Rahmen der Ausschreibung Wissenschaft und berufliche Praxis der Graduiertenausbildung gefördert (Laufzeit: 1.10.2018 bis 30.09.2022).


Das Forschungskolleg „Wissen | Ausstellen“ besucht die Ausstellung „Rassismus. Die Erfindung der Menschenrassen“ mit anschließendem Gespräch mit Anna Neubauer, Mitglied von Dresden Postkolonial und der Interventionsgruppe.



Ort: Tagungszentrum Schloss Herrenhausen, Hannover

Im Rahmen der Kick-Off Veranstaltung werden alle geförderten Forschungskollegs der Ausschreibung „Wissenschaft und berufliche Praxis in der Graduiertenausbildung“ vorgestellt. Darüber hinaus wurden strukturelle Einblicke in das Thema Praxisbezug und Promotion gegeben sowie einen Erfahrungsaustausch angestoßen.