Rarität auf dem Nordcampus - Der Feldhamster

Der Feldhamster war einst in den ertragreichen Bördelandschaften ein häufiger Bewohner unserer Äcker und wurde sogar als Schädling angesehen, da er Getreide und andere Kulturpflanzen frisst. Die Lage hat sich aber für diesen Mitbewohner unserer Kulturlandschaft drastisch verschlechtert: Verschwunden ist der kleinräumige Wechsel verschiedener Feldfrüchte, die Vielzahl von samentragenden Unkräutern in den Feldern als Nahrung, die Insekten als proteinreiche Zukost und die lange Erntezeit, die es ihm ermöglichte, seinen unterirdischen Wintervorrat zu “hamstern“. Leider ist der Feldhamster zu einer weltweiten Rarität geworden. Wegen der dramatischen Bestandseinbrüche und großen Arealverluste, jedoch insbesondere wegen der negativen Zukunftsaussichten, wurde der Feldhamster auf der neuen Internationale Rote Liste der gefährdeten Arten des IUCN weltweit als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft (IUCN 2020, Banaszek et al. 2020). Auch auf der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands wird der Feldhamster als „vom Aussterben bedroht“ aufgeführt (Meinig et al. 2020). In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sind die Wildpopulationen ausgestorben und nur durch Erhaltungszuchten und Wiederansiedlungen konnte dieser Trend aufgehalten werden. Zuletzt ist der Feldhamster in Sachsen ausgestorben.

Auf dem Nordcampus der Universität Göttingen gibt es noch Feldhamster – das ist weltweit also eine echte Besonderheit. Im Raum Göttingen ist der Feldhamster in der Agrarlandschaft rings herum vermutlich inzwischen ebenfalls ausgestorben, für Stadt und Landkreis Göttingen ist es inzwischen also der letzte verbleibende Restbestand. Die Zählung 2021 erbrachte nur noch 13 besetzte Baue.

Die Geschichte der Feldhamster auf dem Campus hat es sogar auf die Seiten von überregionalen Zeitungen geschafft, allerdings nicht immer wohlwollend: Im Jahr 2001 musste ein Teil der Feldhamster umgesiedelt werden, weil in ihrem Lebensraum auf dem Campus gebaut wurde. Südlich der Nordmensa und nördlich der Otto-Hahn-Straße werden seit der Umsiedlung Flächen feldhamstergerecht bewirtschaftet, indem dort Getreide, verschiedene Saatmischungen und Brachestreifen im kleinräumigen Wechsel angebaut werden. Auf diesen Flächen wird alljährlich eine Zählung der Baue durchgeführt. Besonders die Kernfläche südlich der Mensa ist in manchen Jahren in hoher Dichte besiedelt. Allerdings ist das Vorkommen auf diesen Ausgleichsflächen starken Populationsschwankungen ausgesetzt. Es gab Jahre, in denen ca. 100 Baue nachgewiesen werden konnten, aber mehrfach seit 2001 stand der Feldhamster auch schon kurz vor dem Aussterben. Eine solche Populationsdynamik ist bei vielen Kleinsäugerpopulationen ein natürliches Phänomen und wird unter anderem durch Prädatoren wie Füchse, Hauskatzen oder Wiesel verursacht. Eine Population ist dann überlebensfähig, wenn sie groß genug ist, um solche Schwankungen auszuhalten. Kleine Populationen mit Schwankungen dieses Ausmaßes sind hochgradig gefährdet. Langfristig ist die zurzeit optimierte Fläche von wenigen Hektar zu klein, um die Zukunft des Feldhamsters in Göttingen zu sichern. Vielleicht könnten Wiederansiedlungen östlich von Göttingen in unzerschnittenen Agrarlandschaften bei der entsprechenden Optimierung von weitaus mehr Fläche dem Feldhamster in der Region doch noch eine Chance bieten. Die Hamster auf dem Campus könnten also noch wichtige „Gründer“ werden. Bitte unterstützen Sie die Feldhamster auf dem Campus, indem Sie die Flächen nicht betreten und nicht durch freilaufende Hunde stören.


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