Paper Series

Global Migration Studies is run by the Centre for Global Migration Studies (CeMig) at the University of Göttingen. The papers provide a platform for migration research from various disciplinary stand-points that take a transnational and global perspective.


Current Issue


article-2020-cemig-01-stielke (verschoben)

Global Migration Studies, No. 01


Laura Stielike


Dispositive der (Im)mobilisierung
Fluchtursachenbekämpfung in genealogischer Perspektive








Abstract
Der Beitrag beleuchtet zwei Grundannahmen der aktuellen Debatte um Fluchtursachenbekämpfung, nämlich die Vorstellung von einer sesshaften Lebensweise als Norm und von der Möglichkeit, Migration durch Entwicklung zu reduzieren. Die eingenommene genealogische Perspektive lenkt den Blick auf die historische Gewordenheit von Wissen, Begriffen, Diskursen und Praktiken und versucht verschüttete Wissensbestände in Erinnerung zu rufen. Im ersten Teil des Beitrags werden die in der Debatte um Fluchtursachenbekämpfung verwendeten Begriffe kritisch hinterfragt, indem zwei zentrale semantische und diskursive Verschiebungen im Begriffsfeld Flucht/Migration nachvollzogen werden. Der zweite Teil fasst die zentralen Argumente der wissenschaftlichen Diskussion um eine sesshafte Lebensweise als Norm („sedentary bias“) zusammen. Der dritte Teil beleuchtet die Vorgeschichte der aktuellen Debatte um Fluchtursachenbekämpfung, indem die Diskussionen über das Verhältnis zwischen Migration und Entwicklung der letzten 60 Jahre zurückverfolgt und dabei vier konkurrierende Kausalitätsvorstellungen (Migration führt zu Entwicklung, Migration verhindert Entwicklung, Entwicklung verhindert Migration, Entwicklung führt zu Migration) herausgearbeitet werden. Im letzten Teil werden schließlich das seit dem Sommer der Migration 2015 deutlich geschwächte Mobilisierungsdispositiv „Migration&Entwicklung“, das auf die ökonomische Nutzbarmachung von Migration zielt, mit dem seitdem erstarkenden Immobilisierungsdispositiv „Containment Development“ (Landau 2019), das die Abkopplung und Sedentarisierung großer Teile der Weltbevölkerung anstrebt, im Hinblick auf Diskurse, Subjektivierungsweisen und institutionelle Praktiken verglichen.